Di., 10.10.2017

Gruselhaus in Lotte Wenn das ganze Jahr über Halloween ist

Halloween wird bei Ellen und Dean Rügge großgeschrieben. Aber nicht nur im Oktober ist ihr Haus mit Grabsteinen, Totenköpfen und Spinnen dekoriert, die beiden schmücken ganzjährig in diesem Stil.

Halloween wird bei Ellen und Dean Rügge großgeschrieben. Aber nicht nur im Oktober ist ihr Haus mit Grabsteinen, Totenköpfen und Spinnen dekoriert, die beiden schmücken ganzjährig in diesem Stil. Foto: Katja Steinkamp

Lotte - 

In Lotte-Büren gibt es ein Haus, da gibt es das ganze Jahr über Totenköpfe oder Spinnen und Fledermäuse an der Wand. Oder andere Dinge. Manche kommen den Nachbarn von Ellen und Dean Rügge gleichsam illusorisch vor.

Von Katja Steinkamp

Schon von der Straße aus, sieht man auf dem Grundstück von Familie Rügge, dass hier Halloween großgeschrieben wird. Im Vorgarten stehen schaurige Grabsteine mit Friedhofskerzen, die auf den ersten Blick sogar echt aussehen. Manche sind mit der Aufschrift „RIP“ (Ruhe in Frieden) gekennzeichnet, auf anderen steht „Happy Halloween“. Auch in den Fenstern hängen Totenköpfe, böse Kürbis-Gesichter oder Spinnen. An der Haustür sieht man eine mit blutverschmierte Schrift und blutige Handabdrücke.

Diese Dekoration ist (auch) der Jahreszeit geschuldet.

Diese Dekoration ist (auch) der Jahreszeit geschuldet. Foto: Katja Steinkamp

Wollte dort jemand entkommen?

Natürlich alles nur selbst aufgemalt. Mit lächelnden Gesichtern öffnen Ellen und Dean Rügge die Haustür: „Kommen Sie rein.“

Im Flur sieht man einen ersten Totenkopf an der Decke. Er sieht nicht nur furchterregend aus, er hat auch leuchtende Augen und begrüßt die Besucher mit einem gruseligen, lachenden Geräusch. Auch an den Wänden kleben Fledermäuse, hängen Spinnen und auf der Treppe nach oben, steht ein kleiner Sensenmann neben einem Grabstein. „Das ist der Liebling unserer Tochter“, sagt Ellen. Die Rügges haben eine fünfjährige Tochter, die aber keine Angst vor dem gruseligen Hobby der Eltern habe. Im Gegenteil: „Wir haben sie von Anfang an an die Figuren und Dekorationen herangeführt“, sagt Dean. „Den ersten Sensenmann haben wir ihr gezeigt und gesagt, dass der nicht echt ist und sie den ruhig anfassen kann. Danach stand sie jeden Abend vor der Figur, hat sie berührt und ihr ‚Gute Nacht‘ gesagt.“ Heute sei die kleine Tochter der beiden genauso im Halloween-Fieber. „Sie möchte sogar ihre Geburtstagsparty mit dem Motto ‚Halloween‘ veranstalten“, sagt Ellen.

Ellen und Dean Rügge fanden beide schon in Kindheitstagen gefallen an Geisterbahnen und finsteren Gestalten. Wann genau ihre Liebe zu diesem Stil anfing, kann jedoch keiner von beiden so genau sagen. „Wir fanden es beide einfach schon immer gut. Und zu Halloween dürfen wir es auch endlich zeigen“, sagt Dean. Seit fünf oder sechs Jahren, so lange kennt sich das Paar schon, leben sie zusammen mit der Dekoration. „Seitdem kam immer mehr dazu. Von Jahr zu Jahr steigert es sich“, sagt Ellen.

