Do., 14.01.2016

KIM-Lesung Kleine Fibel für Besatzer

Stimmungsvolles Ambiente: Everhard Drees (r.) und Robin Fairhurst lasen aus Handlungsempfehlungen für britische Besatzungssoldaten ebenso wie aus Erinnerungen von Metelenern an das Kriegsende.

Stimmungsvolles Ambiente: Everhard Drees (r.) und Robin Fairhurst lasen aus Handlungsempfehlungen für britische Besatzungssoldaten ebenso wie aus Erinnerungen von Metelenern an das Kriegsende. Foto: Elvira Meisel-Kemper

Metelen - 

Einen ebenso spannenden wie in Teilen auch unterhaltsamen Einblick in die Zeit des Kriegsendes in der Region gaben Robin Fairhurst und Everhard Drees. Im Rahmen einer KIM-Lesung zitierten sie unter anderem aus eine Handlungsanweisung für britische Besatzungssoldaten.

Von Elvira Meisel-Kemper

Über eine Lesung ging dieser Abend der Kulturinitiative Metelen (KIM) im Sitzungssaal des Alten Amtshauses weit hinaus. Everhard Drees und Robin Fairhurst machten zwar das Büchlein „Instructions for British Servicemen in Germany 1944“ zum Mittelpunkt des Abends für rund 50 Zuhörer. Um das Werk, das 2007 in deutscher und englischer Fassung neu erschienen war, strickten sie ein dichtes Geflecht von eigenen Erinnerungen, schrift-­lich fixierten Aussagen von Zeitzeugen und Auszügen aus Dokumentationen und Zeitungsberichten.

Drees (Jahrgang 1953) und Fairhurst, der 1941 in London geboren wurde, wohnen seit einigen Jahren in Metelen, das durch den Einmarsch der Engländer Ostern 1945 zur britischen Besatzungszone wurde. Drees las aus den Briefen seines Vaters an seine Mutter. Sie entstanden in der Zeit bis 1946, als dieser als Kriegsgefangener interniert war.

Fairhurst hat den Krieg noch miterlebt. „Offensichtlich war ich in der Lage, eine V 1 von den Flugzeugen der Deutschen zu unterscheiden. Ich war die Warnstimme für die ganze Straße“, berichtete Fairhurst aus Kindertagen.

Erschreckend für viele der Zuhörer waren die gerafften Berichte aus den Dokumentationen. Erschreckend, wie stark auch das Münsterland in den letzten Kriegswochen zerstört wurde. Dülmen wurde fast komplett dem Erdboden gleich gemacht. In Rhede trafen die alliierten Bomberbesatzungen ein Krankenhaus, in dem 160 Menschen starben.

„Das Ziel war, die Truppen gegen den Einfluss der Nazis immun zu machen und den Kontakt zu Deutschen zu reduzieren“, kam Fairhurst auf das Büchlein für die britischen Soldaten zurück, das 1944 erschien. Inhalt: Die Truppen sollten kein Mitleid haben mit den Deutschen, sollten Distanz wahren und jeden Deutschen als Nazi betrachten. Die Ehe mit deutschen Frauen blieb untersagt. „Die Deutschen kennen nur die deutsche Seite des Krieges“, lautete eine Mahnung.

Die Geschichte des deutschen Reiches seit 1871, die Biografie Hitlers, Anmerkungen zur Kultur, zu den Speisen und zu den Eigenschaften der Besiegten hörten sich an wie ein Reiseführer, der manchmal sogar erheiterte. Der Hang der Deutschen zu Ordnung, Sauberkeit und „Überorganisierung“, die Vorliebe für Kohl und Wurst, das gute Bier und der Schnaps wurden als deutsche Attribute dargestellt.

KIM-Mitglied Karin Albrecht (Jahrgang 1938), Metelenerin seit 1944, hatte für diesen Abend ihre Erinnerungen aufgeschrieben. Als das Vorratslager der Wehrmacht für die hungernde Bevölkerung geöffnet wurde, erhielt ihre Mutter für die Familie einen Sack Zucker. Das verschlossene Amtshaus wurde aufgebrochen. Die Hitlerbilder wurden von den Briten mit Schüssen durchsiebt.

Maria Termühlen wiederum sammelte die abgeworfenen Zettel der Kriegsgefangenen auf, als sie zum Lager Metelen-Land durch den Ort getrieben wurden. Sie hatte sie den Angehörigen der Gefangenen als Lebenszeichen geschickt. Manfred Schlüters ergänzte den Abend spontan, als ergeschickt eine Luftbildaufnahme vom 27. Dezember 1944 vorlegen konnte. Damit endete der erkenntnisreiche Abend, den viele Zuhörer nutzten, um sich die ausgelegten Dokumente genau anzuschauen.

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