Mo., 16.10.2017

50 Jahre St.-Hedwigskirche In Zeiten des Umbruchs

Weihbischof Christoph Hegge ermutigte die Katholiken bei der Jubiläumsfeier: Die Kirche in Lotte hat Bestand, wenn die Menschen lieben wie Christus.

Weihbischof Christoph Hegge ermutigte die Katholiken bei der Jubiläumsfeier: Die Kirche in Lotte hat Bestand, wenn die Menschen lieben wie Christus. Foto: Stefan Buchholz

Lotte - 

Um Gestern, Gegenwärtiges und die Zukunft ging es beim Jubiläum zum 50-jährigen Bestehen der St.-Hedwigskirche. Ob die Gemeinde auch noch nach 100 Jahren ihr Bestehen feiert – darüber gab es unterschiedliche Ansichten.

Von Stefan Buchholz

Das himmlisch-schöne Wetter meinte es gut mit der Feier rund um die Achteck-Kirche. Die Kinder vergnügten sich beim Schminken und Feuerwehrauto bestaunen. Auch die aus Wasserrohren selbst gebaute Kugelbahn des Familienzentrums sorgte bei den Kleinen für nicht nachlassende Faszination.

Wie ein roter Faden zieht sich bis heute das Thema Flüchtlinge und Vertriebene durch die Gemeindegeschichte. 80 Schlesier waren es, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Lotte verwiesen wurden. Sie und ihre Nachkommen bauten 1967 die Kirche auch mit Spendengeldern auf. Knapp 20 000 D-Mark kamen damals zusammen. Den Rest von knapp einer halben Million DM steuerte das Bistum Münster bei, wie Weihbischof Christoph Hegge im Jubiläumsgottesdienst berichtete.

Geflohene heute: Die Flüchtlingshilfe Lotte verkaufte Lukullisches nach Rezepten von Jenen, die ins Land kamen, weil Krieg und Perspektivlosigkeit ihrer habhaft werden wollten. Hähnchenspieße, Kebab, Couscous- und einen deutschen Kartoffelsalat boten die Flüchtlingshelfer an.

Jolanta Gorzelany vom Kunstkreis Lotte hatte zum Jubiläum die Hedwigskapelle mit zwei neuen Bildern beschenkt. Das rechte Aquarellgemälde zeigt etwa einen Rosenkranz als ein Zeichen der heiligen Hedwig. Auf der linken Seite stilisierte Gorzelany eine typisch schlesische Kirche. „Zu sehen ist auch ein Weg, der mit der Kapellentür korrespondiert. Er soll den Weg symbolisieren, den die Schlesier gegangen sind“, erklärte Gorzelany.

Noch einen roten Faden gibt es, der Jubiläen in der Kirche gegenwärtig durchzieht: Wird die Gemeinde angesichts zunehmend leerer Kirchenbänke in 50 Jahren noch Bestand haben? Fragte man, erhielt man unterschiedliche Antworten. Wenig Hoffnung hat Marlies Kribber, die mit zum Organisationsteam der Jubiläumsfeier gehörte. Die heute 30- bis 40-Jährigen fehlten und das ließe sich wohl nicht mehr auffangen, meinte sie.

Optimistisch betrachteten es Pfarrer George Shaji und „Gemeindehistorikerin“ Veronika Kowalski. „Unser Ziel ist: Wir wollen die Menschen mit der Kirche verbinden.“ Durch direkte Ansprache und Änderung von Strukturen. Es gelte, Rücksicht zu nehmen auf das veränderte Familienleben.

Weihbischof Hegge appellierte in Sachen Zukunft an die Lotter Katholiken: „Sie sind doch die lebendigen Steine, der innere Bau dieser Kirche, mit dem scheinbare Grenzen überschritten werden können“. Dazu brauche es im Wortsinn eine Entrüstung: „Werden Sie zum Diener des Nächsten. Und nehmen sie dazu das Evangelium als Drehbuch für Ihr Leben“, so der Weihbischof.

Wieder ein roter Faden: Die gelebte Verbundenheit mit der evangelischen Gemeinde vor Ort. Sie machte damals den Schlesiern ihre Kirchentüren auf. „Wir praktizieren eine ganz unkomplizierte Ökumene“, betonte Pastor Detlef Salomon. Als „Zukunftsperspektive in Zeiten des Umbruchs“ schenkte er der Hedwigsgemeinde einen Apfelbaum, den man auch gleich im Schatten des Kirchturms einpflanzte.

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