Jubiläums-Prunksitzung der KG Stadtwacht
So., 05.02.2012
Ganzkörpertraining im Bürgerhaus
Von angriffslustig bis zahm präsentierte sich Heinrich Schulte-Brömmelkamp am Samstag. Metelens Bürgermeister Helmut Brüning (r.) bekam die raue Seite des Bauern zu spüren. Dabei zeigte Brüning jedoch seine Konterqualitäten.
Metelen -
Wenn der Bürgermeister schunkelt und der Pfarrer ein flottes Tänzchen auf der Bühne hinlegt, sagt das wohl alles über die Prunksitzung der KG Stadtwacht aus. Zum zehnjährigen Bestehen der Karnevalsgesellschaft gab es am Samstag eine bärenstarke Feier im proppevollen Bürgerhaus
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Dass an diesem Abend Lachmuskeln gestählt werden, ist von Beginn an klar: In einem hautengen Kleid und ungefähr 40 überflüssigen Kilos auf der Hüfte betritt Tina Turner das Parkett. Es läuft „Harrys Crazy Show“, die nie alternde Rock-Lady wird von einem der drei Protagonisten gespielt. Die gebotene Show könnte nicht besser ankommen: Fast alle im Publikum stehen, mindestens die Hälfte auf ihren Stühlen. Die Stimmung brodelt, die Körperschweißsuppe kocht fast über. Es ist Partyzeit. Als Heino später sein Haarbürsten-Mikrofon zum Trällern anlegt, zünden einige Damen Wunderkerzen an. Ist das nicht schön? Ja. Mindestens 30 Hits gibt‘s in „Harrys Crazy Show“. Selbst vor Celine Dions Titanic-Herzschmerzschnulze „My heart will go on“ schrecken die Künstler nicht zurück. Was im Saal fließt, sind aber höchstens Lachtränen.
Auch beim Auftritt von Bauer Heinrich Schulte-Brömmelkamp darf gelacht werden. In einem munteren Dialog zieht er über Bürgermeister Helmut Brüning und seine Gattin her. „Deine Frau ist mehr schwarz als rot angezogen, oder spielt ihr große Koalition?“, fragt er den Gemeindechef. Im Pariser Moulin Rouge liefen alle Frauen so herum, meint er angriffslustige Schulte-Brömmelkamp. Brüning kontert: „Da kommt die her.“
Der Landwirt deckt die kleinen Schwächen der Menschen auf. Aber auch Schulte-Brömmelkamp ist jemand, der nicht immer alles richtig macht. Seit 40 Jahren pflüge er jedes Jahr versehentlich den Randstein auf dem Acker um und schiebe ihn auf jeder Seite zwei Meter weiter, „aber nicht zu meinem Nachteil“. Seine Devise laute: Liebe vergeht, Hektar besteht. Doch jetzt müsse er deshalb vors Gericht. Immerhin nicht vor den Scheidungsrichter, obwohl die Ehe des Bauern sicherlich schon bessere Tage gesehen hat. Nach dem vorprogrammierten Silvesterstreit spreche seine Frau bis Heilige Drei Könige nicht mehr mit ihm, so Schulte-Brömmelkamp. Dabei wäre ihm lieber, „wenn sie von Drei Könige bis Silvester nicht spricht“.
Aber auch versöhnliche Töne beherrscht Schulte-Brömmelkamp. Eine Zehnjährige beruhigt der Wirtschaftsfachmann über die momentane Krise: „Das sind Schulden von Deinen Ur-Ur-Ur-Enkeln. Die wirst Du nie kennen lernen.“
Es ist eine herrliche Mischung aus Tanz, Wortwitz und Musik. Seinen guten Teil trägt der Kegelclub Musikantenstadl bei. Warum der so heißt, ist spätestens jetzt klar. Die sechs jungen Burschen lassen es richtig krachen. Bei „Schatzi, schenk mir ein Foto“ holen sie den Elferrat samt Stühlen vom Podium. Die Jecken stemmen die Stühle in die Luft, die Karnevalisten im Saal auch. Der Musikantenstadl gibt eine Zugabe, um die drückt sich der tanzende Pfarrer Thomas Stapper. Auch „Thomas, Thomas“-Sprechchöre können ihn nicht umstimmen.
Über Verhütungsmethoden im Internet-Zeitalter spricht Andreas Hille. Bei seinen Eltern habe die „Firewall“ nicht funktioniert und so sei es nach einem Ritt auf dem „Joystick“ neun Monate später zum „Download“ – seiner Geburt – gekommen. Dass das Leben hart ist, demonstriert die alte Dame Herta (Angelika Gausmann). „Aber ich bin härter“, betont sie, die von ihrem Mann immer noch Schatzi genannt wird. „Er ist sich nicht sicher, ob er Schatz oder Ziege sagen soll“, vermutet Herta. Sicher ist sie sich dagegen, was Beamten-Jogging bedeutet: „100 Meter gehen in 25 Jahren.“
Danach spielen die „Höhner & Friends“. Na, was wohl? Karneval-Hits. Bürgermeister Helmut Brüning und Pfarrer Thomas Stapper schunkeln. Die Laune im proppevollen Bürgerhaus sprudelt am Siedepunkt.
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