Weniger Service für Fahrgäste ?
Di., 24.01.2012
Buslinien T 17/171: Veelker in der Kritik
Überfüllte Busse, unfreundliche Busfahrer, verlängerte Fahrzeiten: Das Busunternehmen Veelker steht nach der Übernahme der Linien T 17 und 171 in der Kritik.
Metelen -
Anfang des Jahres hat die Firma Veelker aus Ochtrup die Taxibus-Linie T 17 (Heek-Metelen-Burgsteinfurt) sowie die Buslinie T 171 (Nienborg-Heek-Metelen-Burgsteinfurt) vom bisherigen Betreiber, der Regionalverkehr Münsterland (RVM) übernommen. Es ist das Ergebnis einer Klage des Ochtruper Busunternehmens gegen die Direktvergabe von ÖPNV-Leistungen an die kommunale Regionalverkehrsgemeinschaft. Am Ende stand ein Kompromiss: Die RVM gab knapp zehn Prozent ihrer Verkehrsleistungen, das sind 20 Linien, an Veelker ab – darunter auch die genannten zwei.
|
|
Indes: Die Umstellung gestaltet sich ganz offensichtlich nicht ohne Reibungsverluste. Mehr noch: Es hagelt Beschwerden. „Wir bekommen derzeit fast täglich Anrufe und Mails, in denen sich Nutzer beider Linien beschweren“, sagt Andreas Joost, Fachbereichsleiter bei der Gemeindeverwaltung. Während des jüngsten Bauausschusses sprach Bürgermeister Helmut Brüning von einer „unglücklichen Situation“.
Beispiel Buslinie T 171: Zwei Metelener Schülerinnen, die eine weiterführende Schule in Steinfurt besuchen, beklagen sich über einen regelmäßig überfüllten Bus, „in den wir von einem unfreundlichen Busfahrer regelrecht hineingepresst werden“. Da sich längst nicht jeder Fahrgast festhalten könne, berge die Enge Gefahren – beispielsweise bei einer Notbremsung. Warum es nicht möglich sei, wieder zwei Busse nach Steinfurt fahren zu lassen wie es unter der Betriebsführung der RVM selbstverständlich gewesen sei, fragt sie.
Eine andere Schülerin bemängelt die deutlich gestiegenen Fahrzeiten: Habe der Bus früher 25 Minuten nach Steinfurt ins Schulzentrum gebraucht, seien es jetzt 45 Minuten. Dadurch und durch die Enge bedingt sei es bereits vorgekommen, dass Schülern schlecht geworden sei. „Vor allem Eltern jüngerer Schüler fahren ihre Kinder inzwischen lieber mit dem Auto nach Steinfurt“, so die Schülerin.
Auch mit den Änderungen bei der Taxibus-Linie T 17 sind viele Metelener alles andere als zufrieden: In den Beschwerden, die die Gemeindeverwaltung erreicht haben, wird insbesondere die Anforderungsfrist von nunmehr einer Stunde bemängelt (zuvor 30 Minuten). „Kurzfristige Fahrten nach Hause zwischen Freistunden sind dadurch unmöglich geworden“, kritisiert ein Schüler. Größtes Manko aus der Sicht vieler Nutzer: Der Taxi-Bus ist nicht mehr wie früher unter der Regie der RVM online und mit unmittelbarer Bestätigung der Anfrage buchbar. Last but not least beschweren sich die Fahrgäste über die schlechtere Erreichbarkeit der Taxi-Bus-Zentrale: Wer beispielsweise am Montagmorgen um 7.53 Uhr mit dem T 17 nach Steinfurt fahren will, muss sich bereits am Samstag bis 15.30 Uhr bei der Zentrale gemeldet haben. Joost: „Das sind alles Punkte, die unter dem Strich eine deutliche Service-Verschlechterung bedeuten.“
Die Gemeinde hat sämtliche Beschwerden schriftlich an Veelker weitergeleitet. Das Busunternehmen habe betriebswirtschaftliche Gründe für die Reduzierung des Busangebots angeführt, berichtet Joost. Am heutigen Mittwoch steht ein Gespräch zwischen Bürgermeister Helmut Brüning und Kreisbaudirektor Franz Niederau auf der Agenda. Der Kreis ist Träger des ÖPNV und damit erster Ansprechpartner für die Gemeinde. Joost: „Wir wollen Druck machen; der offensichtliche Service-Abbau ist für diese für Metelen so wichtige ÖPNV-Verbindung nicht hinnehmbar.“
In der vergangenen Woche hat zudem ein Gespräch zwischen Vertretern der Stadt Steinfurt und Veelker-Geschäftsführer Heiko Husmann stattgefunden. Wie der stellvertretende Schulamtsleiter Günther Bertels erklärte, habe eine Fahrgastzählung ergeben, dass der eingesetzte Gelenkbus nicht überfüllt sei. Bertels: „Die Zahlen passen. Es handelt sich um ein Verteilungsproblem im Bus.“ Zudem habe die Firma Veelker als Reaktion auf die teils zu späten Busankünfte am Arnoldinum einen Antrag auf Fahrroutenänderung bei der Bezirksregierung gestellt. Demnach soll das Gymnasium in Steinfurt künftig als erste Haltestelle angefahren werden.
Das Busunternehmen Veelker selbst wollte trotz mehrfacher Anfrage des Tageblatts für den Kreis Steinfurt keine Stellungnahmen zu den Beschwerden und den geführten Gesprächen abgeben.