Gut behütet in der Tagespflege „Helfende Hände“
Der Rentner-Wohlfühl-Service

Ladbergen -

Rentner müsste man sein: Zeit satt für Hobbys, so viel Verreisen, wie man möchte, die Seele baumeln lassen. Soweit das Klischee. Meist zeichnet die Realität ein anderes Bild: Zu viel Zeit alleine, wenig Abwechslung und körperliche Beschwerden verhindern viele Aktivitäten. Dass dadurch der Alltag spröde und langweilig wird, muss allerdings nicht sein: In der Tagespflege der „Helfenden Hände“ steht Senioren ein Rundum-Wohlfühl-Service zur Verfügung.

Sonntag, 15.07.2018, 14:30 Uhr

Von Montags bis Freitags sind sie hier gut aufgehoben: Die Senioren und Seniorinnen der Tagespflege „Helfende Hände“. In der Linnenkampstraße in Ladbergen werden sie mit offenen Armen empfangen.
Von Montags bis Freitags sind sie hier gut aufgehoben: Die Senioren und Seniorinnen der Tagespflege „Helfende Hände“. In der Linnenkampstraße in Ladbergen werden sie mit offenen Armen empfangen. Foto: Luca Pals

Geleitet wird die Einrichtung an der Linnenkamp­straße, wo sie gemeinsam mit einem ambulanten Pflegedienst beheimatet ist, von Anke Korte. Gemeinsam mit ihrem Team bietet sie Senioren in jeder Woche abwechslungsreiche Tage.

Das Programm hat sich laut Tanja Schwarz von den „Helfenden Händen“ per Mundpropaganda schnell herumgesprochen. So schnell, dass Anke Korte sagt: „Wir haben einige Personen auf der Warteliste“. Etwa 90 Prozent der Interessenten kommen nach ihrer Aussage aus den Nachbarkommunen. Wegen des großen Bedarfs eröffnen die „Helfenden Hände“ eine zweite Einrichtung in Lengerich (WN berichteten).

Anke Korte sagt: „Wir legen Wert auf einen festen Tagesablauf. Der gibt Senioren Struktur in ihrem Alltag“ – und sieht so aus: Morgens werden die Senioren um 9 Uhr mit einem Taxi zur Einrichtung gebracht. Immer mit „offenen Armen“, so Korte weiter, werden die Gäste in Empfang genommen.

Jacken ablegen und an einen gedeckten Tisch setzen findet als nächstes statt. Nach dem Frühstück gehört das Studium der Westfälischen Nachrichten zum Tagesbeginn. Anke Korte: „Es ist wichtig, dass die Senioren mitbekommen, was bei ihnen vor Ort los ist.“ Vom Lokalen über den Sport bis zur Politik – sie sind immer auf dem neusten Stand.

Wenig später werden die Senioren – meist sind es Zehn – aktiv: Schälmesser raus, die Zutaten für das Mittagessen schneiden. Gekocht wird frisch. „Wir bereiten gern auch einmal altbekannte Gerichte zu“, erklärt Korte: „Zum Beispiel ,Armer Ritter, das ist Zwieback mit Ei und Rotwein, wie ihn die Senioren von früher kennen“.

Dass die Gäste helfen, hat Methode. Die Chefin: „So wird das Kochen individueller, wir fordern die Besucher. Das Therapiekochen ist für sie anregend und flexibel.“

Aktiv geht es nach dem Schnibbeln weiter: Im Sportraum wird geschwitzt. Eine ausgebildete Reha-Sportlerin überanstrengt die Senioren zwar nicht, deren Gelenke werden aber „bestens geölt“. So sitzen sie dann auch nicht völlig verausgabt am Mittagstisch: Das Essen ist fertig, nach dem gemeinsamen Gebet wird ordentlich zugelangt.

Die Mittagssonne scheint, die Senioren machen es sich gemütlich. Nach eineinhalb Stunden treffen sie sich bei Kaffee und Kuchen wieder. An diesem Tag gibt es dafür einen besonderen Anlass: Es ist der vorletzte Arbeitstag der Praktikantin Jana Kotlewski aus Ladbergen, die die süße Versuchung zum Abschied spendiert. Neun Wochen Praktikum im Rahmen ihrer Ausbildung zur Pflegeassistentin hat sie hinter sich: „Ich bin gut aufgenommen worden, habe viel im Betreuungsbereich gelernt, war nah an den Menschen und habe Wertschätzung erfahren“, sagt sie.

Die Aussage passt zu den Worten von Anke Korte, die sagt, ihr Haus sei „familiär. individuell und vielseitig sowie offen für alle.“ Sie liebt den Job und berichtet: „Ich lerne aus der Erfahrung der Menschen und kann ihnen gleichzeitig helfen.“

Der Einstellung mancher Senioren unter dem Motto „Weil ich alt bin, tauge ich zu nichts mehr“, tritt sie vehement entgegen. Das tägliche Beisammensein belehrt die meisten eines Besseren. Das zeigt sich schon am Nachmittag, der wie immer ein buntes Programm bereithält. „Bei gutem Wetter steht oft ein Rundgang durch Ladbergen auf dem Programm. Ansonsten gibt es genügend Spiele und Bastelmaterialien, die dafür sorgen, dass keiner Langeweile haben muss.“

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