Mi., 05.04.2017

UWG-Antrag Glaskugel oder Fernrohr?

 

  Foto: dpa

Nordwalde - 

Der Diskussionsbedarf beim Thema der Verteilung der Erstklässler auf die beiden Grundschulen ebbt nicht ab. Der Gemeinderat stimmte am Dienstagabend über einen Antrag der UWG-Fraktion ab. Doch nicht ehe ein kon­troverser Meinungsaustausch ausgefochten war.

Von Pjer Biederstädt

Um eine Tendenz über die in den nächsten Jahren zu erwartenden Anmeldezahlen an den Grundschulen absehen zu können, baten die Unabhängigen Wähler die Verwaltung in dem Antrag, die Erhebungen zu Geburtenzahlen und die zum jetzigen Zeitpunkt voraussichtlichen Anteile mit dem jeweils kürzeren Schulweg offenzulegen. Dahinter steckt der Gedanke, ein Ungleichgewicht bei der Grundschulanmeldung wie in diesem Jahr besser voraussehen zu können.

Doch die vorgeschlagene Maßnahme zur Prävention wäre laut Verwaltung gar nicht möglich. Die Geburtenzahlen stelle man gerne zur Verfügung, die Zahlen über die Wohnstandorte hingegen nicht. Denn: „Die Zahlen bringen Ihnen gar nichts“, sagte Fachbereichsleiterin Doris Böckenfeld in Richtung der Antragsteller. Diese veränderten sich erstens andauernd durch Umzüge und andere Unwägbarkeiten und seien deshalb nicht belastbar. Zweitens seien sie überhaupt nicht aussagekräftig in Bezug zu den Anmeldungen. Diese nehmen nämlich die Eltern vor und sie haben freie Schulwahl – ganz gleich ob sie dichter an der Gangolf- oder an der Wichernschule wohnen. Und drittens äußerte Ordnungsamtsleiterin Dagmar Hilgenbrink „ernsthafte Bedenken“, weil bei Herausgabe der Zahlen der Datenschutz nicht gewährleistet wäre. „Eine Prognose anhand dieser Zahlen käme einem Blick in die Glaskugel gleich und würde die Eltern nur unnötig verunsichern“, sagte Böckenfeld.

„Es ist nicht unsere Aufgabe.“

Unverständnis auch bei CDU und SPD: „Es ist nicht unsere Aufgabe, sondern die der Verwaltung“, sagte CDU-Fraktionschef Tobias Elshoff. Ins gleiche Horn stieß Hans-Ulrich Rhein (SPD): „Der Rat entscheidet nur über die Zügigkeit der Schulen, nicht darüber, wo die Eltern ihre Kinder anmelden. Ich wüsste nicht, was wir mit den Zahlen anfangen sollten.“

Klaus Kormann von den Grünen hingegen sprang der UWG-Argumentation von Ludwig Reichert und Dr. Rudolf Fischer bei. „Die Zahlen böten nicht die absolute Genauigkeit, aber eine Tendenz. Für mich ist es weniger ein Blick in die Glaskugel als ein Blick ins Fernrohr, der zeigt, ob sich uns da wieder ein Meteorit nähert.“

Die Mehrheit des Rates lehnte den Antrag ab. UWG und Grüne stimmten für den Antrag.

Kommentar

Guter Gedanke, nicht ganz zu Ende gedacht – so könnte der Antrag der UWG übertitelt sein. Der Versuch, das diesjährige Dilemma bei der Schulanmeldung der Erstklässler ein einmaliges bleiben zu lassen, ist gut. Der dazu von der UWG angepackte Hebel aber der falsche.

Auch wenn Geburtenzahlen und Wohnorte der einzuschulenden Kinder bekannt sind, weiß niemand, an welcher Schule die Eltern ihre Kinder anmelden werden. Und das ist ausschlaggebend für eine etwaige Unwucht bei den Anmeldezahlen. Deshalb macht die Erhebung des Wohnortes der Erstklässler in spe schlichtweg keinen Sinn. Überdies wäre so eine ungenaue, weil oft kurzfristigen Änderungen unterlegene Bestandsrechnung ein unnötiger Unruheherd in der momentan ohnehin aufgewühlten Elternschaft und stößt sich darüber hinaus mit dem Datenschutzgesetz. Insgesamt also ein wackeliges Frühwarnsystem mit Hang zum hysterisierenden Fehlalarm.

Ganz genau beobachten sollte die Verwaltung aber, ob die Schülerzahlen in Zukunft die Kapazitäten der vier Eingangsklassen in Nordwalde zu übersteigen drohen. Dann müsste über die Zügigkeit an den beiden Grundschulen neu beratschlagt werden. Das ist in dieser Sache die Aufgabe des Rates. Nichts anderes.

Pjer Biederstädt

Leserkommentare

Google-Anzeigen

karriere.ms Anzeigen

Ihr Jobportal für unbefristete und befristete Stellenangebote aus dem Münsterland

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4750139?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F181%2F4852013%2F4896985%2F