Do., 21.01.2016

Drückjagd im Bad Iburger Freden Spurensuche mit Schweißhunden

An der Schleppleine begibt sich Schweißhund Alme auf die Fährte eines verletzten Wildschweins.

An der Schleppleine begibt sich Schweißhund Alme auf die Fährte eines verletzten Wildschweins. Foto: Caolin Hlawatsch

Tecklenburger Land/Hagen/Bad Iburg - 

Sie treiben das Wild aus ihrem Versteck vor die Flinten der Jäger, begeben sich auf die Fährte verletzter Tiere, um ihnen unnötiges Leid zu ersparen. Jagd- und Schweißhunde sind bei Drückjagden unverzichtbar.

Von Carolin Hlawatsch

Der Hagener Andreas Wiemer ist anerkannter Schweißhundeführer der Jägerschaft Osnabrück-Land. Zuletzt begleitete er eine Drückjagd im Bad Iburger Freden. Immer treu an seiner Seite: die Jagdterrierdame Amy und die Schwarzwälder Schweißhündin Alme.

In großen, zusammenhängenden Waldgebieten findet zumeist einmal im Jahr eine Drückjagd statt. Sinn ist, erhöhte Zahlen von Wildtieren zu regulieren und so vermehrte Bissschäden an Waldpflanzen zu vermeiden und Krankheiten einzudämmen, die sich bei zu hohem Populationszuwachs ausbreiten können. Zahlreiche Schützen zielen von ihren im Revier verteilten Ansitzen auf das Wild, das die Hundeführer der Jagdgesellschaft aus dem Unterholz treiben. Bei einer revierübergreifenden Drückjagd in Bad Iburg im Gebiet des Freden übernahm kürzlich Andreas Wiemer die Spurensuche im Team mit seinen Hündinnen.

Der Frühnebel hängt noch tief in den Bäumen, als sich rund 40 Jäger auf dem Wanderparkplatz zum Eingang des Waldgebiets Freden zusammenfinden. Sie alle, die nicht nur aus dem Raum Osnabrück, sondern als Jagdgäste auch aus anderen Regionen Deutschlands, ja sogar aus Österreich und den Niederlanden kommen, tragen Warnwesten und Leuchtbänder an den Hüten. Spannung liegt in der Morgen-Luft, denn die Jäger wollen „Strecke machen“, das heißt, möglichst viele Tiere erlegen.

Durch die konzentrierte Großaktion versuchen sie, durch einmalige Störung den vorgeschriebenen Wildabschuss zu gewährleisten. Dauerstress durch mehrmaliges Bejagen bleibt den Tieren auf diese Weise erspart. Bejagt werden sollen vor allem Wildschweine, die sich besonders schnell vermehren. Im Wald selbst richten sie laut Jägerschaft im Gegensatz zu Reh- und Damwild kaum Schäden an, sind sogar nützlich. Sie wühlen den mineralhaltigen Boden auf, sodass darauf fallende Eicheln und Bucheckern besser keimen. Auf landwirtschaftlichen Flächen wirken zu viele Wildschweine hingegen zerstörerisch.

Nach der Begrüßung und Einweisung durch den zuständigen Revierleiter vom Forstamt Ankum, Jens Kohlbrecher, der den Part des Jagdleiters innehat, verteilten sich die Jäger auf Ansitze im 600 Hektar großen Bereich der Landesforsten plus angrenzender Privatjagden. Drei Stunden verharren sie nun an zugewiesenen Standorten, während Hundeführer Andreas Wiemer mit Terrier Amy durch den Wald streift und das Wild aus den Verstecken treibt.

Schüsse hallen durch den Freden. Amy flitzt durch das Dickicht, ihr Bellen wird zum hohen Fiepen, dem Spurlaut, sobald sie ein Tier erschnüffelt. In einem Radius von rund 30 Metern rennt sie um ihren Besitzer herum. Andreas Wiemer unterstützt sie: „Hooap, hooap, hooap“, ruft er laut, um Rehe aufzuscheuchen und auch damit der nächste Jäger weiß: „Jetzt nicht schießen, da kommt der Treiber.“

Die Drückjagd ist erfolgreich. Vier Stück Damwild, elf Wildschweine und 15 Rehe werden im Gebiet der Landesforsten erlegt, revierübergreifend insgesamt sogar 50 Tiere. Waldarbeiter transportieren die Tiere mittags mit Anhängern zum Treffpunkt, an dem die Jäger ihre Gesellschaftsjagd bei heißer Suppe ausklingen lassen. Hier haben sie die Möglichkeit, das Wildfleisch der erlegten Tiere zu kaufen, die vor Ort ausgeweidet und gewogen wurden. Auch Restaurants der Region werden mit dem frischen Wildbret aus dem Freden beliefert.

Für den Schweißhundeführer ist der Jagdtag noch lange nicht beendet. Während sich Terrier Amy nun ausruhen kann, winselt Schweißhund Alme aufgeregt. Sie scheint zu wissen, dass jetzt ihre „Super-Nase“ gefragt ist. Andreas Wiemer legt ihr, dem einzigen Schwarzwälder Schweißhund im Landkreis Osnabrück, GPS-Sender und Schleppleine an. Die Nachsuche beginnt.

Es passiert, dass ein Jäger ein Tier nicht tödlich trifft. Verletzt läuft das Wild dann tief in den Wald hinein. Bei der Nachsuche, die das Tierschutzgesetz vorschreibt, sollen die verletzten Tiere schnell gefunden werden, um sie vor langem Leiden zu bewahren. Während für Andreas Wiemer nur sichtbare Spuren wie Blut, Fell oder Knochensplitter ein Indiz dafür sind, dass er auf der richtigen Fährte ist, nimmt Alme noch ganz andere Dinge wahr.

„Wird Wild angeschossen, sondert es Adrenalin und andere Duftstoffe über die Drüsen an den Klauen, in Jägersprache Schalen, ab“, erklärt der Hundeführer. Diese in die Erde gedrückten Stoffe bilden zusammen mit Bodenorganismen einen Geruch, den Alme als individuelle Fährtenwitterung des beschossenen Stücks aufnimmt. Drei getroffene Wildschweine werden auf diese Weise am Samstag nach der Jagd gefunden und durch einen gezielten Schuss erlöst.

Für den Schweißhund bedeutet die Nachsuche artgerechte Auslastung, aber auch eine gewisse Gefahr. „Begeben wir uns auf die Fährte eines ausgewachsenen Wildschweins, lege ich Alme stets eine Hundeschutzweste an“, berichtet Andreas Wiemer. Ein verletztes Schwein könne aggressiv reagieren, nicht flüchten, sondern sich in letzter Minute dem Hund entgegenstellen. Die Weste schützt Alme vor den messerscharfen Eckzähnen, mit denen ein Wildschwein in solch einer Situation angreift.

Als es dunkel wird, kehrt wieder Ruhe ein im Bad Iburger Wald. Alme liegt erschöpft neben Amy im Auto und wartet auf die Futterbelohnung, die es zu Hause gibt. Die auf die Drückjagd hinweisenden Warnschilder an den angrenzenden Straßen sind eingesammelt.

Drückjagden finden meistens im Herbst statt, können aber bis Ende Januar durchgeführt werden. Auf das Team Amy-Alme-Andreas warten neben weiteren Nachsuchen bei Drückjagden in anderen Revieren Deutschlands und im europäischen Ausland zudem Einsätze nach Verkehrsunfällen, bei denen verletzte Wildtiere geflüchtet sind.

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