Die Grabsteine basteln die beiden selbst. Sie werden aus Styropor zurechtgeschnitten. „Wir lackieren sie mit Sprühfarbe. Dann werden die Buchstaben oder Vertiefungen grundiert und in der Grundfarbe eingesprüht. Am Schluss werden die Vertiefungen noch mit einer helleren Farbe hervorgehoben.“

Aber ganz am Ende sind die Rügges noch nicht mit ihrem Halloween-Schreck: „Ich möchte noch einen sogenannten ‚Pepper’s ghost‘ basteln. Das haben wir mal in Paris gesehen. Dabei soll der Eindruck entstehen, dass eine unsichtbare Figur im Fenster steht“, erklärt Dean. Diese Illusion funktioniert mit Spiegeln. Dabei wird mittels eines Flachglases und spezieller Beleuchtung vor und hinter der Scheibe der Eindruck erzeugt, teilweise durchsichtige Objekte würden erscheinen und wieder verschwinden.

„Die meisten Leute finden die Deko cool“, sagt Ellen, „Unsere Freunde würden ihre Wohnung auch gerne so schmücken, aber ihre Kinder haben zum Beispiel Angst davor. Da wir es unserer Tochter früh beigebracht haben, ist es bei uns kein Problem.“

Bei Nachbarn und Familie ist die Meinung dazu allerdings zwiegespalten: „Meine Eltern finden es jetzt nicht gerade so toll, aber sie kommen uns noch besuchen“, lacht Ellen. Auch die Nachbarn der Rügges sind nicht alle einverstanden mit der ausgefallenen Dekoration. „Unsere Nachbarn nebenan finden es eigentlich auch gut. Andere haben uns aber auch schon angesprochen und gesagt, dass es gar nicht geht und wir vielleicht mal mit der Kirche sprechen sollten. Wir wissen auch nicht, was die wohl denken.“

Pfarrer Detlef Salomo von der Evangelischen Kirchengemeinde Lotte nimmt den Gedanken, an die Halloween-Dekorationen nicht so ernst: „Halloween hat nichts mit der Kirche zu tun.“ Im Gegenteil: er sehe es als Spektakel an, und weiß damit spielerisch umzugehen. „Halloween ist ein Trend aus Amerika und es ist die Privatangelegenheit jedes Einzelnen, ob und wie er es feiern möchte.“ Auch von der ethischen Frage, ob man Grabsteine im Garten aufstellen dürfe, sehe er ab: „Ich denke, es gibt wichtigere Fragen, beispielsweise, ob Atomwaffen oder Massentierhaltung ethisch vertretbar sind. Bei Grabsteinen ist es auch jedem überlassen, wie er mit der Ehrfurcht vor dem Tod umgeht.“ Pfarrer Salomo finde es allerdings Schade, dass das Reformationsfest in Gedenken an Martin Luther am 31. Oktober dadurch in den Hintergrund rückt. „Halloween ist leider schon eine Konkurrenz für den kirchlichen Feiertag. Bei uns wird der feierliche Gottesdienst im Vordergrund stehen.“ Aber, wenn Kinder oder Jugendliche zu ihm kommen und „Süßes oder Saures“ möchten, dann werde er ihnen selbstverständlich „Luther-Bonbons“ geben und eine Verbindung schaffen, lacht der Pfarrer.

Familie Rügge nimmt es ebenfalls mit Humor: „Wir machen das in erster Linie nur für uns. Wenn es anderen gefällt, finden wir das natürlich schön und wenn nicht, dann halt nicht“, sagt Dean.

Bis Halloween kann man die gruselige Dekoration der Familie Rügge auf jeden Fall noch zu Gesicht bekommen. Kinder und Halloween-Fans werden am 31. Oktober sicher Gefallen an dem geschmückten Haus finden. Schließlich geht es an Halloween genau darum: Geister, Totenköpfe und noch mehr Gruselfaktor. Alle anderen sollten wohl einen großen Bogen um das Gruselhaus in Büren machen.

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