Di., 26.01.2016

Museumsbahnhof Mutteruhr aus dem Takt

Armin Mühl ist Elektriker und Freizeit-Eisenbahner aus Passion. Er hilft mit seinen Kenntnissen den Kollegen in Metelen dabei, ihre Bahnhofsuhren wieder flott zu bekommen. Zunächst gilt es aber, herauszufinden, auf welchen Leitungen überhaupt die Signale der Mutteruhr übertragen werden können.

Armin Mühl ist Elektriker und Freizeit-Eisenbahner aus Passion. Er hilft mit seinen Kenntnissen den Kollegen in Metelen dabei, ihre Bahnhofsuhren wieder flott zu bekommen. Zunächst gilt es aber, herauszufinden, auf welchen Leitungen überhaupt die Signale der Mutteruhr übertragen werden können. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Metelen - 

Aus dem Takt geraten sind die Uhren im und am Museumsbahnhof. Die taktangebende Mutteruhr fehlt, und deshalb machten sich fachkundige Eisenbahn-Enthusiasten daran, die Zeitmesser in Metelen-Land wieder synchron laufen zu lassen.

Von Dieter Huge sive Huwe

Mutter tickt nicht mehr richtig. Schon seit langem nicht mehr. Dabei war sie eigentlich immer diejenige, die den Takt vorgab am Bahnhof. Sie, die anzeigte, wann es Zeit war, ganz eilige Reisende sogar zum Schlussspurt motivierte, war auf dem Abstellgleis gelandet. Mutter Uhr, genauer die Mutteruhr des Bahnhofs, war off. Doch jetzt helfen engagierte Eisenbahner der Mutter aller Uhren wieder auf die Sprünge.

Der Anblick der großen Bahnhofsuhr am Museum Metelen-Land war traurig. Klebestreifen über dem Zifferblatt zeigten an: Hier stimmt etwas nicht. Die Uhrzeit war nicht mehr verlässlich. „Weil es etliche Reisende gibt, die auf den letzten Drücker zum Zug kommen, und die Uhr am Gebäude früher zu sehen ist als die auf dem Bahnsteig, hatten wir sie durchgeixt“, erklärt Alexander Staffer. Er ist EIG-Mitglied und macht sich an diesem Tag mit dem Spaten in der Hand an der Mauer des Gebäudes zu schaffen. Er sucht den Durchlass für die Kabelstränge, die einst ins Betriebsgebäude liefen. Funk, Telefon und eben auch die Signalleitung für die Uhren müssen hier irgendwo in den Keller unter der großen Stellbank geführt worden sein.

Einen Anhaltspunkt hat Armin Mühl gefunden. Der engagierte Freizeit-Eisenbahner aus Rheine ist Elektriker und kennt sich mit Signaltechnik und auch mit den Uhrenanlagen der Bahn bestens aus. Im Kriechkeller hat er die Leitungsführung im Blick und gibt Staffer grob die Stelle vor, in der er sich ins Erdreich gräbt.

Und siehe da: Schon kurze Zeit später ist der Durchlass entdeckt – und es wird deutlich, dass ausgerechnet das Signalkabel für die Uhr kurz vor der Wand endet. „Da müssen wir dann wohl flicken“, erkennt Mühl, dem allerdings eine Lösung vorschwebt, die hält. Es geht schließlich darum, sämtliche Zeiteisen des Museumsbahnhofs im gleichen Takt ticken zu lassen.

Unerlässlich ist dabei die Mutter aller Uhren, eben jene Mutteruhr, die einst mechanisch den Takt vorgab, seit vielen Jahren allerdings schon funkgesteuert die Uhrzeit anzeigt. „DCF 77“ ist der Name eines Langwellensenders, der nahe Frankfurt steht und die meisten funkgesteuerten Uhren mit der mitteleuropäischen Zeit vorsorgt. Ein Signal, auf dass auch die Mutter „hört“. Im Grunde genommen ist Mutter nämlich nur eine Platine mit elektronischen Bauteilen, angeschlossen an ein Antennenkabel.

Wer weiß, dass sich solche Technik miniaturisiert sogar in Armbanduhren unterbringen lässt, verliert vielleicht den Respekt. Wer allerdings das Kabelwirrwarr im Museums-Schaltschrank für die Zeitmesser-Technik sieht, erkennt schnell, dass hier Sachverstand gefragt ist. Fachmann Mühl, der den Metelener Kollegen gerne hilft, will eine neue Mutteruhr – sprich einen neuen Empfänger für das Funksignal – einbauen. Zuvor müssen allerdings noch sämtliche Leitungen zu den einzelnen Zeiteisen des Museumsbahnhofs gecheckt und repariert werden. Denn nicht nur die große Uhr am Gebäude, sondern auch die am Fahrzielanzeiger über den Museumsgleisen und dazu alle Dienst-Uhren im Museum selber sollen im Gleichklang ticken – auf die Sekunde genau.

Noch sind nicht alle Arbeiten abgeschlossen. Noch ist die große Uhr am Museum noch mit einer Plane verhängt. Und diese wird erst dann abgenommen, wenn wieder alle Uhren richtig ticken am und im Bahnhof.

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