Mi., 09.11.2016

Flüchtlingshilfe Lotte Stolz auf das Erreichte

Zufrieden mit dem bisher für Flüchtlinge in Lotte Erreichtes sind (von links) Michaela Birngruber, Gudrun Herr, Karoline Negraßus, Beate Hindersmann-Noack und Britta Schleck.

Zufrieden mit dem bisher für Flüchtlinge in Lotte Erreichtes sind (von links) Michaela Birngruber, Gudrun Herr, Karoline Negraßus, Beate Hindersmann-Noack und Britta Schleck. Foto: Ursula Hoiltgrewe

Lotte - 

Die Flüchtlingshilfe Lotte ist seit dem 15. April als Verein aktiv. Seitdem die ersten Flüchtlinge in Lotte ankamen, kümmern sich Vorstand und zahlreiche Ehrenamtliche um die neuen Mitbürger. Diese erfolgreiche Willkommenskultur hat zu einem friedlichen Miteinander in der Gemeinde geführt.

Von Ursula Holtgrewe

Durch Kontakte zu Freunden, Nachbarn, Bekannten und Firmen entstand schnell ein engmaschiges Netzwerk von Menschen, denen das Schicksal der in der Gemeinde Lotte angekommenen Flüchtlinge keineswegs egal war. Sie ließen sich für Sachspenden ansprechen, waren bereit auch finanzielle Hilfen zu geben. Das schnell zu klein werdende Lager für Spenden zog von Alt-Lottes Bahnhofstraße in die Halle am Teichweg 2b um.

In den ersten Monaten waren die Ehrenamtlichen viel unterwegs und kümmerten sich um die Neubürger. War zu der Zeit das Übersetzungsprogramm für Arabisch häufig im Einsatz, wird es heute immer seltener benutzt. Fleißig haben die meisten Neubürger Deutsch gelernt. In vielen intensiven Gesprächen erfuhren die Ehrenamtlichen auch so manches Bedrückendes über persönliche Kriegs- und Fluchterlebnisse der Ankömmlinge. „Es ist verständlich, dass Menschen mit tief sitzenden traumatischen Erlebnissen den Kopf nicht frei haben, eine neue Sprache zu lernen“, bringt die Vereinsvorsitzende Karoline Negraßus Verständnis auf.

Andererseits ist es für die Neubürger unabdingbar, sich in einer fremden Kultur auskennen zu lernen und diese zu akzeptieren. „Uns ist es wichtig, zu vermitteln, dass wir die Religion jedes anderen respektieren und, dass das für jeden hierzulande gilt. Und dass wir in unserer Kultur Wert auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau legen“, hebt Schriftführerin Gudrun Herr heraus.

Persönliche Kontakte sind nach wie vor wichtig und gefragt, beispielsweise bei Behörden- und Arztbesuchen sowie Begleitung junger Familien, die ein Kind erwarten und dem Organisieren von Übersetzern. Daher ist der Vorstand froh über jede Unterstützung.

„Bei uns läuft die ehrenamtliche Arbeit so, dass sich jeder nach seiner Zeit einbringt. Es soll für die Ehrenamtlichen keine Last werden. Sie arbeiten eigenständig. Jeder, der sich mit seiner Idee einbringen möchte, ist willkommen“, erklärt Karoline Negraßus.

„Unser Schwerpunkt ist nun die Integrationsarbeit und dafür hoffen wir auf weitere Unterstützung und Ideen“, sagt die Vorsitzende. „Schön wäre es, wenn es jemanden gibt, der im Rahmen eines Radfahrtrainings die Verkehrserziehung übernimmt“, spricht Beisitzerin Beate Hindersmann-Noack ein wichtiges Thema an. Räder hätten die meisten, auch die Flüchtlingsfrauen.

Für sie ist es wichtig, auch mal allein aus der Wohnung zu gehen. In der Kleiderkammer an der Gemeinschaftshauptschule treffen Frauen in letzter Zeit häufiger ohne männliche Begleitung ein. „Es scheint sich zu einem sozialen Treffpunkt für sie zu entwickeln, ähnlich wie sich in der Fahrradwerkstatt am Teichweg Männer treffen“, berichtet Beate Hindersmann-Noack.

Sie bittet zudem um Sachspenden, die derzeit sehr benötigt werden: Baby- und Kleinkinderkleidung, Herrenkleidung, Größen S und M, Herren- und Damenschuhe, Wolle und Strickgarn sowie gebräuchliche Küchenkleingeräte. Geöffnet hat die Annahme am Teichweg jeden Donnerstag von 14 bis 15.30 Uhr.

„Für uns war es von Anfang an ein Herzenswunsch, eine Krabbelgruppe für Mütter mit Kleinkindern zu gründen. Daher freuen wir uns über die Kooperation mit dem Kinderland-Verbund in Lotte mit dem großartigen Angebot in Alt-Lotte, dass dort einmal wöchentlich eine solche Gruppe angeboten wird“, berichtet Karoline Negraßus weiter. „Leider erst mal nur bis zum Jahresende“, ergänzt Britta Schleck. „Für die Mütter ist es wichtig, aus dem Haus zu kommen und soziale Kontakte zu knüpfen“, fügt Beate Hindersmann-Noack an und, dass die Gruppe wahrscheinlich weiterlaufen werde.

Stolz und dankbar sind die Ehrenamtlichen auf und für die Unterstützung der Gemeinde, die die Halle am Teichweg angemietet hat, und die Bürgerstiftung Lotte, die der Flüchtlingshilfe fast 4000 Euro bereitstellte; Kleiderkammer und Lager, die durch Spendenbereitschaft der Bürger entstanden sind; die Bereitschaft von Firmen, Flüchtlinge anzustellen; die Kooperation mit den Sportvereinen und viele weitere Hilfsangebote. „Wir sind stolz darauf, dass es heute in Lotte so friedlich ist. Das liegt auch dran, das wir von Anfang an Vertrauen der Flüchtlinge aufgebaut haben“, betont Karoline Negraßus.

Termine mit und für die Flüchtlinge stehen bereits fest wie das Laternenbasteln beim SC Halen oder die Präsentation der Flüchtlingshilfe auf dem Wersener Weihnachtsmarkt. Der Verein unterstützt die Hauptamtlichen bei der Wohnungssuche und plant Gesprächskreise. Vereinsziele sind beispielsweise Hilfe zur Selbsthilfe in Alltagsdingen zu geben, Gemeinsamkeit zu schaffen und Integration zu fördern.

Erreichbar ist der Verein postalisch an der Bahnhofstraße 59, 49504 Lotte und per E-Mail an: fluechtlingshilfelotte@web.de.

Leserkommentare

Google-Anzeigen

kfzmarkt.ms Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4423296?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F177%2F