Metelen
KIM-Lesung macht es deutlich: Die gute alte Zeit war keine gute

Freitag, 28.01.2011, 00:01 Uhr

Metelen - „Dass mein Heini in Metelen vor so vielen Leuten zu Wort kommen würde, hätte er wohl nie erwartet“, meinte Heinrich von der Haar schmunzelnd. Mit seinem Roman „Mein Himmel brennt“ zog der Autor am Donnerstagabend zahlreiche Besucher ins KIM-Literaturcafé.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Bauernjunge Heini, der in den 50er Jahren in einer münsterländischen Bauerschaft aufwächst. Jedes Jahr kommt ein neues Geschwisterchen dazu - vom Klapperstorch! Heinis Vater erzieht seine Kinder mit Prügel und Drohungen: „Wann du nich ardig bis, kümmst du wech“. Stellt Heini mal Fragen, bekommt er stets ein „Schwieg still“ zur Antwort. Als er in die Schule kommt, spricht Heini nur plattdeutsch und wird von den „feinen Kindern aus dem Dorf“ gehänselt. Zu Hause hütet er Kühe, denn Arbeit geht vor Schule und Kirche geht vor allen anderen Dingen.

Anschaulich und mit schonungsloser Offenheit beschreibt der Autor die Mentalität und den Konservatismus der Menschen der 50er Jahre. Es ist allerdings alles andere als eine Verklärung der guten alten Zeit.

Im Landhaus Lutum liest von der Haar nur wenige kurze Passagen aus „Mein Himmel brennt“. Genug, um eine angeregte Diskussion zu entzünden. Zum Beispiel über kindlichen Gehorsam bis zum Duckmäusertum, Machtpotenzial der Kirche, Prügelstrafe daheim und in der Schule, Sitte, Moral und vieles mehr. Alles eben, was die damalige Gesellschaft auf dem Lande während der Nachkriegszeit widerspiegelt.

Ob „Der Himmel brennt“ eine Verarbeitung der eigenen Lebensgeschichte sei, fragten die Zuhörer. Denn der Autor ist ebenso wie sein Romanheld mit zehn Geschwistern in einer Bauerschaft im Münsterland aufgewachsen. Übereinstimmungen seien rein zufällig, meinte von der Haar. „Ich wollte ohne Schönfärberei beschreiben, was in mir nagt. Und Heini steht für viele Kinder dieser Zeit.“ Einige Zuhörer nickten. Vieles aus Heinis Leben kam ihnen bekannt vor.

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