Do., 21.01.2016

Tiertherapie Therapie-Helfer mit Hufen und auf vier Pfoten

Lina Bock und ihr Therapiepferd Gina sind unzertrennlich.

Lina Bock und ihr Therapiepferd Gina sind unzertrennlich. Foto: Hannah Moritz

Metelen - 

Lina Bock ist gebürtige Metelenerin und wurde mit Pferden groß. Als Voltigiererin und auch als Trainerin kennt sie sich mit den Vierbeinern aus – und machte ihr Hobby zum Beruf. Sie arbeitet jetzt unter anderem als Tiertherapeutin und setzt Pferde wir Hunde in den Therapien ein.

Von Hannah Moritz

Das Hobby zum Beruf zu machen ist für viele ein Traum. Für Lina Bock wurde dies Wirklichkeit. Mit drei Jahren saß die junge Metelenerin zum ersten Mal auf dem Pferd. Ab diesem Zeitpunkt waren die Vierbeiner nicht mehr aus ihrem Leben wegzudenken.

Später entdeckte sie das Voltigieren für sich und trainierte schon mit 14 Jahren in Metelen ihre erste Volti-Mannschaft. Nun ist sie 29 Jahre alt und um viele berufliche Erfahrungen reifer: Als ausgebildete Ergo-, Hand- und Reittherapeutin erlernte sie zusätzlich tiergestützte Therapie mit Hunden. Seit 2012 arbeitet sie in Teilzeit selbstständig als Therapeutin und als Ergotherapeutin im Therapiezentrum Münsterland in Rheine. Für Lina Bock war schon seit der zehnten Klasse klar: Sie wollte mit Pferden arbeiten. Dazu inspiriert hatte sie ihre Mutter, ebenfalls Reittherapeutin.

Mit wie viel Begeisterung die Therapeutin ihre Arbeit mit Mensch und Tier ausübt, wird während des Gesprächs mit dieser Zeitung deutlich. Immer wieder schwärmt sie davon, dass Tiere bei Patienten Fortschritte erzielen können, die für Therapeuten sehr schwierig zu erreichen wären. Beispielsweise berichtet Lina Bock von einem Patienten, der spastische Anfälle in den Armen erleidet. Sie konnte diese Anfälle erst behandeln, nachdem sie einen ihrer Therapiehunde eingesetzt hatte. Der Hund legte sich auf den Bauch des Patienten, entspannte ihn derart, dass die eigentliche Therapie zu Mobilisierung des Armes beginnen konnte.

Zwei eigene und noch fünf weitere Hunde sind ihre „Kollegen“ bei der Therapie, erklärt die Tierliebhaberin. „Dadurch dass ich 24 Stunden am Tag mit ihnen zusammen bin, sind sie mehr als nur Tiere für mich. Sie sind wie Kollegen“, schwärmt Lina Bock. Ihre Tierverbundenheit zeigt sich auch im Alltag: Zwei Hunde und vier Pferde leben mit ihr und ihrem Lebensgefährten auf dem Hof. Zusätzlich sind immer wieder die Hunde der Schwestern oder der Mutter zu Besuch.

 Sie brauche sieben Hunde für ihre    Arbeit, da die Nachfrage an Therapieeinheiten sehr hoch sei, erläutert Bock. Ein Hund dürfe nicht zu viele Therapieeinheiten am Tag machen. Sie bräuchten Zeit, um Hund sein zu dürfen, weiß Lina Bock.

Therapie mit Hunden ist sehr vielseitig und geeignet für jede Altersgruppe. Zum Beispiel können Hunde bei der Sprachentwicklung von Kindern helfen. Wie das möglich ist? Wenn Kinder etwa einen Sprachfehler haben, trauen sie sich oft nicht zu reden, aus Angst sie könnten ausgelacht werden, erklärt Bock. „Da Hunde nicht bewerten, ist es für Kinder einfacher mit ihnen zu reden. Dies geschieht, indem die Kinder mit den Hunden Tricks machen und dafür die Anweisungen geben“, berichtet die Therapeutin.

Aber nicht nur Kindern können Hunde helfen, sondern auch Erwachsenen. Lina Bock geht zum Beispiel regelmäßig gemeinsam mit den Erwachsenen vom Wittekindshof in Gronau und ihren Hunden spazieren. Oft säßen diese im Rollstuhl und freuten sich sehr darüber, wenn sie mit den Hunden nach draußen könnten, erzählt Lina Bock.

Die Therapie mit Pferden ist ebenfalls facettenreich. Dies wird klar, als sie von einer Patientin berichtet, die nur noch unter Schmerzen laufen kann. „Da das Pferd eine ähnliche Laufbewegung hat wie der Mensch, können solche Patienten mit Hilfe der Reittherapie wieder laufen lernen“, erklärt die Therapeutin. Zuerst würden die Patienten nur kurz auf dem Pferd sitzen und nach einiger Zeit schon länger. Durch das Mitgehen der Bewegung lerne der Körper das Laufen wieder. Es sei möglich, dass die Patienten sogar schmerzfrei laufen könnten, erklärt Lina Bock.

Zusätzlich bringe Reittherapie den Kindern die Natur wieder näher. „Viele Kinder sitzen oft den ganzen Tag vor dem Computer und kennen die Natur kaum“, äußert sich die Therapeutin besorgt.

Auch mit den Jugendämtern in der Umgebung arbeite Lina Bock zusammen. Ihre Patienten seien dann oftmals Kinder, die psychisch angeschlagen seien. Diese haben dann während der Reittherapie die Möglichkeit, durch das Reiten und das Zusammensein mit dem Pferd zu sich zu finden, erklärt die Therapeutin: „Die Tiere strahlen Ruhe aus. Die Kinder werden getragen und können sich somit geborgen fühlen.“

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