Mi., 13.09.2017

Faire Woche „Politik mit dem Einkaufskorb“

Elisabeth Paßlick macht sich stark für fairen Handel.

Elisabeth Paßlick macht sich stark für fairen Handel. Foto: Pjer Biederstädt

Nordwalde - 

Die bundesweite Faire Woche hält vom 18. bis 23. September auch in Nordwalde zahlreiche Veranstaltungen bereit. Im Interview blickt Organisatorin Elisabeth Paßlick auf die Aktionswoche im Ort und den fairen Handel in der Welt.

Welchen Kaffee haben Sie im Haus?

Elisabeth Paßlick (lacht): Fair gehandelten natürlich. Aber wir trinken überwiegend Tee. Der ist natürlich auch fair gehandelt.

Test bestanden. Aber im Ernst: Seit wann setzen Sie sich für fairen Handel ein?

Paßlick: Seit 1996, damals noch in der Diözese in Münster. Dort war ich Sprecherin des Arbeitskreises Gesellschaftspolitik, der mich auf die Faire Woche gestoßen hat, die es seit 2001 gibt. Nordwalde ist übrigens schon seit 2005 dabei.

Gab es einen konkreten Auslöser für Ihr Engagement?

Paßlick: Nach den Anschlägen 2001 in den USA wurde mir bewusst, dass die neuen Medien immer mehr Bilder unseres Lebensstils in ärmere Regionen transportieren werden. Und dass aus dieser demonstrativen Ungerechtigkeit Konflikte entstehen. Faires Handeln bedeutet auch, Menschen eine Perspektive aufzuzeigen und zu versuchen, ihren Lebensstandard zu verbessern. Wenn man so will, hilft faires Handeln im Idealfall Konflikten vorzubeugen.

Warum ist Ihnen fairer Handel wichtig?

Paßlick: Weil wir so Menschen in ärmeren Regionen die Möglichkeit geben, Geld zu verdienen und sie somit ihren Kindern zum Beispiel Schulbildung bieten können. In Kooperativen, also kleinen Genossenschaften, hat auch der Bauer mit wenig Land die Möglichkeit, seinen Kaffee zu vermarkten. Man kann mit ganz wenig ganz viel tun. Ich mache quasi Politik mit dem Einkaufskorb. Das ist für niemanden ein Opfer, sondern ein Genuss.

Kommt das Geld denn bei den kleinen Bauern an?

Paßlick: Ich hoffe es. Man kann es natürlich nicht immer kontrollieren. Ich habe aber im Rahmen der Blumenkampagne eine Blumenarbeiterin aus Kolumbien kennengelernt, die von ihren Erfahrungen berichtete und vom fairen Handel profitiert hat. Anhand ihrer Erzählungen kann ich sagen: Ich denke schon, dass das Geld an der richtigen Stelle ankommt.

Die Argumente der Kritiker des Fairen Handels sind zuvorderst die vielen uneinheitlichen Siegel und die schwammige Definition darüber, wann etwas als fair gehandelt gilt. Was entgegnen Sie denen?

Paßlick: Es gibt tatsächlich einen Label-Dschungel. Dieser ist für den Konsumenten, der sich nicht damit auseinandersetzt, sehr verwirrend. Lidl hat z. B. Produkte mit Fair-Trade-Siegel im Programm, da müssen aber nur 20 Prozent des Produktes fair gehandelt sein. Die Gepa- und El Puente Artikel im Weltladen sind aber fast komplett fair gehandelt und es ist gewährleistet, dass ein Teil des Geldes für soziale Projekte verwendet wird.

Sollte die EU zur Stärkung der Glaubwürdigkeit fair gehandelter Produkte nicht einheitliche Kriterien und ein einheitliches Siegel für Fair-Trade-Ware auf den Weg bringen?

Paßlick: Ja, das wäre wünschenswert. Auch um dem Verbraucher entgegen zu kommen.

Der Fair-Trade-Markt ist zuletzt stark gewachsen. Discounter schmücken ihr Image mit den Siegeln. Müsste dem Verbraucher nicht erklärt werden, wie viel Ertrag an die gute Sache und wie viel an den Händler geht?

Paßlick: Am liebsten wäre es mir, jeder hätte das Bewusstsein für das Thema und ginge in den Weltladen. Das ist aber eine Wunschvorstellung. Das Geld hat fast immer oberste Priorität und die Produkte, das hören wir oft, sind vielen zu teuer. Dann ist es aber immer noch besser, dass ein bisschen Bewusstsein durch ein Siegel entsteht, das zwar nicht den höchsten Kriterien entspricht, aber den Weg zur breiten Bevölkerung findet. Wenn sich jemand zu dem Siegel auf Lidl-Cookies Gedanken macht, ist das schon ein kleiner Fortschritt.

Ist es Luxus, fair gehandelte Produkte zu kaufen?

