Mo., 27.07.2015

Lienen ist 1050 Jahre alt Zu Recht gefeiert

Die Grafentafel in Holperdorp liegt auf der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Dort sollen sich einst Bischöfe und Grafen zur Jagd verabredet haben. In diesem Jahr besteht Lienen 1050 Jahre.

Die Grafentafel in Holperdorp liegt auf der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Dort sollen sich einst Bischöfe und Grafen zur Jagd verabredet haben. In diesem Jahr besteht Lienen 1050 Jahre. Foto: Wilhelm Schmitte

Lienen - 

1965 feierten die Menschen 1000 Jahre Gemarkung Lienen. Dazu erschien das Buch von Friedrich Ernst Hunsche „Lienen am Teutoburger Wald”. War die Feier berechtigt?

Von Wilhelm Wilkens

Mit Urkunde vom 15. Juli 965 schenkte Kaiser Otto der Große (936 bis 973) auf Ersuchen seiner aus Enger stammenden Mutter Mathilde, Frau Heinrichs I. (919 bis 936), dem Bischof Drogo von Osnabrück einen Forstbann (Waldgebiete) innerhalb der Grenzpunkte Farnwinkil (äußerste Ecke/Ödingberge), Hrutansten (säkularisierender Begriff Rutenstein/Grafentafel), Angare (Enger, Osning (Teutoburger Wald bei Dissen), Sinithi (Senne), Bergashavid (Bergeshövede), Drevanameri (Heiliges Meer/Hopsten), Etenesfeld (bei Fürstenau) und Diummeri (Dümmer See).

Die Westgrenze des nach Süden ausgreifenden Suderberggaus wird also an zwei Punkten beschrieben: Farnwinkil und Hrutansten. Diese Grenze entspricht der späteren Beschreibung des Jagdgebietes des Bischofs durch den Iburger Abt Johann von Ösede 1447 (zitiert bei Hunsche , Lienen Seite 37).

Was aber ist mit der Ostgrenze des Südlandes? Markanter Punkt ist der Osning (zweite Zeile). Gemeint ist das christianisierte Göttergebirge um Dissen. Karl der Große hatte Dissen zur Königsburg ausgebaut. Die Georgskirche stand vermutlich auf einem Ziu-Heiligtum. Osnabrück und sein Südland sind Widukindland.

772 begann der Kampf Karls um das Osnabrücker Umfeld, wozu auch die Iburg gehört, die ab 1068 von Bischof Benno II. (1068 bis 1088) ausgebaut und mit einem Kloster versehen wurde, ab 1100 Sitz der Fürstbischöfe. Die Auseinandersetzung mit Widukind kam erst mit dessen Taufe in der Königspfalz zu Attigny 789 zu einem Ende.

Zum Osning gehört die Verbindung mit Enger. In der dortigen Stiftskirche wird das Grab Widukinds vermutet. Mathilde, seine um 895 in Enger geborene Nachfahrin, wird Frau König Heinrich I. (919 bis 936) in Quedlinburg. Sie ist Mutter von Kaiser Otto I. (936 bis 973) und bewegt ihren Sohn zur Schenkung an den Osnabrücker Bischof Drogo (965). Das ist die Bedeutung Engers in dem Dokument von 965.

Mathilde wird durch die Erwähnung ihres Geburtsortes die Ehre gegeben. Sinithi dagegen ist ein Stück Senne bei Bielefeld, Exklave des Osnabrücker Bistums im Amt Reckenberg-Wiedenbrück, die schon 952 von Otto mit dem Markt-, Münz- und Zollrecht bedacht wurde. In seiner nördlichen Spitze reicht die Exklave bis nach Friedrichsdorf in der Senne. Es wird mit Sinithi daran erinnert, dass der Kaiser schon wenige Jahre zuvor dem Bischof eine Schenkung zukommen ließ. Die Ostgrenze des Forstbanns von 965 aber ist von Farnwinkil über Dissen zum Dümmer See zu ziehen.

Dissen, Hauptort des Suderberggaus, liegt an dessen östlichem Rand. Um das Südland missionarisch zu durchdringen, bedurfte es einer Aufteilung in Bezirke, zunächst der Teilung zwischen Dissen und Lienen an der Glane. Die „Liener Mark” (1447) reichte von der Lengericher Grenze bis an die Glane.

Einen Ort Glane gab es 1068, als Benno II. begann, die Iburg auszubauen, so wenig wie die Orte Iburg, Hilter oder Glandorf. Da fanden sich nur einzelne Gutshöfe. Alles Gewicht fällt wenig später von Dissen auf das zentraler gelegene Lodre (Laer), der Mutterpfarrei von Glandorf. Auch die Wege zur Kirche von der Glane nach Lienen waren weit.

So stiftete Gisela, Besitzerin des späteren Hofes Wiemann (auf der Westseite der Glane), eine Jakobus-Kapelle an der heutigen Bahnhofstraße westlich der Mosterei und schenkte sie zur Hälfte dem Osnabrücker Bischof, die andere Hälfte später dem von Benno II. errichteten Kloster, ebenso ihren Hof. Von dieser Kapelle zog die jährliche Jakobusprozession über den Deetweg bis zur Lengericher Grenze.

Bald hatte sich Glane zum Ort entwickelt. Um 1260 entstand dort die Jakobus-Kirchengemeinde. Die Kirchengemeinde Lienen wurde zurückgenommen auf die heutigen Grenzen, ebenso Laer, das östlich der Glane an die Stelle von Dissen getreten war. Das dürfte die Zeit sein, da auch Glandorf mit Schwege und Averfehrden eigenständige Pfarrei wurde. An die Stelle der Glaner Jakobus-Kapelle trat 1356 die Jakobuskirche. Die Kapelle aber erhielt einen neuen Platz bei Pellemeier in Lienen.

Die 1000-Jahrfeier der Gemarkung Lienen wurde 1965 zu Recht gefeiert. Es bleibt bei Hunsches Interpretation des Dokuments von 965. Neu eingebracht wurde lediglich das Verständnis der zweiten Zeile: Angare, Osning, Sinithi.

Christof Spannhoff (Tecklenburger Landbote vom 19. November 2013) konstruiert die Grenzen des Bistums unhistorisch in Ausklammerung der religionsgeschichtlichen Situation. Lienen ist demnach 1050 Jahre alt.

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