Mi., 27.01.2016

Konzept der Gemeinde Metelen Klimaschutz geht alle an

Beim Klimaschutzkonzept greifen viele Elemente ineinander. Bereits gut aufgestellt ist Metelen bei der Erzeugung regenerativer Energien. Deutliches Einsparpotenzial gibt es hingegen bei der energetischen Haussanierung. Mustergültig umgesetzt werden soll Energieeinsparung bei der Bauhof-Modernisierung.

Beim Klimaschutzkonzept greifen viele Elemente ineinander. Bereits gut aufgestellt ist Metelen bei der Erzeugung regenerativer Energien. Deutliches Einsparpotenzial gibt es hingegen bei der energetischen Haussanierung. Mustergültig umgesetzt werden soll Energieeinsparung bei der Bauhof-Modernisierung. Foto: hsh/dpa

Metelen - 

Das Klimaschutzkonzept für die Gemeinde ist fertig und wurde jetzt in einer gemeinsamen Sitzung dem Haupt- und dem Bauausschuss vorgestellt. Dort fand das Papier, das unter anderem 26 konkrete Maßnahmen festschreibt, viel Zustimmung.  

Von Dieter Huge sive Huwe

Wer glaubt, dass Klimaschutz ein Thema ist, mit dem sich vornehmlich Staatschefs und Diplomaten auf internationalen Konferenzen beschäftigen, der irrt. „Das ist ein Thema, das lokal behandelt werden muss.“ Hiervon ist Reiner Tippkötter vom Büro „infas enermetric“ zutiefst überzeugt. Das Büro hatte die Entwicklung eines Klimaschutzkonzeptes für die Gemeinde Metelen begleitet und stellte die Ergebnisse jetzt dem Haupt- und dem Bauausschuss vor.

Beide Gremien tagten am Montagabend gemeinsam und hörten zunächst, dass ein solches Konzept nur funktionieren könne, wenn man Personen gewinne, die das Thema voran bringen. Das können zum einen die Menschen aus dem Ort sein, die sich bereits im vergangenen Jahr zu einem Akteursnetzwerk zusammengefunden haben. Doch auch professionelle Begleitung durch einen Klimamanager, den die Gemeinde einstellt und der zu großen Teilen über Zuschüsse finanziert wird, ist angesagt.

Die Gemeindeverwaltung selber kann zwar in ihrer Vorbildfunktion voran gehen, hat aber – und dies wurde bei der Präsentation der ermittelten Zahlen für Metelen deutlich – nur einen einprozentigen Anteil an der CO-Belastung, den die Kommune verursacht. Das Gros entfällt – jeweils zu einem Drittel – auf die Bereiche Verkehr, Haushalte und Wirtschaft.

Metelen, und auch dies stellte Tippkötter heraus, ist auf einem guten Weg, deckte es doch bereits 2013 zu mehr als 100 Prozent seines Strombedarfs durch erneuerbare Energien. Die neuen Energieformen, die es auszubauen gilt, sind aber nur eine Palette des Konzepts.

Ein weiterer wesentlicher Baustein – und hier kam Tippkötter auf die Verwaltung zurück – sind Energieeinsparmaßnahmen. Am Bauhof sollen sie exemplarisch umgesetzt werden und zeigen, wie ein altersschwaches Objekt energetisch aufgewertet werden kann. Im Klimakonzept gibt es hierzu einen groben Rahmen. 350 000 Euro sollen vom ersten Quartal 2018 bis Ende 2020 in das Objekt im Industriegebiet Peddenfeld fließen. Außendämmung, Solarthermie und Photovoltaik auf dem Dach – der Bauhof soll energetisch autonom werden.

Seine Sanierung ist allerdings nur eine von 26 Maßnahmen, die in dem Konzept verankert wurden, welches die Ausschüsse letztlich bei einer Enthaltung durch Dietmar Deitermann (UWG) einstimmig begrüßten.

Dazu zählt auch die energetische Quartierssanierung in einem Modellgebiet. Während des Vortrags wurde deutlich, dass hier ein ex­trem großes Potenzial steckt, Energien einzusparen. „Doch wie kriegen Sie Ihre Bürger aktiviert, im Eigenheim-Bereich etwas zu machen?“, fragte Tippkötter. Den Spagat zwischen der Ausweisung neuer Baugebiete und der Notwendigkeit, Interessenten für Altobjekte zu begeistern, in welche die älter werdenden Bewohner nicht mehr investieren können oder wollen, wurde deutlich.

Neben solch großen „Baustellen“ präsentiert das Klimaschutzkonzept allerdings eine Reihe von Aktionen und Wettbewerben, die teils recht einfach umzusetzen sind, wie etwa Umwälzpumpen-Tausch. Doch wer soll hier den Hut aufhaben? Dass die Mitarbeiter der Verwaltung nur begrenzte Kapazitäten haben, wurde deutlich. Ein Klimaschutzmanager, dessen Kosten zu 90 Prozent gefördert werden, könnte Anfang 2017 eingestellt werden und die Maßnahmen für einen Zeitraum von zunächst drei Jahren begleiten. Eine Verlängerung um zwei weitere Jahre ist dabei möglich.

Das Ziel, welches die Kommune im Auge hat, ist ambitioniert, aber – so Tippkötter – durchaus erreichbar. Schon jetzt verbraucht jeder Metelener deutlich weniger COals der Bundesdurchschnitt, nämlich 8,1 Tonnen. Bis zum Jahr 2030 soll dieser Wert auf fünf Tonnen sinken und 2050 nur noch 1,1 Tonnen betragen.

Dass eine Betrachtung über solch große Zeiträume auch stark prognostische Elemente enthält, gab Tippkötter zu. Allerdings sei das „Potenzial in Metelen schon jetzt konkret greifbar“. Tippkötters Kollegin Daniela Winsheimer ergänzte, dass das Klimaschutzkonzept in seinen konkreten Punkten auf die nächsten drei bis fünf Jahre ausgerichtet sei .

Ulrich Ahlke, Leiter des Klimaschutzamts beim Kreis Steinfurt, freute sich, dass mit Metelen einer der letzten weißen Flecken im Kreis verschwunden sei: „Metelen ist einen großen Schritt nach vorne gegangen“, sagte der Energie-Experte aus dem Kreishaus und betonte zugleich, dass Klimaschutz zwar eine freiwillige Aufgabe sei, diese aber deutlich messbare Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft habe. Ahlke machte sich nachdrücklich für die Einstellung eines Klimaschutzmanagers stark, der überdies Fördermittel freisetzen werde – etwa für die Bauhof-Sanierung: „Sie brauchen einen Kümmerer in der Gemeinde.“

Zum Thema

Beschlossen werden soll das Klimaschutzkonzept im Februar durch den Rat.

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