Lengerich
Fr., 30.07.2010
Misstöne im Glockenturm
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Lengerich - Aufmerksame Passanten und Anwohner wird es gewundert haben. Am Mittwoch, so die Evangelische Kirchengemeinde Lengerich, läuteten die Glocken der Stadtkirche Lengerich und der Hohner Kirche zu ungewöhnlichen Zeiten und in ungewöhnlicher Länge. Grund für das Geläut war der dreieinhalbstündige Besuch des Glockensachverständigen der Evangelischen Kirche von Westfalen, Claus Peter aus Hamm, teilt die Evangelische Kirchengemeinde mit.
Seit der Abnahme des erneuerten Glockenstuhls der Lengericher Stadtkirche vor 17 Jahren hatte der Glocken- und Kirchturmuhren-Sachverständige der Landeskirche nicht mehr die Lengericher Glocken besichtigt. Da seit geraumer Zeit eine der großen Glocken der Stadtkirche wegen eines technischen Defekts nicht mehr geläutet werden durfte und Abhilfe geschaffen werden musste, wurde Claus Peter zur Begutachtung eingeladen. In diesem Zusammenhang nahm er nicht nur die Glockenstube der Stadtkirche, sondern auch die der Hohner Kirche in Augenschein.
Mit Küster Friedrich Reinecke und Pastorin Sigrid Holtgrave begutachtete er zunächst den Glockenstuhl der Stadtkirche. Der Fachmann lobte die gute Verfassung des 1993 eingebauten Glockenstuhls. Die Eichenbalken weisen laut Bericht kaum Risse und Sprünge auf. Qualitativ hochwertige, trockene Eiche wurde damals fachmännisch verwendet. Ein anderer Grund ist im regelmäßigen Nachziehen der Befestigungsschrauben des Glockenstuhls durch Küster Reinecke und andere Ehrenamtliche zu sehen. Extra für dieses Nachziehen der Befestigungsschrauben wurden gewaltige Schraubenschlüssel (Größe 50) angeschafft.
Die sauber gehaltene Glockenstube fand die Anerkennung des Sachverständigen. Er würde gerne einmal die Zuständigen anderer Kirchengemeinden zwecks Nachahmung in die vorbildlich gepflegte Lengericher Glockenstube schicken.
An den beiden alten mittelalterlichen Glocken namens „Margarete“ und „Katharina“ stellte der Experte ein unregelmäßiges Schwingen fest. Auch schlügen die Klöppel zu hoch in den Glocken an. Bei der demnächst stattfinden Wartung sollte dieses Problem, das auch zu einer schlechteren Tonqualität der Glocken führt, behoben werden. Für die still gelegte Glocke empfahl Claus Peter die Anschaffung eines neuen Motors für die Schwungketten. Die Kirchengemeinde hat nach eigenen Angaben schon ein Angebot eingeholt.
Voll des Lobes für die Lengericher Glockenstube ging es nach zwei Stunden weiter zur Hohner Kirche. Dort wurden die drei Glocken aus Eisenhartbrand in Augenschein genommen, die sich vom Klang her schon sehr von den mit Messing gegossenen Glocken der Stadtkirche unterscheiden. Der Glockensachverständige untersuchte jede Glocke ausführlich. Mit speziellen Stimmgabeln für Glocken wurden die Tonlagen der Hohner Glocken exakt herausgefunden und für die Glockenlisten der Landeskirche festgehalten. Mit weiteren Messgeräten wurde die Dicke der Glockenwände berechnet.
Sorgen bereiten dem Glockensachverständigen das schon sehr poröse Eisenmaterial der Hohner Glocken. Im Ruhrgebiet seien Glocken ähnlicher Fabrikation nach so langer Benutzung beim Läuten einfach zersprungen. Auch die Aufhängung der Glocken sei sehr alt und rostig. Auf Dauer käme die Kirchengemeinde nicht darum herum, sich über neue Glocken oder ein neues Geläut für die Hohner Kirche Gedanken zu machen.
Während seiner Kirchturmbesteigungen sah sich der Sachverständige, der von der Landeskirche auch mit der Betreuung der Kirchenuhren betraut ist, die Uhrwerke in den beiden Kirchtürmen an. Die mechanische Hohner Kirchenuhr von 1925 stellt mit ihren Gewichten ein besonderes Prachtstück an Qualität dar. Diese mechanische Uhr wird bei guten Pflege noch lange viele Jahrzehnte ihren Dienst tun. Auch der Lengericher Stadtkirchenuhr wurde eine gute Qualität bescheinigt. An beiden Uhren stellte der Experte die Zeit neu ein. Während die Uhr in der Stadtkirche ihrer Zeit sehr voraus ging, gab die Hohner Kirchturmuhr falsche Uhrschläge an. „Schauen Sie bitte in den nächsten Tagen, ob die richtigen Uhrzeiten und Uhrschläge gehalten werden“, bat der Uhren- und Glockenfachmann den Küster und die Pastorin.
Der Kirchengemeinde versprach er in der nächsten Zeit einen Besuchsbericht, damit sie entsprechende Arbeiten, Wartungen und Reparaturen in den Glockenstühlen angehen kann.
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