Paßlick: Das finde ich nicht. Es geht um ein Umdenken. Man kann doch gerade von Luxusgütern wie Schokolade weniger kaufen, die dann aber zu schätzen wissen. Wir brauchen ein verantwortungsvolles Konsumverhalten. So tut man sich selbst und anderen etwas Gutes.

Die kommende Faire Woche in Nordwalde findet ohne den Kooperationspartner Altenberge statt. Warum?

Paßlick: Die Gemeinde Altenberge unterstützt die Faire Woche nur noch in dem Maße, dass die Aktiven des vergangenen Jahres ehrenamtlich die Aktionen der Fairen Woche unterstützen. Das ist für uns sehr schade, zumal wir gerne weiter zusammengearbeitet hätten. Der Aktionswoche wird es aber keinen Abbruch tun.

Glauben Sie, dass Sie die Nordwalder mit der Fairen Woche für das Thema sensibilisieren können?

Paßlick: Ja, absolut! Wir wurden früher oft belächelt, aber man nimmt uns mittlerweile ernst. Das sieht man schon daran, dass auch die Werbegemeinschaft seit vier Jahren mit uns als Kooperationspartner gerne Veranstaltungen organisiert. Auch die Bürgermeisterin Sonja Schemmann steht hinter uns. Seit 2012 sind wir Fair-Trade-Gemeinde. Die Resonanz während der Fairen Woche steigt stetig.

Programm Faire Woche

► Freitag (15. September): Kabarett mit Peter Vollmer, Tickets 15 Euro (Vorverkauf bei Buch & mehr), KvG-Forum, 20 Uhr, Einlass 19.30 Uhr

► Montag (18. September): Faires Frühstück in der Kita Kleikamp, 8.30 bis 11 Uhr

► Montag (18. September): Offizielle Eröffnung der 13. Fairen Woche durch die Bürgermeisterin Sonja Schemmann im Eine-Welt-Café mit Musik von „De Mönsterlänner Meerschken“ und dem Kiepenkerlchor, Welle 3,

18 bis 19.30 Uhr

► Dienstag (19. September): Faires Frühstück im Familienzentrum DRK „Das Wetterhäuschen“,

8.30 bis 11 Uhr

► Dienstag (19. September): Eine-Welt-Café, Kaffee und Kuchen, 14.30 bis 17 Uhr

► Dienstag (19. September): Offener Senioren-Treff. Spielenachmittag

der Seniorengemeinschaft St. Dionysius im Eine-Welt-Café, 15.30 bis 17 Uhr

► Dienstag (19. September): Eine-Welt-Gottesdienst mit Posaunenchor der ev. Gemeinde Nordwalde-Altenberge. Anschließendes „ökumenisches Rudelsingen“ des Förderkreises Kirchenmusik mit Weinverkostung, Pfarrkirche, 19 Uhr

► Mittwoch (20. September): Faires Frühstück in der Kita Wemhoff, 8.30 bis 11 Uhr

► Mittwoch (20. September): Messe der Kfd in der Pfarrkirche mit anschließendem Frühstück im Eine-Welt-Café, 9 Uhr

► Mittwoch (20. September): Eine-Welt-Café, Kaffee und Kuchen, 14.30 bis 17 Uhr

► Mittwoch (20. September): Offener Senioren-Treff. Spielenachmittag

der Seniorengemeinschaft, Eine-Welt-Café, 14.30 bis 17 Uhr.

► Mittwoch (20. September): Syrisches Essen der Familie Sakbani und des Fördervereins Bispinghof, Eine-Welt-Café, 19 Uhr, (begrenzte Plätze, Anmeldung per E-Mail unter

Akfairewochenordwalde@gmx.de)

► Donnerstag (21. September): Ein Tag für Afrika, Lernprojekte der KvG-Schule, 8 bis 13.30 Uhr

► Donnerstag (21. September): Faires Frühstück

in der Awo-Kita Merschkamp, 8.30 bis 11 Uhr

► Donnerstag (21. September): Eine-Welt-Café

Kaffee und Kuchen, 14.30 bis 17 Uhr

► Donnerstag (21. September): Spieleabend mit Rotwein und Häppchen.

Offenes Angebot des Freundeskreis Ghana,

20 Uhr

► Freitag (22. September): Faires Frühstück Kita Im Wiesengrund, 8.30 bis 11 Uhr

► Freitag (22. September): Apfelsaftpressung und Verkauf durch KvG-Schüler, Eine-Welt-Café, 10 bis 18 Uhr

► Freitag (22. September): Eine-Welt-Café, Kaffee und Kuchen, 14.30 bis 17 Uhr

► Freitag (22. September): Vortrag Jan-Niclas Gesenhues über Entwicklungsarbeit am Beispiel Mosambik, Eine-Welt-Café, 19.30 bis 21.30 Uhr

► Samstag (23. September): Abschluss-Frühstück der Landfrauen, Marktplatz (bei Regen Eine-Welt-Café), 9 bis 11 Uhr

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