Di., 01.03.2016

Ortsgeschichte Mit einem Federstrich schuldenfrei

Mit diesem Schreiben wies der preußische König Friedrich Wilhelm III. seinen Finanzminister an, Metelen die Schulden zu erlassen.

Mit diesem Schreiben wies der preußische König Friedrich Wilhelm III. seinen Finanzminister an, Metelen die Schulden zu erlassen. Foto: Gemeindearchiv Metelen

Metelen - 

Mit seinem Federstrich war die Gemeinde Metelen ihre Schulden los: 1821 unterzeichnete Preußenkönig Friedrich Wilhelm III. ein entsprechendes Dekret. Es erließ Metelen 450 Reichstaler. Gemeindearchivar Reinhard Brahm entdeckte das Dokument in den Akten.

Von Dieter Huge sive Huwe

Davon träumt Metelens Kämmerer: Mit einem Federstrich ist die Gemeinde ihre Schulden los. Was im Zeitalter des Neuen Kommunalen Finanzmanagements ein Traum bleibt, ist vor gut 200 Jahren wirklich geschehen. Mit einem Schreiben erlässt der Regent dem kleinen Örtchen Metelen seine Schulden.

Gemeindearchivar Reinhard Brahm hat dieses Dokument gefunden, als er den Archivtag des Kreises am kommenden Wochenende vorbereitete. Das Schreiben, das in Magdeburg am 16. Juli 1821 abgefasst wurde und die Unterschrift des Preußenkönigs trägt, ist an den Magistrat zu Metelen gerichtet. Archivar Brahm entzifferte den Brief wie folgt: „Ich habe auf die Vorstellung des Magistrats zu Metelen vom 3ten d. M., die Da(rlehens) Schuld von 450 Reichstalern an welcher die Stadt mit 350 und das Land Kirchspiel mit 100 Reichstalern theil nimmt, erlassen, und habe den Finanz-Minister danach angewiesen.“ Unterschrift: Friedrich Wilhelm III.

Brahm fand zwar keinen Hinweis auf die Eingabe des Metelener Rates, recherchierte aber in der Jahresrechnung von 1821, dass nach Abzug der Einnahmen ein Fehlbetrag im Haushalt in Höhe von 483 Reichstalern vorgelegen hatte. Durch den Federstrich des Regenten war Metelen quasi schuldenfrei.

Was den König veranlasste, sich so für seine Untertanen im fernen Örtchen zu verwenden, bleibt ein Rätsel. Gemeindearchivar Brahm hat dazu aber eine Vermutung. Der Archivar schreibt: „Der Oberpräsident von Westfalen, Freiherr von Vincke, äußerte sich zum Geschenk des Königs: ,Es hat mich sehr erfreut, dass die Gnade des Königs Majestät die Stadt und das Kirchspiel Metelen beglückt . . .’ Die Hilfe des Königs und der Glückwunsch des Oberpräsidenten, der ein ausgewiesener Förderer der Industrialisierung war, hinterließen Eindruck in Metelen und man nutzte diese neuen Verbindungen nach Berlin und Münster, als es einige Jahre später Schwierigkeiten mit dem Kreistag in Burgsteinfurt beim Bau der dringend zur Förderung der lokalen Wirtschaft benötigten Anbindung Metelens an die regionalen und überregionalen Chausseen gab.“

Zum Thema

Zu sehen ist der Brief im Rahmen der Ausstellung „1816-2016, 200 Jahre Kreis Steinfurt“ am Sonntag (6. März) von 11 bis 17 Uhr im Kreishaus in Burgsteinfurt. Zur Ausstellung erscheint auch ein Begleitbuch.

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