Di., 19.01.2016

Windmühle ohne Flügel Nordwaldes letzte Mühle

Die Achtkantholländermühle in der Feldbauerschaft, auch Raabs Mühle genannt, wurde 1969 abgebrochen. Damit verschwand der letzte Zeuge der Nordwalder Mühlengeschichte.

Die Achtkantholländermühle in der Feldbauerschaft, auch Raabs Mühle genannt, wurde 1969 abgebrochen. Damit verschwand der letzte Zeuge der Nordwalder Mühlengeschichte. Foto: Karl Stening

nordwalde - 

1969 wurde der letzte Zeuge der traditionsreichen Nordwalder Mühlengeschichte, die Raab´sche Mühle, abgerissen.

Von Karl Stening

Ungefähr ein Jahrzehnt nach Ausbau der Verbindungsstraße vom Dorf zur Kreuzung stellte der Müllermeister Bernhard Raab, der als Pächter die sogenannte „Brinkmühle“ betrieben hatte, den Antrag, auf seinem Grundstück in der Feldbauerschaft eine Windmühle zu errichten. Und das, obwohl damals schon drei Windmühlen in Nordwalde existierten. Er hatte sich von seinen Kunden davon überzeugen lassen, dass Bedarf für eine vierte Mühle bestand.

Darum stellte er am 7. April 1871, kurz nach Rückkehr aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, beim damaligen Amtmann Holstein einen Antrag zum Bau einer Windmühle. Schon am 6. Mai 1871 erhielt er von der Königlichen Regierung die Konzession zum Bau der Windmühle. Es handelte sich um eine eichenschindelgedeckte Achtkantmühle nach holländischer Bauart, kurz „Achtkantholländer“ genannt. Sie lag auf einer kleinen Anhöhe und war zum Schutz der Personen von einem Erdwall umgeben. Daher wurde sie auch „Wallholländer“ genannt. Durch eine Unterführung war garantiert, dass bei stärkerem Kundenandrang keine größeren Stauungen entstanden.

Als der Mühlengründer Bernhard Raab seinen Betrieb aus Altersgründen nicht mehr allein führen konnte, stand ihm sein Sohn Louis, der bei seinem Vater das Mühlenhandwerk gelernt hatte, zur Seite. Doch er verstarb schon im Alter von 30 Jahren. Nach der Jahrhundertwende (1900) übernahm Müller Franz Raab mit Ehefrau Gertrud, geborene Erfmann, die Mühle.

Während die anderen Nordwalder Holländermühlen schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Betriebe auf die witterungsunabhängige Dampfkraft umgestellt hatten, nutzte die Raab-Mühle immer noch die Windenergie. Erst 1918 hält es auch Franz Raab für angebracht, die Dampftechnik anzuwenden. Die neue Lokomobil-Dampfmaschine hatte einen liegenden, ausziehbaren „Feuerbüchsenkessel“ mit vorgehenden Heizrohren. Die Ausmaße der Feuerbüchse betrugen 956 Millimeter Länge und hatten ein Durchmesser von 610 Millimeter. Der Schornstein über dem Kesselhaus war 14 Meter hoch und hatte eine Weite von 26 Zentimetern.

Die „Lokomobile“ wurde nur fünf Jahre in der Raab‘schen Mühle verwendet. Im September 1923 verkaufte Raab seinen Dampfkessel an den Mühlenbesitzer Oer in Sarbeck. Da die Windmühlenflügel während des Dampfbetriebs überflüssig geworden waren und nicht mehr benutzt wurden, verfielen sie und wurden später entfernt.

Überflüssig geworden war auch der für den Windantrieb notwendige obere Teil mit Haube oder Kappe. Da sie für den Antrieb der Mühle nicht mehr notwendig war, wurde sie abgebaut, so dass die Mühle den Eindruck eines gestutzten Mühlenkörpers vermittelte.

Nach dem Tod des letzten Müllers Franz Raab kam der Betrieb ganz zum Erliegen. Wegen Baufälligkeit ließ dann die Besitzerin des Anwesens, die Witwe Antonia Raab, die Mühle im Jahr 1969 abbrechen. Damit verschwand der letzte Zeuge jahrhundertelanger Nordwalder Mühlengeschichte. In Erinnerung geblieben ist folgende noch heute bekannte Redensart, die sich wegen der über Kreuz bewegenden Windmühlenflügel auf den Müller bezog: „Jedereen hät sien Krüß, män de Möller hät dat grötste.“

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