Fr., 13.10.2017

Talk am Kamin in Lotte Martin Luthers Schattenseite

Der Theologe Professor Reinhold Mokrosch referiert im Gemeindehaus Arche über Luthers wechselseitiges Verhältnis zu den Juden.

Der Theologe Professor Reinhold Mokrosch referiert im Gemeindehaus Arche über Luthers wechselseitiges Verhältnis zu den Juden. Foto: Jannik Zeiser

Lotte - 

Die sehr wechselhafte Einstellung von Martin Luther zu den Juden war Thema der Dienstags-Talkrunde im Gemeindehaus Arche. Ein schwieriges Thema, wie Referent Reinhold Mokrosch sein Referat eröffnete. Dabei ist der Mann Experte.

Von Jannik Zeiser

Martin Luther und seine Juden“ – ein schweres Thema hat sich die Dienstags-Talkrunde im evangelischen Gemeindehaus Arche vorgenommen. Referent Professor Reinhold Mokrosch aus Osnabrück nahm sich des Themas in lebhafter und engagierter Weise an.

Martin Luthers judenfeindliche Schriften zählen zu den Schattenseiten des einflussreichen Reformators. Einige seiner hasserfüllten Schriften dienten den Nationalsozialisten als direkte Rechtfertigung ihrer Judenverfolgung und -ermordung; darunter etwa die Novemberpogrome 1938, führte der Referent aus. War Luther tatsächlich ein Antisemit?

„Das wird kein leichter Abend“, eröffnete Mokrosch. Der evangelische Theologe und Religionspädagoge werde mit dem Reformator hart ins Gericht gehen, machte er gleich deutlich: „Wir werden versuchen, herauszufinden, ob Luther ein Antijudaist war – also ein religiös motivierter Judenfeind – oder ein Antisemit aus rassistischen Motiven.“

Wie Mokrosch erläuterte, sei der Reformator den Juden nicht immer vollkommen feindlich gesonnen gewesen. In einer Schrift von 1523 äußerte Luther Verständnis für die europäischen Juden und kritisierte ihre Verfolgung durch die Christen. Man müsse freundlich zu den Juden sein, sie normaler Arbeit nachgehen lassen und mit Argumenten zum Christentum bekehren, forderte Luther. Dieser wohlgesonnene Ton kam in einer Zeit des Spätmittelalters, als die jüdische Minderheit aus fast allen europäischen Ländern vertrieben wurde und kaum prominente Fürsprecher hatte. Luthers Freundlichkeit war jedoch vor allem ein Mittel zum Zweck der Missionierung.

Luther war später erzürnt darüber, dass seine Missionierungsabsichten das Gegenteil bewirkt hatten. Außerdem geriet er in den Verdacht, heimlich mit dem Judentum zu sympathisieren. Sein Ton gegen die Juden wurde schärfer und gipfelte 1543 schließlich in der Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“, in der er von jeglichen Bekehrungsabsichten Abstand nahm, weil sie aussichtslos seien. Stattdessen bediente er hasserfüllte Klischees und propagierte zynisch eine „scharfe Barmherzigkeit“. Demnach sollten die Synagogen niedergebrannt werden, jüdische Häuser zerstört, ihr Besitz beschlagnahmt und ihre Lehren verboten werden.

All dies hätten die Nazis später in die Tat umgesetzt, stellten anschließend sowohl Mokrosch als auch Diskutanten aus der Zuhörerrunde traurig fest. Während die Judenverfolgung im Dritten Reich jedoch klar rassistische Motive gehabt habe, sei dies bei Luther nicht so eindeutig. Luther sei in seinem Denken längst nicht immer konsistent gewesen, vor allem nicht in dieser Sache: „Sonst hätte er sie getreu der Bibel als gleichwertige Menschen anerkennen müssen.“

„Ich nenne das 500. Reformationsjubiläum lieber ein Reformationsgedenken“, erklärte Pastor Detlef Salomo anschließend. Es gehe schließlich nicht nur darum, Luther und die Reformation zu feiern, sondern die historischen Begebenheiten kritisch zu hinterfragen. „Die Denkmäler verdecken, dass Luther ein widersprüchlicher Mensch mit Schattenseiten war.“

Leserkommentare

Google-Anzeigen

flohmarkt.ms Anzeigen

Schnäppchen und Angebote aus Ihrer Umgebung

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5218795?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F177%2F