Mi., 18.10.2017

Seniorenhilfe Lotte/Westerkappeln Jeder muss sterben – nur wie?

Zum Thema Patientenverfügung begrüßte Achim Jacob (links) den Mettinger Mediziner Norbert Hartmann beim Infoabend der Seniorenhilfe „Hand in Hand“.

Zum Thema Patientenverfügung begrüßte Achim Jacob (links) den Mettinger Mediziner Norbert Hartmann beim Infoabend der Seniorenhilfe „Hand in Hand“. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte/Westerkappeln - 

„Was soll mit mir gemacht werden, wenn ich es selbst nicht mehr entscheiden kann?“ Das ist eine zentrale Frage, für deren Beantwortung eine Patientenverfügung hilfreich sein kann. Zu dem Thema hatte „Hand in Hand – Seniorenhilfe Lotte/Westerkappeln“ den Mettinger hausärztlichen Internisten Norbert Hartmann eingeladen.

Von Ursula Holtgrewe

Das Interesse war beachtlich. 50 Besucher informierten sich in der Mensa der Wersener Gemeinschaftsschule über das komplexe Thema. Daher sagte der Seniorenhilfevorsitzende Achim Jacob in seiner Begrüßung: „Überrascht sind wir, dass so viele den Weg hierhin gefunden haben.“

Humorvoll begann Norbert Hartmann, der auch zum Kreis der Palliativmediziner im Altkreis Tecklenburg gehört, seinen Vortrag: „Ein 100-Jähriger wird von Journalisten gefragt, wie es ihm gelungen sei, so alt zu werden. Der Jubilar antwortete: ,Täglich zehn Minuten Gymnastik, abends ein Glas Rotwein und vor allem: Von Krankenhäusern fernhalten.‘“

Das ist vor allem in der letzten Lebensphase der Wunsch vieler Menschen. „Wir im Altkreis Tecklenburg unterstützen Menschen, die zuhause sterben möchten. Dazu gehört auch eine Patientenverfügung. Darin kann geregelt werden, wie jemand sterben möchte, denn viele Menschen haben Angst, in der letzten Lebensphase einer unpersönlichen Medizin ausgeliefert zu sein. Eine Intensivstation ist häufig nicht der richtige Ort, vor allem wenn keine Aussicht auf Heilung besteht“, gab Hartmann langjährige Erfahrungen wider.

Kostenlose Vorlagen für eine Patientenverfügung gibt es viele. Diese sind vorformuliert und sollten den individuellen Vorstellungen und Wünschen angepasst werden. „Zuvor sollte jeder Antworten auf ihm wichtige Fragen finden“, betonte der Internist.

Ein Auszug aus der Fragenliste: Was ist für mich ein menschenwürdiges Leben? Wünsche ich mir, noch lange zu bleiben? Bedeutet mir Lebensqualität mehr als Lebensdauer? Welche Erfahrungen habe ich mit eigener/anderer schwerer Krankheit gemacht? Wie bin ich damit fertig geworden? Was macht mir Angst, wenn ich an Krankheit und Sterben denke?

„Wir alle müssen sterben. Mir persönlich macht Angst, dass ich unerträgliche Schmerzen oder Luftnot habe“, sagte Norbert Hartmann. Demzufolge sei es wichtig, die Linderung der genannten Symptome in der Patientenverfügung aufzunehmen. „Bei der höchsten Stufe der Demenz, wenn das Schlucken nicht mehr funktioniert, sollte festgelegt sein, ob ich eine künstliche Ernährung will oder nicht“, riet er.

Weiterhin sei es wichtig, zu notieren, welcher Mensch als Anker der letzten Lebensphase dem Patienten nahesteht; mit wem er sich über das Sterben und die Wünsche in dieser Zeit unterhalten kann, beziehungsweise, welcher Mensch nicht überfordert ist, den Patienten zu begleiten.

„Wir müssen viel entscheiden, denn Papier kann nicht sprechen“, betonte Hartmann. Daher müsse eine Patientenverfügung schriftlich verfasst werden. „Sie sollten darüber mit Ihren Angehörigen sprechen, weil man doch nicht alles im Detail aufschreiben kann. Wir Mediziner sind froh, wenn wir dann im Gespräch mit den Angehörigen Patientenwünsche erfahren“, sagte der Palliativmediziner.

Sinnvoll sei es daher, zusätzlich zu der Patientenverfügung eine Vorsorgevollmacht zu erstellen, betonte Hartmann. Darin kann geregelt werden, wer aus dem Umfeld Entscheidungen treffen kann.

Weil auch das ein komplexes Thema ist, wird die Seniorenhilfe dazu eine weitere Informationsveranstaltung ansetzen.

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