Straßen- und Flurkunde
Ein Kronenpohl ohne Krone

Atter/Lotte -

Im Außenbereich des Alt-Lotter Ortskerns liegt gegenüber den jüngsten Gewerbeansiedlungen der Kronenpohl. Nach ihm ist auch die Straße benannt, die von der Bahnhofsstraße gen Osten abzweigt.

Donnerstag, 15.02.2018, 15:02 Uhr

Der Kronenpohl war einst Rötekuhle und liegt geschützt in einem kleinen Waldstück.Zogen einst Kraniche über den Kronenpool ?
Der Kronenpohl war einst Rötekuhle und liegt geschützt in einem kleinen Waldstück.Zogen einst Kraniche über den Kronenpool ? Foto: Astrid Springer

Ihren Namen hat sie von einem kleinen Gewässer im Waldstück jenseits der Straße, welches bereits zu Atter gehört.

Was dieser Teich mit Kronen zu tun haben könnte, ist den Anwohnern allerdings ein Rätsel. Kronen sind häufiger in Flurnamen zu finden, in den seltensten Fällen sind damit allerdings Königskronen gemeint. Zudem liegt das nächste adelige Gut Leye doch ein gutes Stück entfernt.

  Foto: Astrid Springer

Zur Historie des Teiches weiß man aber doch einiges: er wurde gemeinschaftlich von benachbarten Bauern ausgehoben – als Rötekuhle für den Flachs. Das berichtet Anwohner Albert Kampmeier, dessen Großvater einer der frühen Miteigentümer war.

Als die Leinengewinnung regional noch von Bedeutung war, wurde hier der Flachs „geteicht“, sprich: solange zur „Röste“ in Wasser gelegt, bis die Fasern weich waren und weiter zu Leinen verarbeitet werden konnten. „Meine Mutter hat noch selbst Leinen am Stuhl gewebt“, weiß Albert Kampmeier.

Was es mit dem Namen Kronenpohl auf sich hat, kann der Alteingesessene jedoch auch nicht sagen. Er erinnert sich aber, dass man früher sagte „De Krounen trekken“ – womit ziehende Kraniche gemeint waren.

Zogen einst Kraniche über den Kronepool.

Zogen einst Kraniche über den Kronepool. Foto: Sonja Möller

Ein Kranichpohl wäre nicht abwegig, Flurnamen mit Pohl, Poul oder Pool wurden oft mit Tieren gebildet, beispielsweise Aantpoul (Enten), Poggenpohl (Frösche) oder Kiebietzpohl.

Gestützt wird diese Herleitung durch die Kronenburg in Lengerich: Der ehemalige Adelssitz trägt ebenfalls nur vermeintlich die Krone im Namen. Tatsächlich ist Kronenburg vom alten Flurnamen Kronenberg abgeleitet – also ein Berg, auf dem vermutlich Kraniche rasteten.

Das mittelniederdeutsche Kron, und seine Varianten Kran, Kraen, Krane meinte also den Kranich. Darüber hinaus stand es noch synoym für den Kran, sei es als Zapfhahn am Faß oder als Hafenkran. Letztere wurden nach dem gebogenen Hals des Zugvogels Kranich benannt. Die in Nordwestdeutschland als Kronsbeere bekannte Preiselbeere führt ebenfalls den Kranich im Namen.

Sprachlicher Vorläufer ist das germanische Kranika(z). In seiner Urform wurde der Name des Vogels vom lauten Krächzen abgeleitet, er wird dem indogermanischen ger in der Bedeutung „schreien, knarren, tönen“ zugeordnet.

Die Düteauen mit ihren Seitenarmen und weitläufigen, seichten Überschwemmungsgebieten dürften dem sumpfliebenden Kranich willkommenes Rastgebiet gewesen sein. Und vielleicht hat das ein oder andere Pärchen im geschützten Bruchwald des Kronenpohls tatsächlich gebrütet.

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5526385?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F177%2F
Misshandelter Säugling starb an seinen Verletzungen
Osnabrück: Misshandelter Säugling starb an seinen Verletzungen
Nachrichten-Ticker