Do., 04.02.2016

51 Jahre im Rathaus Urgestein der Verwaltung geht

Beamter mit grünem Daumen: 51 Jahre lang arbeitete Theo Stücker in der Verwaltung der Gemeinde, am Freitag ist sein letzter Arbeitstag. Der Ordnungsamtsleiter geht in den Ruhestand. Dann hat der Pensionär mehr Zeit, seinem Garten-Hobby nachzugehen.

Beamter mit grünem Daumen: 51 Jahre lang arbeitete Theo Stücker in der Verwaltung der Gemeinde, am Freitag ist sein letzter Arbeitstag. Der Ordnungsamtsleiter geht in den Ruhestand. Dann hat der Pensionär mehr Zeit, seinem Garten-Hobby nachzugehen. Foto: Dieter Huge sive Huwe

Metelen - 

Mit Theo Stücker verlässt ein Mitarbeiter die Verwaltung, der Metelen aus dem Effeff kennt. 51 Jahre lang war der 64-Jährige in den Diensten der Gemeinde tätig, zuletzt als Leiter des Ordnungsamtes. Am morgigen Freitag hat Stücker seinen letzten Arbeitstag.

Er ist der älteste Mitarbeiter der Verwaltung, aber das nur noch bis zum Wochenende. Nach 51 Jahren in den Diensten der Gemeinde ist am Freitag für Theo Stücker der letzte Arbeitstag gekommen. Redaktionsmitglied Dieter Huge sive Huwe unterhielt sich mit dem angehenden Pensionär über ein halbes Jahrhundert Arbeit im Rathaus.

Wie sind Sie seinerzeit als junger Mensch eigentlich darauf gekommen, die Verwaltungslaufbahn einzuschlagen?

Theo Stücker: Wir hatten vor 51 Jahren natürlich eine komplett andere Situation als heute. Damals konnte man sich die Ausbildungsstellen aussuchen. In den Jahren hatte man die Chance, aus vielen Möglichkeiten auswählen. In Handwerksberufen waren schriftliche Bewerbungen kaum üblich. Ich selber hatte eigentlich über eine weitere Schulausbildung an der Handelsschule nachgedacht.

Daraus wurde aber nichts.

Stücker: Genau. Damals kam aber kurz vor Ende der Volksschule der damalige Rektor Hampe zu mir und erzählte mir – da er auch Ratsmitglied war – dass sie im Rathaus einen Lehrling suchten. Das hab ich zu Hause erzählt. Da ich seinerzeit aber noch 13 Jahre alt war, ist mein Vater ins Rathaus gegangen und kam dann mit einer positiven Antwort wieder. Ich war dann aber einer derjenigen, der doch eine schriftliche Bewerbung verfassen musste (lacht). Die Zusage kam dann fast postwendend.

Wie sah damals die Ausbildung aus?

Stücker: Eher bescheiden, was die Ausbildung selber betrifft. Das musste man sich schon selber aneignen. Aber ich lernte alle Abteilungen des Hauses kennen. Nicht umsonst hieß es immer, dass der Auszubildende der bestinformierte Mensch im Rathaus war. Damals gehörten aber auch Aufgaben wie das Besorgen der Tageszeitung für den stellvertretenden Gemeindedirektor oder auch das Staubwischen im Ratssaal vor der Sitzung zu den Aufgaben des Lehrlings. Und es war üblich, dass der auch die Ratsprotokolle auslieferte – mit dem Rad bis in die Bauerschaften, wenn es sein musste, bei Wind und Wetter. Als ich da mal so durchgefroren beim früheren Bürgermeister Bernhard Herde­ring-Wisselmann ankam, bot der mit erst mal einen Schnaps an – heute undenkbar.

Wie sah der weitere Berufsweg dann aus?

Stücker: An die Ausbildung schloss sich die für den mittleren Dienst als Beamter an. Die sah so aus, dass ich hier weiter meinen Job gemacht habe. Einmal pro Woche ging es dann nach Münster zum Studieninstitut, wo die Fachausbildung stattfand. Nach meiner Bundeswehrzeit schloss sich die Ausbildung für den gehobenen Dienst an – dann allerdings mit Blockausbildungsphasen.

