Sa., 10.10.2009

Lienen Kisten für Wüste und Urwald

Lienen - Ja, ein Abenteurer muss man schon sein, das Improvisieren lieben und auch `mal 16 Stunden am Tag und sechs Tage in der Woche arbeiten. Tüfteln, die Welt lieben, von Technik Ahnung und eine verständnisvolle Partnerin haben. Nur mit diesen Eigenschaften lässt sich dieser ungewöhnliche Beruf ausüben. Burkhard Recker baut auf dem ehemaligen Hof Ottelübbert in Höste...

Von Wilhelm Schmitte

Lienen - Ja, ein Abenteurer muss man schon sein, das Improvisieren lieben und auch `mal 16 Stunden am Tag und sechs Tage in der Woche arbeiten. Tüfteln, die Welt lieben, von Technik Ahnung und eine verständnisvolle Partnerin haben. Nur mit diesen Eigenschaften lässt sich dieser ungewöhnliche Beruf ausüben. Burkhard Recker baut auf dem ehemaligen Hof Ottelübbert in Höste Expeditionsfahrzeuge. Inzwischen dürften es über 430 sein.

Von der Standheizung über Toilette bis hin zu Küche, Kühlbox, Hochzelt und Dusche bieten die Allrader jeden denkbaren Komfort, sind tauglich für die afrikanische Sahara und machen auch in den Anden auf 4000 Metern Höhe nicht schlapp. Zwei Wassertanks mit je 50 Litern sind Standard. Mit Entkeimungsanlage versteht sich. Je nach Geldbeutel des Kunden gibt es weitere Luxus-Details. Nichts ist unmöglich. Die Kisten sollen eben komfortabel sein.

Der 52-Jährige, Inhaber des Unternehmens „Innovation Campers“, ist Einzelkämpfer. Vorzugsweise wählt er Toyota-4x4-Mobile, aber auch Iveco . Er verlängert Aufbauten, bietet jedoch auch einen Komplettaufbau mit gerundeten Seitenwänden an. Das macht sich optisch besser.

Der gelernte Tischler und Selfmademan schweißt, nietet und klebt alles selbst, verwendet Alu-Sandwichwände und Profilleisten. Besonderes Kennzeichen ist die schwenkende Hecktür. Viel Stauraum, Schlafen auf drei Ebenen und bequemes Sitzen im Wagen. Das ist die Philosophie von Burkhard Recker. Qualität steht für ihn an erster Stelle. „Ich mache alles selbst“, sagt er in einem Gespräch mit den WN.

Natürlich testet er seine Fahrzeuge selbst. Dazu fährt er - wie vor sechs Jahren - mal eben mit Ehefrau Barbara, einer Gebärdensprache-Dolmetscherin, und den beiden Kindern von Lienen nach Ulan-Bator in die Mongolei und zurück. 24000 Kilometer. Ober 2008 vom argentinischen Buenos Aires ins brasilianische Recife und retour. 14000 Kilometer. Anfangs sind die heute 22 Jahre alte Tochter und der 16 Jahre alte Sohn dabei.

„Ich muss ausprobieren, was ich baue“, nennt das der Lienener. Außerdem liefern ihm solche Touren wichtige Anregungen für Verbesserungen und Neuerungen. Das Ganze macht dem Globetrotter unheimlich Spaß: „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“

Angefangen hat alles 1977 mit einer Citroen-Kastenente 2CV4. Damit gondelt der tatendurstige Weltentdecker nach Portugal, Spanien und Marokko. Er bastelt sich eine Kofferraumbeule. „Zum Schlafen.“ Und beweist englischen Humor. Die Motorhaube gestaltet er um - vorn mit einer Klobrille.

Burkhard Recker ist auf den Geschmack gekommen. „Dass sich daraus ein Berufszweig entwickelt hat, war damals nicht vorstellbar“, staunt er noch heute über das Wachstumspotenzial dieser Nische. Der Umbau von Geländewagen zu Expeditionsfahrzeugen boomt.

Der Autodidakt sammelt erste Erfahrungen mit dem legendären Toyota-Buschtaxi. Das Fahrzeug mit Vierradantrieb - gern von UN-Mitarbeitern und Botschaftsangehörigen genutzt - wird heute vom japanischen Hersteller allerdings nicht mehr in Europa vertrieben.

Nach und nach wendet sich der leidenschaftliche Schrauber in seiner Werkstatt auch allen anderen gängigen Marken zu. Seine Kunden kommen aus Deutschland und den Nachbarländern. Seine Fahrzeuge mit dem markanten indianischen Kokopelli-Logo rumpeln in Namibia ebenso wie in Brasilien oder in Russland über unbefestigte Straßen und Pisten.

Gerade baut Burkhard Recker auf einem Iveco einen neuen Aufsatz. Für sich und seine Familie. Damit soll es im nächsten Jahr über Stock und Stein gehen. Voraussichtlich in Brasilien.

Sechs-Tage-Woche und 4 Uhr morgens aufstehen. Ist das nicht ein bisschen viel? „Es macht Spaß“, antwortet ein lachender Burkhard Recker. Man merkt, der Mann liebt seinen Beruf. Denkt aber auch an seine Gesundheit: „Es soll weniger werden.“ Ob`s wohl klappt?

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