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Mo., 15.02.2016

Ländliche Essgewohnheiten vor 100 Jahren Fünf Mahlzeiten waren das Minimum

Buchweizenpfannkuchen gehörten auch zum Speiseplan der Menschen vor 100 Jahren.             

Buchweizenpfannkuchen gehörten auch zum Speiseplan der Menschen vor 100 Jahren.              Foto: Monika Gerharz

Ladbergen/Tecklenburger Land - 

Von Ernährungsexperten wird nach langen Hin und Her heute wieder empfohlen, drei Mahlzeiten am Tag zu sich zu nehmen: das Frühstück, das Mittag- und das Abendessen. Vor gut 100 Jahren sah das auf westfälischen Bauernhöfen anders aus.

Von Christof Spannhoff

In der Zeit vor der Mechanisierung der Landwirtschaft gab es weitere Mahlzeiten am Tag. Weil noch alle Arbeiten mit menschlicher und tierischer Arbeitskraft verrichtet werden mussten, hatten die Menschen einen höheren Energiebedarf. Das Essen in dieser Zeit war einfach und diente hauptsächlich dem Stillen des Hungers.

Nach dem Füttern des Viehs am Morgen gab es vielfach eine dicke Milchsuppe, den sogenannten Papp, oder Knabbeln. Bei Letzteren handelte es sich um harte Weißbrotbrocken, die durch zweifaches Backen sehr trocken und daher lange haltbar waren. Um sie besser essen zu können, wurden sie in Milch oder Kaffee eingeweicht. Zum ersten Frühstück konnte es auch Brotsuppe, Getreidegrütze oder Fettsuppe geben, also in heißes Wasser eingeweichte Knabbeln mit Milchpapp und Fett. Kalorienreichere Nahrung war vor allem in den Wintermonaten wichtig.

Der zum Frühstück getrunkene Kaffee war zumeist Kornkaffee, den die Bauern aus Roggen oder Gerste selbst brannten. Wenn es Bohnenkaffee gab, so war dieser häufig mit Zichorie gestreckt. Zum zweiten Frühstück gab es belegte Brote, Milchsuppe oder Pfannkuchen.

Mittags gab es deftigen Eintopf. Besonders das „Durchgemüse“ war weit verbreitet. Es bestand aus vorhandenem Gemüse, Kartoffeln und Speck, die zusammen gekocht wurden. Der Speiseplan hing davon ab, was der Garten oder die Vorratskammer hergaben.

Zwischen Mittag- und Abendessen lag die Vesper, zu der es Kaffee, Brote und Pfannkuchen gab. Zum Abendessen wurde oft „Aufgewärmtes“ vom Mittag aufgetischt, aber es gab auch Bratkartoffeln oder Buchweizenpfannkuchen. Wer es sich leisten konnte, gestaltete die Mahlzeiten am Sonntag etwas aufwendiger.

Doch bot die alte westfälische Küche bei aller Eintönigkeit auch Spezialitäten wie das Wurstebrot: Es wurde aus Blut und Roggenschrot hergestellt. Die Masse schmeckte man mit Salz und Kamin (kümmelähnliches Gewürz) ab. Aus dem so entstandenen festen Teig konnten Ballen in der Größe von Kinderköpfen geformt werden. Diese Ballen wurden in einem Kessel eine Stunde lang gar gekocht. Der abgekühlte Ballen wurde feingeschnitten, in einen Topf mit Wasser, etwas Salz, Fett und ausgelassenem Speck gegeben und zu einem dicken Brei gekocht. Heute brät man zumeist die Scheiben des Ballens in der Pfanne.

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