Autodiebstahl vor dem Landgericht
Während die Opfer schliefen

Metelen / Münster -

Details der dreisten Autodiebstähle, für die drei mutmaßliche Mitglieder einer Einbrecherbands verantwortlich sein sollen, wurden jetzt vor dem Landgericht bekannt. Opfer waren auch Metelener.

Donnerstag, 15.02.2018, 18:02 Uhr

Vor dem Landgericht wird im so genannten Homejacking-Prozess verhandelt.
Vor dem Landgericht wird im so genannten Homejacking-Prozess verhandelt. Foto: dpa

Im Homejacking-Prozess gegen drei mutmaßliche Mitglieder einer polnischen Einbrecherbande, die – wie berichtet – ihre Spuren auch in Metelen hinterlassen hatten, haben die 38 bis 51 Jahre alten Angeklagten die Flucht nach vorne angetreten. Wie von ihnen angekündigt, legten sie in den Folgeverhandlungen Geständnisse ab. Dennoch blieben Zweifel am Wahrheitsgehalt und der Vollständigkeit ihrer Aussagen.

Der Vorsitzende Richter hatte jedenfalls zahlreiche Nachfragen. Auffällig war, dass sich die beiden jüngeren Angeklagten bemühten, den in Telgte wohnhaften 51-Jährigen aus allem herauszuhalten. Sie hätten zwar selten bei ihm übernachtet, aber sich nicht eingenistet, sagte ein Angeklagter. Ganz so ahnungslos, wie es die beiden Mitangeklagten des Trios darstellten, war der 51-Jährige aber wohl nicht. Ein Polizeibeamter berichtete, dass der Angeklagte im Dezember 2015 in Münster angegeben hatte, vor den Mitangeklagten Angst zu haben. Gegen seinen Willen sollen sich die beiden Männer bei ihm einquartiert und schon jahrelang Einbrüche und Pkw-Diebstähle nahe Warendorf begangen haben.

Diese und weiteren Zeugenaussagen standen im Mittelpunkt der Folgeverhandlungen. So hatten die Bewohner eines Hauses in Metelen nicht bemerkt, als die Täter die Terrassentür aufbohrten und anschließend in das Haus eindrangen. Hier nahmen sie zunächst den Pkw-Schlüssel an sich und entwendeten das vor dem Haus geparkte Auto im Wert von 35 000 Euro. Zur Tatzeit schliefen die Geschädigten in ihrer Wohnung. „Wir haben nichts bemerkt und nichts gehört.“ Die Terrassentür habe morgens offengestanden, schilderte die Zeugin. Folgen psychischer Art hätten sich nicht eingestellt. Anders erging es dagegen einer 62-Jährigen. „Ich war total entsetzt. Man denkt, so etwas passiert einem nicht.“ Auch ihr Pkw im Wert von 50 000 Euro wurde nach gleichem Muster gestohlen. Seit der Tat fühlt sich die Frau in ihrem Haus nicht mehr wohl.

Wie berichtet legt die Anklage den drei polnischen beziehungsweise polnischstämmigen Männern 13 – teilweise nur versuchte – Einbrüche in Wohnungen und Geschäftsräume in mehreren Städten des Münsterlandes zur Last. Nachdem die Männer in die Wohnungen eingebrochen waren, legten sie in erster Linie ihre Augenmerk auf abgelegte Autoschlüssel. Anschließend entwendeten sie die abgestellten, hochwertigen Fahrzeuge. Auch wertvollen Schmuck sowie Bargeld ließen die Täter mitgehen.

Weitere Verhandlungstage sind anberaumt.

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