Und es hat Sie nie fortgezogen aus Metelen?

Stücker: Doch, schon. Aus Ahaus hatte ich eine Zusage vorliegen mit Blick auf ebendiese letzte Ausbildung. Doch da fragten die mich hier, ob ich das nicht auch hier machen wollte – und so bin ich geblieben.

Bis heute. Welche Stationen haben sie während der Jahrzehnte in der Verwaltung durchlaufen?

Stücker: Bis auf das Sozialamt eigentlich alle. Ich habe auch im Bauamt gearbeitet, was mir besonders gefallen hat. Rückblickend betrachtet muss ich sagen: Das wäre eher mein Ding gewesen. Hier in den Bereichen Ordnungs- und Sozialamt gibt es ja wenig Möglichkeiten, zu gestalten. Das ist im Baubereich schon eher gegeben.

Sie waren 20 Jahre lang im Ordnungsamt tätig. Dort gibt es viele hoheitliche Aufgaben, die Sie wahrnehmen mussten. Was ist haften geblieben?

Stücker: In den Bereich fällt ja auch die Feuerwehr. Erinnerungen sind da sicherlich das Schneechaos und auch Hochwasser-Einsätze.

In solchen Fällen sind das Wochenende oder der Feierabend aber ruiniert. Da kann man nach Dienstschluss nicht einfach den Schlüssel rumdrehen.

Stücker: Das ist im Ordnungsamt grundsätzlich nicht möglich. Wir haben hier in Metelen zwar keine Rufbereitschaft, werden aber immer wieder angefordert und müssen Entscheidungen treffen in Situationen, die sich nicht an den Dienstzeiten orientieren.

Haben Sie dafür Beispiele?

Stücker: Verfahren nach dem sogenannten PsychKG. Dabei geht es darum, Menschen im Fall von akuter Selbst- oder Fremdgefährdung gegen ihren Willen in einem psychiatrischen Fachkrankenhaus – für uns ist das Lengerich – unterzubringen. Oftmals sind das fordernde Einsätze in den Familien, vielfach mit der Polizei zusammen. Drogen und Alkohol spielen in vielen Fällen eine Rolle. Eine Entscheidung über eine solche Zwangsunterbringung muss zunächst vor Ort die Ordnungsbehörde fällen. Die Verfügung, jemandem im Akutfall seine Freiheitsrechte zu nehmen, wird dann vom Amtsgericht überprüft.

In einem kleinen Ort wie Metelen geht so etwas doch sofort herum.

Stücker: Sicherlich kennt man auch Betroffene und macht das nicht immer gerne. Oftmals ist es aber gerade die Familie, welche die Situation nicht mehr tragen kann und letztlich solche Verfügungen auslöst.

Wann mussten Sie noch raus?

Stücker: In Fällen von Abschiebungen ist das Ordnungsamt zwar nicht federführend tätig, wird aber auf Grund von Ortskenntnis oder weil die Gemeinde Vermieterin ist, vielfach hinzu gebeten. Auch bei Hausdurchsuchungen der Steuerfahndung sind wir als neu­trale Instanz, die den Vorgang begleitet, vor Ort – in der Regel nachts oder in den frühen Morgenstunden.

Nun, künftig können sie ausschlafen. Ab dem Wochenende feiern Sie Resturlaub ab, am 1. April beginnt dann der Ruhestand. Wie sehen ihre Pläne aus?

Stücker: Ach, da gibt es Einiges. Ich bin begeisterter Tennisspieler, unter anderem in der Herren-60-Mannschaft des TCM. Dann wartet auch noch der große Garten auf mich. Handwerkliche Arbeiten liegen mir ebenfalls. Außerdem möchte ich gerne verreisen. Ein Jugendfreund hat mich schon vor Jahren nach Brasilien eingeladen. Diese Einladung möchte ich gerne annehmen. Und nicht zu vergessen meine Frau und die Familie: Im Mai stellt sich das zweite Enkelkind ein . . .

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