Fr., 07.08.2015

Unterricht an der Waldorfschule beginnt Ohne Eltern-Einsatz geht es nicht

Freuen sich auf den 15. August: Louis, Jesse und Luke Heidemann (von links, untere Reihe), Hermann W. Rutsch, Brigitte Handt, Ariane Sternke, Ulrich Eickhoff, Mario und Andrea Heidemann vom Förderverein (von links). Im Ostflügel der Hauptschule (kleines Bild) befinden sich die Klassenzimmer, Toiletten und Funktionsräume der Freien Waldorfschule.

Freuen sich auf den 15. August: Louis, Jesse und Luke Heidemann (von links, untere Reihe), Hermann W. Rutsch, Brigitte Handt, Ariane Sternke, Ulrich Eickhoff, Mario und Andrea Heidemann vom Förderverein (von links). Im Ostflügel der Hauptschule (kleines Bild) befinden sich die Klassenzimmer, Toiletten und Funktionsräume der Freien Waldorfschule. Foto: Wilhelm Schmitte

Lienen - 

Am 15. August wird in der Geschichte der Gemeinde ein neues Kapitel aufgeschlagen – zumindest schulpolitisch. Die Waldorfschule nimmt offiziell ihren Betrieb auf. Über Ziele, Vorstellungen und den praktischen Alltag der Einrichtung sprach unser Redakteur Wilhelm Schmitte mit Hermann W. Rutsch aus Hagen a. T. W. Der 63-Jährige Diplom-Ingenieur – inzwischen im Ruhestand – ist Vorsitzender des Fördervereins Waldorfschule Lienen. Er selbst ist neun Jahre lang Waldorfschüler in Benefeld (bei Walsrode) gewesen.

Mitte August geht die Waldorfschule an den Start. Was ist das besondere Markenzeichen?

Hermann Rutsch : Unsere Freie Waldorfschule in Lienen zeichnet sich, wie alle Waldorfschulen, durch ein anderes Unterrichtskonzept aus. Dieses ist grundsätzlich ganz anders aufgebaut, als in staatlichen Schulen und ermöglicht unter der Berücksichtigung der individuellen Fähigkeiten der Kinder eine intensivere Ausbildung und damit einen umfassenden Lernerfolg. Die Klassenräume sind individuell gestaltet, sind nicht steril und heben sich durch Farben und aufwendigen Holzfußboden vom Einerlei vergleichbarer Institutionen wohltuend ab.

Wie viele Schüler, Klassen und Lehrer gibt es?

Hermann Rutsch: Es gibt 15 Schüler in zwei Klassen, der ersten und der dritten Klasse. Zurzeit sind sechs Lehrer eingestellt.

Wie sieht das Einzugsgebiet aus?

Hermann Rutsch: Das Einzugsgebiet wird derzeit aus dem südlichen Osnabrücker Land über die Gemeinden Hasbergen, Georgsmarienhütte, Hagen a. T. W., Hilter, Dissen, Bad Iburg, Glandorf, das Tecklenburger Land mit den Kommunen Tecklenburg, Leeden, Lengerich, dann nördlich die Gemeinde Lotte und den südlicher gelegenen Orten Kattenvenne oder Greven gebildet. Es ist allerdings durchaus vorstellbar, und das belegen Anfragen, dass beispielsweise auch eine Ausdehnung weiter nach Norden möglich ist. Dabei wird es aber nicht mit einer Kollision mit der Waldorfschule in Evinghausen kommen. Gleiches gilt für die Schulen in Melle, Münster und Everswinkel.

Wie sieht die räumliche Situation aus?

Hermann Rutsch: Zurzeit stehen der Schule in der Hauptschule in Lienen drei Räume zur Verfügung. Das sind zwei Klassenzimmer und ein Verwaltungs-/Lehrerzimmerbereich. Der Teiltrakt verfügt über einen eigenen Eingang und eine eigene Toilettenanlage. Im Laufe der Zeit werden sukzessive mit dem Auslaufen der Hauptschule weitere Räumlichkeiten umgestaltet und in den Waldorfschulbereich integriert.

Woran mangelt es noch?

Hermann Rutsch: Sicher wäre ein weiterer Raum für unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten schön und ein Lehrerzimmer wäre auch ein Plus. Aber lebensnotwendige Mängel gibt es aus jetziger Sicht nicht. Wie auch bei anderen Ersatzschulen, so nennen sich die Schulen außerhalb der staatlichen Organisation, wird ein großer Teil der finanziellen Aufwendungen seitens des Landes gefördert. Allerdings bleibt doch ein durchaus hoher Anteil eigen zu finanzieren. Hier ist das Engagement der Eltern ein dankenswerter Beitrag, natürlich aber auch die sehr lobenswerte Unterstützung der Gemeinde und der örtlichen Industrie und des Handels. Wünschenswert wäre die Unterstützung kleinerer und größerer Unternehmen der Region, die außerhalb Lienens angesiedelt sind. Hier besteht ganz sicher und im Vergleich mit Münster und Osnabrück Nachholbedarf. Der Wirtschaft und dem Handel muss vermittelt werden, dass Waldorfschulen in großem Maße Kinder ausbilden, die im Arbeitsleben häufig sehr erfolgreich sind. An dieser Stelle ist vom Förderverein der Schule aktiv zu arbeiten.

In einer Waldorfschule wird (finanzielles und zeitliches) Elternengagement vorausgesetzt. Wie sieht das aus?

Hermann Rutsch: Ja, das ist richtig, dass die Eltern sich finanziell und tätig einbringen sollen, dass sie aber in erster Linie hinter dem Konzept der Rudolf Steiner Pädagogik stehen sollen. Erfahrungsgemäß geschieht das auch vollumfänglich. Speziell in Lienen ist die Einrichtung der Schule von Eltern und Ehrenamtlichen in einer Weise gestaltet worden, die ihresgleichen sucht. Es zeigt sich ein außergewöhnliches Gemeinschaftsgefühl, was sowohl von jüngeren Eltern, als auch von älteren Ruheständlern geprägt ist. Hilfreich beim Aufbau der Schule war und ist unter anderem, dass eine internationale Schule in Münster geschlossen wurde und der Waldorfschule in Lienen die komplette Einrichtung überlassen werden konnte. Besonders hilfreich ist natürlich auch die Verbindung zur Hauptschule in Lienen, deren Gebäude nach und nach weiter angemietet werden können. Das finanzielle Engagement der Eltern ist unterschiedlich gestaltet. Waldorfschulen versuchen die finanzielle Eigenleistung nach einem Solidaritätsprinzip zu gestalten. Das bedeutet, dass sich Eltern, denen es möglich ist, sich finanziell stärker zu engagieren und so anderen Eltern den Eintritt ihrer Kinder ebenfalls ermöglichen. Spenden, woher auch immer, unterstützen dieses Prinzip natürlich sehr.

Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Hermann Rutsch: Natürlich den weiteren Ausbau der Schule im Visier zu haben, insbesondere weitere anschließende Klassen. Die Aufgabe heißt dann, weitere Lehrer zu finden, die an dem sehr schönen Standort Lienen tätig werden möchten. Schon jetzt sind Bewerber herzlich willkommen und natürlich sind alle interessierten Eltern gebeten, mit unserer Schule Kontakt aufzunehmen, um ihre Kinder einer wertvollen Ausbildung zuzuführen.

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