Das Ende aller Mythen

So., 22.01.2012

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Hortensien-Schänder identifiziert: Eichhörnchen beim Knabbern erwischt

Das Ende aller Mythen : Hortensien-Schänder identifiziert: Eichhörnchen beim Knabbern erwischt

Stachel- und Elektrodraht als Schutz vor den Hortensien-Schändern haben jetzt ausgedient. Foto: Michael Baar

Lienen/Tecklenburger Land - 

Nicht wenige Gartenbesitzer wähnten Diebe am Werk. Immer wieder waren Hortensien das Ziel. Sogar mit Stacheldrähten wurden die Pflanzen gesichert. Jetzt ist der Übeltäter ertappt worden. Eichhörnchen knabbern die Triebe mit ihren spitzen Zähnen ab.


Kostengünstige Versorgungsquelle für heimische Junkies – mit diesem Vorwurf ist Hydrangea in den vergangenen Monaten überhäuft worden. Eine Wirkung, ähnlich wie bei Cannabis, wird der gemeinen Gartenhortensie zugeschrieben. Reihenweise abgeschnittene, abgerissene und abgerupfte Blumenstiele sollen Zeugnis ablegen von der ungezügelten Drogenlust unbekannter Konsumenten.

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Nichts von dem stimmt. Die vermeintlichen Diebstähle dürften auf die Kappe von Sciurus vulgaris gehen. Der ist – in Nordwalde – auf frischer Tat ertappt worden. Beim Knabbern an Hortensien-Trieben. Das Ende aller Mythen, die sich um die Hortensie und ihre beschädigten Triebe ranken?

Seit Jahren ist die weit verbreitete Pflanze Gegenstand von Spekulationen. Die Polizei ist ebenfalls eingeschaltet worden. „Wir mussten uns mit dem Thema auseinander setzen“, sagt Udo Potthoff, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Steinfurt. Der Grund: Teile der Pflanze enthalten giftige Bestandteile, beispielsweise Blausäure. Ob getrocknet oder wie auch immer zubereitet – in einschlägigen Kreisen ist die halluzinogene Wirkung kolportiert worden. Die Konsumenten könnten Blausäure zu sich nehmen.

Für die Beamten sei es eine undankbare Aufgabe gewesen. Nirgendwo Spuren, keine Tatverdächtigen, nicht einmal Folge-Taten in der Nähe der Hortensienbeete. Hinzu kommt: „Uns ist nicht ein Fall bekannt geworden, dass jemand eine Hortensie oder Teile davon geraucht hat“, ergänzt Udo Potthoff.

Doch die Hysterie um Hydrangea hat immer weitere Kreise gezogen. Anrufer aus Schleswig-Holstein haben sich bei der Polizei ebenso gemeldet wie Mitbürger aus Bayern und Baden-Württemberg. Der Pressesprecher hofft jetzt auf ein Ende des Hortensien-Märchens.

„Die Polizei ist nicht dazu da, Naturphänomene zu erklären“, schwingt eine gehörige Portion Skepsis in seiner Stimme mit, wenn er zurückblickt. Damit soll es jetzt vorbei sein, hofft er. Denn in Nordwalde will eine Frau den Hortensien-Frevler auf frischer Tat ertappt haben: Sciurus vulgaris, besser bekannt als Eichhörnchen.

Einer, der sich mächtig über die Schäden an seinen Hortensien geärgert hat, ist Ulrich Reimann aus Lienen. Bereits im Januar 2010 hat er zum ersten Mal Schäden an seinen Hortensien entdeckt. Kein Einzelfall, erzählt der in Höste Wohnende. Acht weitere Geschädigten aus Lengerich hätten sich damals bei der Polizei gemeldet. Vor wenigen Wochen beginnt das Spiel von neuem: Über Nacht sind zahlreiche Hortensien beschädigt. „Ein Drittel des Bestandes“, ärgert er sich. Spuren? Fehlanzeige.


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