Fr., 20.08.2010

Nordwalde Klassenkampf in der neuen Welt

Von Marian Schäfer

Nordwalde - „Ich finde“, meint Klaus Kormann und lehnt sich zurück in seinen Sessel, „dass die Politik ziemlich wankelmütig, ja, ziemlich verlogen ist.“ Es sei nicht verwunderlich, dass es heutzutage viele Nichtwähler gebe, viele Menschen der Politik nicht mehr trauen und ihr nichts mehr zutrauen würden. Aber die einseitige Kritik ist dem 51-Jährigen dann auch zu plump: „Letztendlich bekommt eine Gesellschaft die Politik, die sie verdient.“

Regen prasselt auf den großen Wintergarten an der Spindelstraße, wird immer stärker. „Wollen wir reingehen?“, fragt der Familienvater, der jetzt immer lauter reden muss. Aber die Atmosphäre, der dunkle, wolkenverhangene Himmel, der sintflutartige Regenfall - sie passt zum Thema des Gesprächs, zum ersten Buch von Klaus Kormann. „Ebene 17: Der Untergrund“ heißt es, eine „Science-Fiction-Satire“, wie der 51-Jährige meint: leicht, lustig und größtenteils überspitzt geschrieben, ein bisschen zynisch auch, vor allem aber ernst im Thema, weil es der Gesellschaft einen Spiegel vorhält.

In „Ebene 17: Der Untergrund“ stellen Menschen, die Forderungen stellen, ohne auf Konsequenzen zu achten. Sie verlangen von Politikern, für besseres Wetter zu sorgen, das diese kaum liefern können. Doch ein plötzlich auftauchender Guru und ein Physiker tun sich zusammen und schaff es: Das Wetter wird schön. Doch gerät die Welt dabei aus der Balance, Extremwetterlagen folgen, ganze Länder verschwinden von der Landkarte, die Hälfte der Weltbevölkerung stirbt weg.

Klaus Kormann hatte vor ein paar Jahren einen kleineren Herzinfarkt, der ihm Warnung genug war und ihn veranlasste, ein bisschen kürzer zu treten und mehr darauf zu achten, was er wirklich will und was ihm gut tut. 2008 schrieb er dann die ersten Zeilen. „Die Idee, einen Roman zu schreiben, habe ich schon seit 30 Jahren“, erzählt Kormann. Er habe mehrere Anläufe genommen, doch alle abgebrochen.

In „Ebene 17: Der Untergrund“ gibt es zwei Handlungsstränge, die Kormann miteinander verwoben hat. „Ich hätte nie gedacht, dass es so anspruchsvoll ist, dabei keine logischen Fehler zu machen.“ Nach der Katastrophe folgt der Aufbau einer neuen Welt: In „Science World“ mit der Hauptstadt „ Science City “, die auf den ehemaligen und längst aufgetauten Permafrostböden entsteht, sind nun allein Wissenschaftler für die Geschicke der Menschheit verantwortlich. Reine Vernunft und Objektivität sind oberste Maßstäbe, Verbrechen und Lügen sollen der Vergangenheit angehören.

„Science World´“, erklärt der Autor, „ist nach außen eine hochmoralisch und anständige Welt, nach innen aber nicht.“ Vielmehr ist es die Diktatur wissenschaftlicher Räte, Theologen, Mediziner, Physiker - eine Welt geteilt in ein Oben und ein Unten: oben die Mächtigen und unten, im Untergrund, jene gesellschaftlichen Schichten, die es eigentlich nicht geben sollte: die Zweit- und Drittfamilien der Wissenschaftler zum Beispiel, die manchmal von den Leuten von oben begafft werden wie Tiere im Zoo.

Das Buch lebt davon, dass es Parallelen zwischen der „Science World“ und der echten Welt gibt. Kormann hat Entwicklungen und Charaktere in seinen Roman eingebaut, die dem Leser ziemlich bekannt vorkommen dürften. Bei genauem Hinsehen unterscheiden sich beide Welten kaum noch: Der Guru ähnelt einem bekannten Meteorologen, die Sache mit Zweit- und Drittfamilie spielt unverhohlen auf den Lebenswandel eines CSU-Politikers und im Untergrund werden zur Besänftigung der Benachteiligten sogenannte „Gravitationsgutscheine“ verteilt, mit denen sie Ausflüge in die Welt der herrschenden Klasse unternehmen können.

Das Buch, in dem auch eine Romanze nicht fehlt, endet - soviel noch vorweg - mit einem Happyend. Was Politik und Gesellschaft hierzulande betrifft, da ist sich Kormann nicht so sicher. „Auf jeden Fall hoffe ich“, sagt der 51-Jährige, „dass mein Buch zum Denken anregt.“

» Am Sonntag (22. August) liest Klaus Kormann ab 17 Uhr im Speicher auf dem Bispinghof aus seinem Roman.

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