Erst der Hänger, dann der Schredder
Mo., 16.01.2012
Kolpingfamilie holt ausgediente Weihnachtsbäume ab / Erlös für die Jugendarbeit
Um den Helfernachwuchs ist es bei der Kolpingfamilie offenbar gut bestellt: Joana Wiechers und Flavio Tiltmann (beide neun Jahre) sind bei der Tannenbaumaktion mit von der Partie.
Metelen -
Joana und Flavio sind reich. „Zumindest ein bisschen“, finden die zwei Neunjährigen. Mit zwei Scheinen wedelt Flavio vor Joanas Nase herum, das Mädchen lässt derweil die Groschen in ihrer Handfläche klimpern. Flavio zwinkert. „Wird natürlich alles geteilt“, so der Dreikäsehoch. 20 Euro und 98 Cent – so hoch fällt am Ende die Belohnung für die zwei fleißigen Helfer bei der Weihnachtsbaumaktion des Kolpings aus.
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Seit Punkt neun Uhr sind die beiden bereits für die Sammlung der Tannenbäume auf den Beinen. Dafür gibt es von Metelens Bewohnern schon mal ein paar Euro extra. Unterstützung bekommen die Kleinen von 15 weiteren Helfern. Auf vier Wagen sind die Mitstreiter der Kolpingfamilie unterwegs und sammeln die letzten Überbleibsel des Weihnachtsfests ein. Den Tannenbäumen bleibt keine Chance – sie landen auf dem Hänger, bereit für den Häcksler. „Aus ihnen werden Holzhackschnitzel für eine entsprechende Heizung hergestellt“, erklärt Martin Bückers. Drei Hänger Schreddermaterial ergeben die rund 600 Bäume am Ende.
Kurz vor Mittag denkt daran allerdings noch niemand. Arbeit gibt es noch genug. Mindestens eine Runde durch Metelen müssen die Sammler noch drehen, bis alle Bäume am Bauhof sind. Beinahe vor jedem Haus wartet eine Tanne auf ihre letzte Reise. „Wo sollen die Menschen auch sonst mit den Bäumen hin?“ meint Bückers. Der Dank der Metelener fällt großzügig aus. Oft hängen auch mal zwei, drei Taler mehr an den Tannenbäumen als nur die geforderten zwei Euro.
Der Vorsitzende der Kolpingfamilie, Franz-Josef Wiechers, glaubt den Grund für die Freigebigkeit zu kennen. „Das geht ja auch alles in die Jugendarbeit“, so seine Begründung. Auch bei den Helfern steckt darin die größte Motivation. Je zur Hälfte fließt der Reinerlös von knapp 500 Euro in diesem Jahr in die Unterstützung der Mädchen- und Jungenlager des Vereins.
Ist kein Geld an den Bäumen befestigt, wird geklingelt. „Bei Mehrfamilienhäusern wird das allerdings manchmal problematisch. Wir wissen ja nicht, von wem der Baum kommt“, erzählt Helfer André Sontag. Also besser das nächste Mal das Geld direkt an das Grünzeug heften? „Das würde es auf jeden Fall einfacher machen“, ist sich Sontag sicher.
Während seine Truppe noch die letzte Runde dreht, genießen Flavio und Joana schon eine kalte Cola am Bauhof. Sie sind mit ihren Bezirken durch. Der Häcksler läuft bereits. Da greift Flavio noch einmal in seine Tasche. „Den habe ich noch an einem Baum gefunden“, lächelt der Junge und deutet auf einen kleinen rotblauen Nikolaus in seiner Hand. Auch wenn die Tannenbäume Abschied nehmen müssen – ein Stück Weihnachten überlebt also doch noch.
