Mi., 14.06.2017

Gefährliche Raupe Haarige Spinner

Das große Krabbeln: In dem Gespinst an der Eiche wimmelt es von Eichenprozessionsspinnern. Mehrere Bäume im Gebiet zwischen Scheddebrock und Ostendorf sind von den Raupen befallen.

Das große Krabbeln: In dem Gespinst an der Eiche wimmelt es von Eichenprozessionsspinnern. Mehrere Bäume im Gebiet zwischen Scheddebrock und Ostendorf sind von den Raupen befallen. Foto: Pjer Biederstädt

Nordwalde - 

Aufgepasst! Wer sich zum Ausruhen beim Spaziergang unter eine Eiche setzt, sollte gucken, ob sich nicht Eichprozessionsspinner dort niedergelassen haben. Die Tiere können gefährlich sein. Nicht nur für den Baum.

Von Pjer Biederstädt

So richtig dicht heran geht Georg Althoff lieber nicht. Das Nest an der Eiche sitzt voll mit haarigen Raupen. Vor den Eichenprozessionsspinnern muss man sich in Acht nehmen. Denn sie sind nicht nur für die Bäume, sondern auch für Menschen gefährlich.

Auf seinem Grundstück an der Grenze vom Scheddebrock nach Ostendorf hat Georg Althoff gleich mehrere Nester entdeckt. „Hier laufen vor allem an den Wochenenden viele Spaziergänger mit Hunden entlang. Die müssen aufpassen“, warnt Georg Althoff. Denn die Haare der Raupe sind für den Menschen besonders im dritten Larvenstadium, also im Mai und Juni, gefährlich. Vom Juckreiz über Bronchitis bis zum allergischen Schock – der Kontakt mit den Haaren kann unschöne Folgen haben. „Das ist vergleichbar mit der Brennessel, nur viel intensiver. Wenn man betroffen ist, empfehle ich, einen Arzt aufzusuchen. Das gilt besonders für Kinder“, sagt Gisbert Lütke vom Nabu Steinfurt.

Raupenhärchen sind lange haltbar

Das Problem: Die Haare sind fast unsichtbar. Vom Hund, der durchs Gebüsch rennt, sind sie schnell übertragen. Außerdem dringen sie leicht in die Haut und Schleimhaut ein und setzen sich dort mit ihren Häkchen fest. Außerdem sind sie lange haltbar, wirken auch Jahre später noch.

Der Eichenprozessionsspinner breitet sich weiter aus. „Seit 1995 ist eine starke Zunahme zu verzeichnen“, schreibt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) auf ihrer Homepage. Der Einsatz von Insektiziden zur Bekämpfung sei sorgfältig abzuwägen und muss die Belange von Naturschutz und Wasserschutz berücksichtigen. Deswegen sollte man beim Entdecken eines Nestes, dieses nicht berühren. Die Gespinste sollten laut SDW nur von ausgebildeten Schädlingsbekämpfern entfernt werden.

Fünf Nester wurden in 2017 entfernt

Zum Beispiel vom Forstbetrieb Allendorf. Die Gemeinde kooperiert mit dem Nordwalder Unternehmen, wenn ihr Nester gemeldet werden, die auf öffentlichem Gebiet liegen. „Wir fühlen uns verpflichtet, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Wir übernehmen die Kosten, nicht aber, wenn die Nester in privaten Gärten oder Grundstücken liegen. Dann müssen die Eigentümer selbst für die Kosten aufkommen“, erklärt Claus Ufermann von der Gemeindeverwaltung, relativiert aber: „Wenn eine Sitzbank an einem Wanderweg, wo viele Menschen spazieren gehen, unter einer betroffenen Eiche steht, dann schauen wir auch nicht ganz so genau hin, wem der Baum gehört und bezahlen die Entfernung des Nestes.“

Bisher hat der Forstbetrieb Allendorf in 2017 drei Nester im Auftrag der Gemeinde entsorgt, zwei Privatleute riefen die Experten. „Aber da werden sicher noch welche dazukommen“, ist sich Peter Allendorf sicher – schließlich ist gerade Hauptsaison.

Bloß nicht selber beseitigen

Die Kosten für die Beseitigung liegen etwa zwischen 50 und 200 Euro, sagt Allendorf. Es käme drauf an, ob es sich um ein Nest am Stamm handelt oder um mehrere in der Baumkrone.

Ob die Nester rund um den Hof von Georg Althoff noch von den Eichenprozessionsspinnern befreit werden, ist noch unklar. Ufermann will sich vergewissern, in wessen Zuständigkeitsbereich die Bäume fallen. „Ich gehe davon aus, dass die Gemeinde aufkommen wird. Versprechen kann ich es Georg Althoff aber nicht“, so Ufermann. In einem Punkt sind sich aber alle einig: Auf keinen Fall sollte man selber die Entfernung vornehmen. Die haarigen Tierchen sind nicht zu unterschätzen.

Steckbrief Eichenprozessionsspinner

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Schmetterling (Nachtfalter) aus der Familie der Zahnspinner. Die Raupen sind von Brennhaaren überzogen, die leicht abbrechen und allergische Reaktionen auslösen können. Symptome nach Kontakt mit den Brennhaaren sind Juckreiz, Nesselsucht und in Einzelfällen allergische Schocks. Beim Einatmen herumfliegender Härchen drohen Atembeschwerden, wie etwa Bronchitis. Das Tier ist nicht nur für Menschen gefährlich: Die Raupen richten an den Eichen, an deren Stämmen sie nisten, forstliche Schäden an. Die Raupen ernähren sich von den Blättern ihrer Wirtsbäume. Sie gelten als Schädlinge, da sie Lichtungs- oder Kahlfraß verursachen. Bei mehrjährigem starkem Auftreten kann der Baum direkt oder durch Folgeerscheinungen geschädigt werden. In Deutschland gibt es das Tier durch Massenvermehrungen mittlerweile in allen Bundesländern. Am stärksten betroffen sind Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Bayern.

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