Interview mit Sitzungspräsident Herbert Graes
Mi., 25.01.2012
Jecken werden von vielerlei Seite unterstützt
Herbert Graes in seinem Element: Als Kriminalhauptkommissar legt der Ganoven schon mal Handschellen an, als Sitzungspräsident der KG Stadtwacht jedoch mindestens ebenso gekonnt Lokalhonoratioren Karnevalsorden.
Metelen -
Die Session nähert sich für die Metelener Narren dem Höhepunkt: Am Samstag (4. Februar) steigt im Bürgersaal die Prunksitzung der Karnevalsgesellschaft (KG) Stadtwacht. Tageblatt-Redakteur Ralph Schippers zog im Vorfeld mit dem Sitzungspräsidenten Herbert Graes eine Bilanz der vergangenen Dekade.
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Die Session nähert sich für die Metelener Narren dem Höhepunkt: Am Samstag (4. Februar) steigt im Bürgersaal die Prunksitzung der Karnevalsgesellschaft (KG) Stadtwacht. Da die Metelener Obernarren in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiern, dürfen sich die Besucher auf ein Programm besonderer Art freuen. Tageblatt-Redakteur Ralph Schippers zog im Vorfeld mit dem Sitzungspräsidenten Herbert Graes eine Bilanz der vergangenen Dekade.
Herr Graes, die 11. Prunksitzung im 10. Jahr – da dürfen sich die Metelener Narren doch sicher auf ein besonderes Programm am 4. Februar freuen. Verraten Sie uns die Höhepunkte?
Herbert Graes: Ich denke, wir haben ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das jung und alt gleichermaßen ansprechen wird. Büttenreden gehören ebenso dazu wie Auftritte der Roten Funken und der Minis. Schon vor einem Jahr habe ich André Hölscher, besser bekannt als Bauer Heinrich Schulte Brömmelkamp aus Kattenvenne, gebucht. Als Show-acts sind „Harry‘s Crazy Show“ sowie „Höhner & Friends“ aus Rheine dabei. Musikalisch werden das rund fünfstündige Programm der SFZ sowie der „Musikantenstadl“ aus Metelen bereichern. Durch den Abend führt in bewährter Manier DJ Dirk Rieskamp.
Als die KG sich 2002 gründete, gab es zunächst viele Skeptiker. Wie fällt die Bilanz nach zehn Jahren aus?
Graes: Nach Gründung der KG Stadtwacht mit damals 17 Gründungsmitgliedern gab es viele, die uns belächelt und nicht wenige, die uns nur eine relativ kurze Überlebenschance eingeräumt haben. Gemeinsam mit inzwischen 73 Mitgliedern – darunter 26 beitragsfreie Mitglieder der zwei Tanzgarden – haben wir jedoch alle Hürden gemeistert und können somit heute stolz auf zehn Jahre Stadtwacht und damit auch auf die Fortführung eines über 50-jährigen Brauchtums „Metelener Sitzungskarneval“ zurückblicken. Und die Entwicklung geht weiter: Erstmals in diesem Jahr hat mit den Roten Funken auch eine Garde der KG erfolgreich an einem Tanzturnier in Hamm teilgenommen. Die Kinder freuen sich schon auf weitere Turniere.
Was ist aus ihrer Sicht das Erfolgsgeheimnis des Metelener Sitzungskarnevals?
Graes: Der Metelener ist unkompliziert und feiert auch gerne. Alle, die unsere Sitzung besuchen, wollen auch feiern. Das wird insbesondere daran deutlich, dass alle verkleidet erscheinen – teils in gemeinsam entworfenen, ausgefallenen Kostümen. Im Metelener Sitzungskarneval feiern jung und alt gemeinsam Karneval. Das Alter der Gäste reicht nicht selten von 18 bis 80 Jahre. Das bedeutet für uns als Organisatoren auch eine Herausforderung: Das Programm muss für alle Altersgruppen etwas bieten.
Sie sind Gründungsmitglied der KG Stadtwacht und deren langjähriger Sitzungspräsident. Liegt Ihnen der Karneval im Blut oder sind sie eher mit den Aufgaben gewachsen?
Graes: Karneval ist nicht nur lustig und entspannt. Es gibt hier die gleichen Probleme wie in anderen Vereinen auch. Oft lassen sich die Aufgaben und notwendige Arbeiten nur auf wenige Schultern verteilen. So sind wir natürlich auch ständig auf der Suche nach Karnevalsfreunden, die sich uns anschließen und auch Aufgaben übernehmen wollen. Die Planung der jährlichen Prunksitzung begleitet uns das ganze Jahr. Direkt nach jeder Sitzung beginnt auch bereits die Suche und Kontaktaufnahme mit neuen Künstlern und Akteuren.
Die Vielzahl der Aufgaben war uns bei Gründung der KG sicherlich noch nicht so bewusst. An den Aufgaben kann man somit nur wachsen. „Karneval im Blut“ zu haben reicht da sicherlich nicht aus. Ein wenig jeck zu sein, erleichtert die Sache allerdings ungemein.
Wer unterstützt Sie in der Vorbereitung? Wie decken Sie die Kosten? Reichen die Eintrittsgelder aus oder gibt es auch Sponsoren?
Graes: Unterstützung erfahre ich von vielerlei Seite. Hier ist der Vorstand zu nennen, aber auch das Team, welches für den doch sehr aufwendigen Bühnenbau verantwortlich ist. Der Elferrat ist sehr engagiert, gleiches gilt für die Betreuerinnen und Trainerinnen der Tanzgarden und die Hofschneiderin, die für die Fertigung und Änderungen der Kostüme verantwortlich ist. Unterstützung gibt es aber auch von allen Eltern der Garden, die dank ihres finanziellen Engagements zur Ausbildung der Garden beitragen und nicht zuletzt von vielen Sponsoren, die mit ihren Zuwendungen die Durchführung einer jährlichen Prunksitzung erst ermöglichen. Die Eintrittsgelder allein reichen nicht aus, ein fünfstündiges Sitzungsprogramm zu finanzieren.
Gibt es auch einen Austausch mit anderen Karnevalsvereinen, was die Gestaltung des Programms angeht?
Graes: Bereits seit Jahren pflegen wir Kontakte mit benachbarten Karnevalsvereinen. So gibt es gegenseitige Entsendungen von Abordnungen zu den Veranstaltungen. Für unsere Jubiläums-Prunksitzung haben sich bereits über 40 Karnevalisten aus Gronau und Ochtrup angemeldet.
Was haben Sie, der Vorstand und der Elferrat sich für die kommenden zehn Jahre vorgenommen? Wie wäre es zum Beispiel mit der Einführung eines Umzugs in Metelen?
Graes: Ein eigener Karnevalsumzug erscheint uns in Metelen nicht durchführbar. Sicherlich kann ein derartiges Ereignis auch nicht von einem kleinen Verein wie die KG Stadtwacht organisiert werden. Hier wäre die Zusammenarbeit vieler Vereine aus Metelen – zum Beispiel nach Bildung einer Karnevalsunion, wie in anderen Nachbargemeinden auch, notwendig.
Für diejenigen, die nun Lust bekommen haben, am Sitzungskarneval teilzunehmen: Gibt es noch die Möglichkeit, an Karten zu kommen?
Graes: Eintrittskarten gibt es noch im Vorverkauf im Versicherungsbüro Kippelt am Sendplatz. Dort können sich interessierte Karnevalsfreunde auch zusammenhängende Plätze reservieren lassen. Kostüme sind erwünscht. Die besten drei Kostüme oder Kostümgruppen werden prämiert.
