Sa., 20.02.2016

Erster Weltkrieg In der Hölle gestorben

Metelen - 

Am Sonntag jährt sich zum 100. Mal der Tag, an dem im Ersten Weltkrieg die Schlacht um die französische Festung Verdun begann. Auch Metelener kämpften in den Schützengräben. Das Schicksal einiger von ihnen ist bekannt, ihre genauen Todesumstände bleiben jedoch im Dunkeln.

Von Dieter Huge sive Huwe

An diesem Sonntag vor genau 100 Jahren begann die Schlacht um Verdun, Symbol für das Grauen des Krieges und für das industrialisierte Töten. Es war der Anfang eines massenmörderischen Gemetzels, dem innerhalb von zehn Monaten mehr als 300 000 Soldaten zum Opfer fielen. Unter ihnen waren auch Metelener.

1916, das war das Jahr, in dem der Erste Weltkrieg bereits seit zwei Jahren tobte. Waren viele Soldaten noch 1914 mit vaterländischem Pathos in die Züge gestiegen, die sie an die Front brachten, so war in diesem Frühjahr vor genau einem Jahrhundert die Auseinandersetzung mitten in Europa längst zum Stellungskrieg geworden. Eingegraben lagen sich die Armeen gegenüber, mitunter waren die Schützengräben nur einen Steinwurf voneinander entfernt.

Im Reserve Infanterie Regiment 92 diente vor einem Jahrhundert August Mersch. Der 26-Jährige war in Metelen geboren worden, am 30. Mai 1889. Als Leutnant der Reserve gehörte er zu den Offizieren der elften Kompanie im dritten Bataillon des Regiments. Elf Kompanien Infanterie (das Regiment hatte sogar noch eine zwölfte Kompanie), das waren Massen an Fußsoldaten, die gebraucht wurden für das massenhafte Sterben in den Gräben vor Verdun.

Eigentlich war die deutsche Generalität davon ausgegangen, an diesem Sonntag vor 100 Jahren eine Wende im festgefahrenen Kriegsgeschehen herbeiführen zu können. Neun Stunden Trommelfeuer aus 1250 Kanonenrohren ging auf die Stellungen der französischen Verteidiger nieder. Doch die Materialschlacht brachte kaum Geländegewinne, sondern nur unsägliches Leid, gefolgt von selbstmörderischen Angriffen aus jenen Gräben heraus, die durch den Artilleriebeschuss nicht gleich zu Gräbern wurden.

„Einzigartig an Verdun ist diese Kombination aus modernster Fernartillerie und archaischsten Formen des gegenseitigen Tothauens“, urteilte in dieser Woche der Historiker Prof. Gerd Krumeich in einem Interview mit Spiegel-Online.

Als diese bis dahin unbekannte Form der industrialisierten Kriegsführung begann, hatten andere Metelener den Krieg bereits mit dem Leben bezahlt. Gerhard Klockenkemper etwa, ein Jahrgang jünger als August Mersch. Als Reservist eingezogen, diente er im 8. Lothringischen Infanterie-Regiment 159 oder aber im Freikorps Schulz. Die „Ehrenliste“ mit den Namen der Gefallenen, die erhalten blieb, vereinigt beide Einheiten. Der Metelener wurde zuletzt am 20. September 1914 gesehen, in Ailles, unweit des heftig umkämpften Flüsschens Aisne. Er galt seither als vermisst, das Regiment führte ihn dennoch in der Auflistung als „gefallen“. Klockenkemper überlebte im Krieg vermutlich keine 60 Tage. Auf der Gefallenentafel im Turm der katholischen Pfarrkirche Metelens ist sein Name bei den Vermissten aufgeführt.

August Mersch, der Offizier aus der elften Kompanie, starb zwei Monate, nachdem das Gemetzel vor Verdun begonnen hatte. Den 19. April verzeichnet die seitenlange Gefallenen-Liste des Regiments als seinen Todestag, die Ortschaft Longuyon als den Ort, in dem der Metelener starb. Das Städtchen wurde während dieses Ersten Weltkriegs von den deutschen Truppen weitgehend zerstört. Es liegt gut 20 Kilometer nordöstlich von Douaumont, jener Festung, um die die heftigsten Kämpfe tobten. Nicht auszuschließen ist daher, dass Mersch verwundet im rückwärtigen Lazarett starb.

Wenige Informationen gibt es auch über einen weiteren Metelener, der in der Schlacht um Verdun sein Leben ließ. Josef Hegemann war der Bruder des im Ort auch heute noch bekannten Lehrers, Dichters und Malers Bernhard Hegemann. Bernhard war der Erstgeborene von insgesamt zwölf Kindern der Eheleute Hermann Hegemann und seiner Frau Maria (geb. Schürmann).

In einem Gespräch mit Metelens Gemeindearchivar Reinhard Brahm hatte das jüngste Kind der Familie, Gertrud Schlattmann, von ihren Erinnerungen an den ältesten Bruder berichtet. Die kleine Gertrud, 1912 zur Welt gekommen, war mit Bernhard auf dem Fahrrad zur Schule gefahren, durfte in der Klasse sitzen, während der große Bruder, der ja Lehrer geworden war, unterrichtete. „So konnte sie dann später erzählen, sie sei schon in der Schule gewesen, bevor sie fünf Jahre alt gewesen sei“, notierte Brahm aus dem Interview.

Ihr zweitältester Bruder Josef, 1892 geboren und damit 20 Jahre älter als Gertrud, war zu diesem Zeitpunkt im Krieg. Gestorben ist er, das zeigt der Stammbaum der Familie, an dem Ort, der für ihn, wie für alle anderen Soldaten auf beiden Seiten die reinste Hölle war: in Verdun.

Leserkommentare

Google-Anzeigen
Anzeige

kfzmarkt.ms Anzeigen

Autos, Motorräder, Wohnmobile und Nutzfahrzeuge aus Ihrer Region



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3818864?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F178%2F