Mi., 19.04.2017

Zehn Jahre Schlaumacher Bildung bereichert

Roswitha Floer am Schreibtisch der Verwaltung des Schlaumachers. Der Verein hat acht Mitglieder und feiert in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen.

Roswitha Floer am Schreibtisch der Verwaltung des Schlaumachers. Der Verein hat acht Mitglieder und feiert in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen. Foto: Pjer Biederstädt

Nordwalde - 

Ihr Einsatz scheint unermüdlich zu sein. Roswitha Floer und das Schlaumacher-Team führen den Verein, der Wissen schafft, seit zehn Jahren. Trotz einiger Unwägbarkeiten fällt die Bilanz positiv aus.

Von Pjer Biederstädt

Eigentlich wollte Roswitha Floer doch nur ein Büro für ihre Lohnsteuerhilfe auf ihrem Hof im Suttorf einrichten. Doch als der geplante Bau damals nicht genehmigt wurde, kaufte sie spontan gleich ein ganzes Haus in der Bahnhofstraße. Was tun mit dem ganzen Platz? Eines ihrer drei damals noch schulpflichtigen Kinder fuhr zur Nachhilfe immer nach Borghorst. Da dachte sich Roswitha Floer, dass man das auch in Nordwalde anbieten müsste. Gedacht, getan: Ab Dezember 2006 wurde das Haus renoviert, im Februar 2007 mit Jan Soller – damals Vorsitzender des Fördervereins der KvG-Gesamtschule – der Verein Schlaumacher gegründet und sieben Monate später saßen die ersten Schüler im Rechtschreibkursus.

Seit sich die 57-jährige Nordwalderin Hals über Kopf in das Abenteuer gestürzt hat, sind zehn Jahre vergangen. Sie hat Nordwalde mit viel ehrenamtlichem Engagement neben der Arbeit reicher gemacht. Und das Projekt hat im Gegenzug auch sie bereichert, sagt sie.

41 Prozent der Schüler kommen aus Nordwalde

72 Schüler kommen derzeit regelmäßig in den Schlaumacher. Die Nachhilfe macht mit Abstand den größten Teil der Arbeit aus. Acht Dozenten, zumeist Lehrer oder Lehramtsstudenten, arbeiten dort auf Honorarbasis, dazu Verwaltungskräfte. „Bei uns werden eigentlich alle Fächer abgedeckt“, sagt Roswitha Floer. Ob Gedichtinterpretation oder Bruchrechnung – wo es hakt, wird geholfen. 35 Prozent der Schüler kommen von der Nordwalder Gesamtschule, sechs Prozent von den hiesigen Grundschulen. Die anderen Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen sieben und 20 Jahren kommen von Schulen aus dem Umland. Außerdem bietet der Verein Sprach- oder Computerkurse für Erwachsene an.

Die Finanzierung ist immer ein Thema gewesen. Die Nachhilfestunden kosten etwas über 22 Euro pro Schüler für Einzelunterricht. Roswitha Floer möchte die Preise stabil gestalten, aber ob sie diese nach dem Sommer so aufrecht erhalten kann, weiß sie noch nicht. Schließlich liegt ihr auch die vernünftige Bezahlung der Dozenten am Herzen. Seit jeher sind die Schlaumacher auf fremde Hilfe angewiesen. „Je nach Jahr machen die Spenden fünf bis zehn Prozent des Jahresetats aus“, sagt die Vereinsgründerin. Und der liegt immer zwischen 40 000 und 50 000 Euro. Ob es die Zuwendungen aus dem „Offenen Frauentreff“, die „dauerhafte Spendenbereitschaft der Sparkasse“ (Floer), oder die Zahngoldspende ist – die Bildungseinrichtung ist dankbar und kann das Geld gut gebrauchen. „Wenn‘s mal knapp ist, kriege ich die Miete für die Räumlichkeiten halt etwas später. Hauptsache die Leute sind versorgt“, sagt Roswitha Floer, die als Beratungsstellenleiterin eines Lohnsteuervereins natürlich auch die Steuerangelegenheiten des Vereins ehrenamtlich regelt.

Projekt hat viel Kraft gekostet

Wenn die Nordwalderin von ihrem Herzensprojekt spricht, merkt man mit jedem Satz, dass der Zahlenfrau die Zahlen gar nicht so wichtig sind. „Ich muss da nicht von leben. Es soll sich tragen.“ Gleiches gelte für die Pension, die sie im zweiten Obergeschoss betreibt. Viel wichtiger sind ihr die Menschen. Die Dozenten, die Schüler, die Flüchtlinge, denen sie im Schlaumacher Alphabetisierungskurse ermöglichte, als die Sprachförderung durch die Bürokratie-Mühlen zum Erliegen kam.

Schon Ende April soll ein Integrationskursus für Flüchtlinge starten. Grünes Licht hat der Verein von den Behörden noch nicht. „Wenn es nicht klappt, dann überlege ich, den großen Raum im Erdgeschoss als Büro zu vermieten – obwohl ich das nie wollte.“

Das Projekt hat Roswitha Floer viel Kraft gekostet. Manchmal hätte sie sich für den Aufwand mehr Anerkennung gewünscht. „Aber wahrscheinlich haben wir einfach nicht genug auf uns aufmerksam gemacht“, sagt sie selbstkritisch.

Wichtiger als Anerkennung ist ihr ohnehin, jemanden zu finden, der den Schlaumacher in ein paar Jahren mit dem gleichen Maß an Idealismus weiterführt.  

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