Fr., 22.01.2016

Neue Flüchtlingsunterkunft für 40 Menschen Chance geben

Bürgermeisterin Sonja Schemmann erläuterte beim Ortstermin in der neuen Flüchtlingsunterkunft im Scheddebrock den Anwohnern die Gründe für die Nutzung des Gebäudes. Zuvor hatten die etwa 40 Anwohner Gelegenheit, die Um- und Renovierungsarbeiten in Augenschein zu nehmen (kl. Bild).

Bürgermeisterin Sonja Schemmann erläuterte beim Ortstermin in der neuen Flüchtlingsunterkunft im Scheddebrock den Anwohnern die Gründe für die Nutzung des Gebäudes. Zuvor hatten die etwa 40 Anwohner Gelegenheit, die Um- und Renovierungsarbeiten in Augenschein zu nehmen (kl. Bild). Foto: Held

nordwalde - 

Fast fertig ist die 28. Unterkunft für Flüchtlinge, die der Kommune Nordwalde zugewiesen wurden. 222 sind bislang untergebracht. Wie viele noch kommen ist ungewiss, sich darauf vorzubereiten schwierig.

Von Detlef Held

„Ich kann Ihnen Ihre Ängste nicht nehmen, aber ich verspreche, dass wir von der Gemeinde alles tun werden, dass diese neue Flüchtlingsunterkunft nicht zu einem Brennpunkt wird.“

Diese Zusage der Nordwalder Bürgermeisterin Sonja Schemmann beschwichtigte am Donnerstagnachmittag die etwa 40 Anwohner beim kurzfristig anberaumten Ortstermin an der geplanten neuen Flüchtlingsunterkunft im Scheddebrock.

Hier sollen, so die Planungen der Kommune, bis zu 40 Flüchtlinge eine vorrübergehende Bleibe finden.

„Wir werden hier auf keinen Fall nur alleinstehende Männer einquartieren“, nahm die Bürgermeister zu dem Gerücht Stellung, dass hier in Kürze eine Familie und ansonsten nur Männer wohnen sollen. „Wir wissen zwar nicht, wer uns zugewiesen wird. Auf jeden Fall werden wir versuchen, einen Mix zwischen Familien und Alleinstehenden zu erreichen, eventuell durch Umzug von Familien, die schon bei uns sind, erklärte Ordnungsamtsleiterin Dagmar Hilgenbrink, die dabei federführend tätig ist.

„Wir betreuen derzeit 222 Flüchtlinge. Das sind 108 Männer und 27 Familien mit 56 Kindern, die in 27 verschiedenen Unterkünften leben. Hier im Scheddebrock wird die 28. Möglichkeit geschaffen. Sie ist erforderlich, da wir immer noch kurzfristig, mit einem Vorlauf von fünf Tagen, reagieren müssen“, machte Schemmann gleich zu Beginn deutlich, dass der Ausbau des ehemaligen Gefängnisses als Wohnraum zwingend geboten ist. „Wie viele Menschen in diesem Jahr noch kommen werden, wissen wir einfach nicht, müssen uns aber soweit wie möglich darauf vorbereiten.“

Zu dieser Vorbereitung gehört auch, dass mit der RWE vereinbart ist, mit 23 neuen Laternen die Landstraße in diesem Bereich auszuleuchten. Am Haus selber sollen Bewegungsmelder dafür sorgen, dass sich niemand im Dunkeln der Unterkunft nähern kann. Aktuell gibt es Gespräche mit dem Busunternehmen Schäpers, zusätzliche Busfahren anzubieten, damit die hier Wohnenden beispielsweise problemlos ins Dorf zum Einkaufen und zum Arzt gelangen können. Auch wird die Gemeinde den Flüchtlingen Fahrräder zur Verfügung stellen. Sie hofft, dass Bürger noch das ein oder andere Zweirad dafür entbehren können und spenden.

„Auch die Flüchtlinge haben Ängste“, sagte Schemmann. Deshalb sei geplant, in Kooperation mit dem „Runden Tisch Asyl“ schnell ein Kennenlern-Fest zu organisieren. Damit habe man sehr gute Erfahrungen gemacht.

Wünschenswert wäre es auch, wenn die hier wohnenden Bürger Kontakte knüpfen. So haben inzwischen alle Flüchtlingsfamilien in Nordwalde und auch einzelne Männer Paten aus der Bürgerschaft.

Für Hilfestellung sorgt auch ein pensionierter Polizeibeamter, der wöchentlich einen Ru ndga ng durch alle Unterkünfte macht und notfalls auch einschreitet, wenn Mängel zu beseitigen sind. Im Scheddebrock ist geplant, dass täglich kontrolliert wird, auch an den Wochenenden. „In allen Unterkünften gibt es zudem eine Hausordnung in verschiedenen Sprachen, auf deren Einhaltung streng geachtet wird“, betonte Dagmar Hilgenbrink. Zudem ist vereinbart, dass die Polizei mindestens zwei Mal wöchentlich zu verschiedenen Zeiten nach dem Rechten sieht.

Die Umbau- und Renovierungsarbeiten selbst sind weit fortgeschritten. In der ersten Etage stehen schon Betten. Sie wurden von jungen Flüchtlingen unter Anleitung von Tischlermeister Franz Eilers gebaut. Dies sei auch ein Beweis dafür, dass der Großteil der Flüchtlinge – aktuell werden Nordwalde nur Menschen aus Syrien zugewiesen, die große Chancen auf Asylgewährung haben – sich wirklich integrieren wollen, ist die Bürgermeisterin überzeugt. Ein Großteil besucht die Deutschkurse, die Kinder sind in Kitas untergebracht oder gehen zur Schule. Auch hierbei gäbe es zumeist nur positive Erfahrungen.

Die Aufnahme sei für alle eine Herausforderung und Ärger lasse sich nicht in allen Fällen vermeiden, bat die Bürgermeisterin, den Menschen eine Chance zu geben, ihnen offen zu begegnen und so deren Integration leichter zu machen.

„Ich danke Ihnen für die offene Worte“, fasste Hans Beckmann, unmittelbarer Nachbar der neuen Flüchtlingsunterkunft für sich und wohl auch für die meisten Anwesenden zusammen. „Vorher hatte ich Angst, jetzt bin ich irgendwie beruhigt.“

► Bei Fragen steht Ordnungsamtsleiterin Dagmar Hilgenbrink unter Telefon 0 25 73 /92 91 01 zur Verfügung.

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