Sa., 19.08.2017

Kulinarischer Kräuterabend mit Angelika Laumann Sinne und Begehrlichkeiten geweckt

Da staunen die Reilnehmer: Angelika Laumann (li.) zeigt Kräuter aus ihrem Garten – und verrät, was man mit ihnen machen kann.

Da staunen die Reilnehmer: Angelika Laumann (li.) zeigt Kräuter aus ihrem Garten – und verrät, was man mit ihnen machen kann. Foto: Sabine Sitte

Metelen - 

Riechen, schmecken, staunen: Im Garten von Angelika Laumann werden Sinne und Begehrlichkeiten geweckt. Davon konnten sich jetzt die Teilnehmer des kulinarischen Kräuterabends überzeugen. Dabei gab es nicht nur gute Tipps, sondern auch einige Kostproben.

Mit duftendem Honigmelonen-Salbei in roter Blütenpracht über argentinische Minze bis zum üppigen Strauchbasilikum haben die Besucher nicht nur ein Pflanzenparadies kennengelernt, sondern viele Dinge erfahren, „die so nicht in Büchern stehen“, so die Gärtnerin.

Die zwölf Frauen und Männer sind aus unterschiedlichen Gründen zur Veranstaltung der Kulturinitiative (KIM) gekommen: Sie wollen Tipps zur Pflege mit den herkömmlichen Küchenkräutersorten, planen einen Garten oder einfach nur ein Hochbeet. „Salbei, Rosmarin, Estragon wachsen bei mir prima“, heißt es in der Vorstellungsrunde. „Nur vor Basilikum habe ich Angst. Das wird einfach nichts“ Bei der Nächsten ist es die Petersilie, die „immer wieder kippt“.

Zuerst brauche es Grundwissen, betont Laumann, die seit 27 Jahren im Beruf und seit zehn Jahren mit Kräuterpflanzen im Steinfurter Kreislehrgarten arbeitet. „Zwei Faktoren beeinflussen die Pflanzen. Der Metelener Sandboden und die extremen Wetterwechsel.“ Was früher im Garten gut funktioniert habe, sei heute nicht mehr sicher. Darauf erst einmal einen frisch aufgebrühten Zitronenverbene-Tee in blassgelber Farbe und mit einem intensiven Südfruchtaroma. Schon nach einem Handstrich über die weichen Blätter haftet der starke Zi­tronenduft auf der Haut und lässt tief einatmen.

Kurz klärt die Gastgeberin über Hintergründe der botanischen Namen in Latein auf: „Es gibt zum Beispiel etwa 800 Arten Salbei, doch nur eine davon trägt die heilenden Wirkstoffe gegen Halsweh in sich.“ Salvia officinalis Purpurascens – bezeichnet Gattung, Art und Sorte. „Nur die Pflanzen mit der Bezeichnung ‚officinale´ haben eine Heilwirkung.“ Doch Vorsicht bei Kuren und Dauergebrauch in Eigenregie: Schnell lagern sich heilende Substanzen im Körper ab. Das sei eher schädlich.

Fotostrecke: Kulinarischer Kräuterabend in Metelen mit Angelika Laumann

Dann gibt Laumann ihr jahrzehntelanges Wissen preis. Mediterrane Kräuter wie Thymian, Rosmarin und Salbei brauchen viel Sonne und mögen keine nassen Winter. Die gebräuchlichen Küchenkräuter seien zum Teil sehr sensibel. „Petersilie mag sich selbst nicht und kommt auf Dauer mit ihren eigenen Wurzelausscheidungen nicht klar“, so Laumann. Darum sei ein Standortwechsel oder frischer Boden nach der Blüte im zweiten Lebensjahr nötig. „Sie verträgt zudem keine pralle Mittagssonne, keine kalten Regenschauer und braucht gleichmäßige Feuchtigkeit.“ Ein kleines Sensibelchen eben. Bei den unberechenbaren Außentemperaturen biete sich daher eine Topfbepflanzung an, um gegen die Witterung flexibel zu sein. Anders Schnittlauch. „Eigentlich nicht kaputt zu kriegen.“ Auch für die passionierte Kräuterkundlerin ist ihr Garten ein Dauerexperiment: „Das Wichtigste dabei ist, viel auszuprobieren und gut zu beobachten.“

Dann probieren die Gäste von den zart-lila Blüten einer besonderen Lauchsorte, deren Duft den ganzen Abend in die Nasen kriecht: auf der Zunge entfaltet sich erst eine leichte Schärfe und gleich darauf ein intensiver Knoblauch-Geschmack. „Die Blüten beinahe aller Kräuterpflanzen können mitgegessen werden oder als Dekoration Speisen verschönern.“ So kosten sich die Besucher bei einer Garteb-Führung durch Blätter und Blüten, die nach Ananas, Minze, Anis und Lakritz schmecken. „Die La­kritz-Tagetes ist eine prima Alternative zu Versuchungen im Süßigkeitenregal“, schmunzelt Laumann. „Immer ein paar Blättchen im Vorbeigehen vernaschen, und man hat trotzdem keine Extrakilos auf den Hüften.“

Die Kräutervielfalt und Pflanzenfülle versetzen die Teilnehmer in Erstaunen. Unter dem Apfelbaum, zwischen Sonnenblumen und Feige oder an die Garagenwand geschmiegt wachsen Lavendel, Thymian, Zitronenmelisse, Ysop, Rosmarin und zahlreiche Salbeisorten. Auch Vogelmiere. „Die ist essbar, man muss sie nur klein halten, damit sie sich nicht überall ausbreitet.“

Apropos essbar: Nach dem zweistündigen Ausflug in die Welt der Kräuterkunde folgt ein kulinarisches Geschmackserlebnis mit selbst gemachtem Basilikum-Petersilie-Pesto, Estragon-Pinien-Frischkäse und Bärlauch-Kräuterbutter auf frischem Rosmarin-Brot. Und für Naschkatzen ein Pralinenpotpourri aus Marzipan, Mandel und Duftgeranie. Rezepte gibt’s gratis und dazu Lob der Gäste: „Das war eine wunderbare Veranstaltung.“

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