Fr., 13.03.2009

Lienen Die Not schweißt zusammen

Von Wilhelm Schmitte

Lienen - „Der Zusammenhalt“, sagt Günter Schnarre, „der Zusammenhalt ist bei uns groß.“ Das dürfte auch der Grund dafür sein, dass es seit 85 Jahren den Zusammenschluss „Hilfe am Grabe“ Holperdorp gibt. Der erste Vorsitzende denkt gar nicht daran, das Ganze sterben zu lassen. Ganz im Gegenteil. Die Vereinigung lebt.

Der Teutoburger Wald trennt die Bauerschaft - an der niedersächsischen Landesgrenze gelegen - vom Dorf. Die Menschen sind seit jeher auf sich selbst angewiesen und rücken zusammen. Heute weniger als vor Jahrzehnten.

Am 15. Februar 1923 finden sich 35 Bauern und kleine Kötter in der Notgemeinschaft „Hilfe am Grabe“ zusammen.

Wie funktioniert das? Kommt es in einer Familie, die der Vereinigung angehört, zu einem Sterbefall, macht sich Kassenwart Norbert Trommeter auf den Weg und sammelt von jedem Mitglied 2,50 Euro (1939 sind es beispielsweise 15 Pfennige gewesen). Bei 120 kommen 300 Euro zusammen. „Das reicht für einen einfachen Sarg aus Fichte“, weiß Günter Schnarre. Für die Hinterbliebenen ist das heute nach wie vor eine willkommene Zuwendung. Vor allem, seit die Krankenkassen kein Sterbegeld mehr zahlen. „Das wird dankbar angenommen“, fasst der Vorsitzende seine Erfahrungen zusammen. Daher auch seine Prognose: „Die Notgemeinschaft bleibt bestehen.“

Der Kassierer macht sich im Falle eines Falles - fünf waren es 2008 - auf den Weg zu den 60 weit verstreut liegenden Häusern. Das kann Tage dauern. Die Menschen schätzen die persönliche Ansprache. Und gerade deshalb wollen sie darauf nicht verzichten und entrichten in bar ihren Obolus. „Das ist so gewollt. Eine Einzugsermächtigung möchten unsere Mitglieder nicht“, erklärt der zweite Vorsitzende Heinrich Tepe. Dahinter steht die Absicht, den zwischenmenschlichen Kontakt untereinander zu erhalten.

Selbstverständlich, so Geschäftsführer Wilhelm Ridder, ist es in Holperdorp, dass aus jedem Haushalt ein Vertreter mit zur Beerdigung geht. Schließlich kennt hier seit Jahrzehnten Jeder Jeden.

In Holperdorp hat Selbsthilfe Tradition. Nach dem Zweiten Weltkrieg bildet sich eine kleine Mistgabel-Bürgerwehr zum Schutz vor einer marodierenden Soldateska. Bei Überfällen schlagen die Menschen mit Topfdeckeln, alarmieren so ihre Nachbarn und bitten um schnelle Hilfe. Und auch ein Kuh- und Pferdekasse hat es einst gegeben.

Wer in die Gemeinschaft eintreten möchte, kann sich an den Vorsitzenden Günter Schnarre (05483/652) wenden. Neue Gesichter sind jederzeit willkommen.

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