Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung fortgesetzt
Widersprüchliche Aussagen zu großem Durcheinander

Westerkappeln/Mettingen/Ibbenbüren -

„Hilft ja nix“, sagt einer der Juristen im Sitzungssaal 12 des Amtsgerichts Ibbenbüren trocken. Ein weiterer Zeuge soll geladen werden. Gesprächsbedarf gibt es, denn was die 27-jährige Zeugin am Montag aussagt, unterscheidet sich erheblich von dem, was der 16-jährige Nebenkläger und seine Freunde beim Verhandlungstermin drei Wochen zuvor gesagt haben.

Dienstag, 08.05.2018, 17:00 Uhr

 
  Foto: dpa

Auf der Anklagebank sitzt erneut der 29-jährige Westerkappelner, den die Staatsanwaltschaft der gefährlichen Körperverletzung beschuldigt. Er soll sich im Mai 2017 vor einem Mehrfamilienhaus in Mettingen mit einer Gruppe Jugendlicher angelegt haben und einen von ihnen mit Ohrfeigen und später, als der damals 15-Jährige bereits am Boden lag, mit Tritten malträtiert haben. Der Jugendliche erlitt diverse Verletzungen. Atteste liegen vor.

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe, räumt nur eine Ohrfeige ein, die er einem aus der Gruppe gegeben habe, der sich ihm in den Weg stellte. Er sieht sich selbst als Opfer. Er sei angegriffen worden, habe sich in ärztliche Behandlung begeben müssen. Ein Attest ist er bisher schuldig geblieben.

Die 27-Jährige, die am Montag aussagt, hatte das Geschehen aus dem Mehrfamilienhaus, in dem sie damals mit ihrer Familie wohnte, beobachtet. An eine körperliche Auseinandersetzung zwischen dem Angeklagten, einem Bekannten ihres Ehemanns, und dem Nebenkläger kann sie sich nicht erinnern.

Sie will aber ein Gerangel beobachtet haben, bei dem der Angeklagte den Kürzeren zog. „Er konnte sich schon gar nicht mehr wehren, gegen wen, weiß ich nicht“, stellt sie fest. Mehrere Autos wären gekommen, 15 Menschen beteiligt gewesen, fährt sie fort.

An großes Durcheinander und „Geschubse“ erinnert sich ihr Ehemann ebenfalls, außerdem daran, dass ein Älterer, „ein Papa“, vor Ort gewesen sei.

Die Jugendlichen hatten erklärt, einer von ihnen habe seine Schwester und deren Freund zu Hilfe gerufen. Auch dieses Paar sagt am Montag aus. Beide wollen gesehen haben, dass der verletzte Nebenkläger vor dem Angeklagten weglief. „Der war besoffen oder unter Drogen, auf jeden Fall komisch und aggressiv“, sagt die Frau aus.

Ihr Freund will auf einem Handyvideo gesehen haben, wie der Angeklagte auf dem Nebenkläger saß und ihm einen Finger ins Auge drückte.

Die Juristen im Sitzungssaal 12 wundern sich, dass bisher keiner der Zeugen das Video erwähnt hat. Auf ihre Frage, warum das Paar aus Ibbenbüren, das zur Tatzeit in Mettingen lebte, den Angeklagten nicht schon vorher durch Aussagen bei der Polizei oder vor Gericht entlastet hätten, erhalten sie keine befriedigende Antwort.

Es gibt Gesprächsbedarf. Licht ins Dunkel soll am 28. Mai eine Bekannter der 27-Jährigen geben, der den Trubel vor dem Mettinger Mehrfamilienhaus ebenfalls verfolgt haben könnte.

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