Mi., 19.04.2017

Münsterländer Friedensherde Blaue Lämmer auf dem Weg

Ein wenig Geduld mussten die 150 Paten mitbringen, da die Urkunden und Ohrmarken für die ganz individuellen Blaulämmer direkt vor Ort ausgestellt wurden. Bertamaria Reetz und die Initiatorin der Metelener Aktion, Ingrid Hagen, füllten die Urkunden aus.

Ein wenig Geduld mussten die 150 Paten mitbringen, da die Urkunden und Ohrmarken für die ganz individuellen Blaulämmer direkt vor Ort ausgestellt wurden. Bertamaria Reetz und die Initiatorin der Metelener Aktion, Ingrid Hagen, füllten die Urkunden aus. Foto: Sabine Sitte

Metelen - 

Die erste „Münsterländer Friedensherde“ ist Geschichte: Am Ostermontag holten die Paten ihre blauen Lämmer auf der Wiese am St.-Sophien-Haus ab. Urkunden und Ohrmarken markieren sie als Originale. Initiatorin Ingrid Hagen denkt bereits über eine Folge-Aktion nach. 

Von Sabine Sitte

Wo bis zum Mittag des Ostermontages noch eine Herde blauer Lämmer friedlich graste, tummelt sich einige Stunden später eine bunt gemischte Menschenschar zwischen den Tieren. Fotoapparate werden gezückt, die Schafe mit prüfenden Blicken begutachtet und ab und an streicht eine Hand verstohlen über den harten Korpus. Drei, zwei, eins – meins: Der Nachwuchs der Friedensherde hat nach mehr als drei Wochen Geduldsprobe den Weg von der saftigen Weide am Sophien-Haus zu den Paten gefunden.

Vorab gibt es zwischen zwei heftigen Regenschauern noch eine Rede und eine Aufgabe. Das musikalische Rahmenprogramm fällt sozusagen ins Wasser und der Lautsprecher fehlt dadurch auch. Doch nach monatelanger Arbeit lässt sich die Initiatorin Ingrid Hagen davon nicht beirren. Kurzentschlossen steigt sie auf einen großen Findling, das Publikum rückt ein Stück zusammen, und kein Wort geht verloren.

Nach einer Idee im vergangenen Jahr, hervorgerufen durch ein Miniatur-Blauschaf, hatte Hagen im Januar dieses Jahres einen Aufruf gestartet und Paten für die Lämmerschar gesucht. Auf die Botschaft der Herde „Alle sind gleich, jeder ist wichtig“ hätten innerhalb von zwei Tagen so viele Menschen aus dem Kreis Steinfurt mit einer Anmeldung reagiert, dass „wir die zuerst geplanten 111 Lämmer auf 150 anwachsen lassen haben“, resümiert Ingrid Hagen.

Der Ursprung der „Blauen Friedensherde“ entstammt einem Kunstprojekt von Bertamaria Reetz und Rainer Bonk aus dem Jahr 2009. „Unsere Lämmer sind die zweite Generation“, sagt In­grid Hagen, die Blaulämmerhüterin, und das sei ähnlich wie bei den Menschen. „Jetzt sind unsere Kinder dran, die Friedensbotschaft weiterzutragen.“ Auch der Ostermontag ist nicht zufällig gewählt: An diesem Tag finden die traditionellen Ostermärsche gegen Krieg und Terror statt. „Doch wir sind nicht gegen etwas, sondern für Akzeptanz, Toleranz und ein friedvolles Miteinander“, sagt Hagen. Das beginne im Hier und Jetzt bei jedem Einzelnen für den Frieden in der ganzen Welt.

Doch leider, so Hagen, sei auch der wochenlange Aufenthalt der Blaulämmer im Freien nicht ohne Blessuren und Narben vonstatten gegangen: „Vier der Tiere sind von Unbekannten zerstört worden.“ Gern hätte die Organisatorin wenigstens zwei Lämmer zum Dank für die Gastfreundschaft an das Sophien-Haus verschenkt, doch das sei nun nicht mehr ohne weiteres möglich. „Der materielle Schaden lässt sich in Geld beziffern, der ideelle nicht.“

Vor der Übergabe der Lämmer an die Paten lassen diese noch jede Menge blauer Luftballons mit Karten, auf denen gute oder hoffnungsvolle Wünsche stehen, in den Himmel steigen. Dann ist es soweit: Alt und Jung, Männer und Frauen strömen über die Wiese und tragen stolz die kleinen, in Yves-Klein-Blau leuchtenden Lämmer aus Kunststoff zur Registrierung. Für das Ehepaar Montag aus Rheine ist die Figur eine Erweiterung der heimischen Mini-Herde. „Im Garten stehen bereits vier große Schafe“, erzählt Rita Montag. „Die Leute bleiben oft stehen und schauen.“

Alle Lämmer bekommen eine pinkfarbene Markierung mit einer Nummer, die ins linke Ohr geklebt wird. Auf der Patenschaftsurkunde, persönlich überreicht und unterschrieben von Bertamaria Reetz und Ingrid Hagen, steht der männliche oder weibliche Vorname des Tieres.

Und es wird weitere Nachkommen der Friedensherde geben. Für die kommenden Jahre hat Ingrid Hagen die gleiche Aktion für die Kreise Warendorf, Coesfeld und Borken geplant. Ihren Gästen an diesem Nachmittag legt sie schon den Ostermontag 2020 ans Herz: „Dann sollen alle Paten mit ihren Lämmern an einem Ort zusammenkommen. 600 Schafe – die „Junge Münsterländer Friedensherde“.

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