Do., 14.09.2017

Brauchtum neu entdeckt Die spinnen, die Deutschen

Mission eins der Schachtelkranz-Challenge erfüllt: Joana Ewuntomah Wuriya nimmt das Duell im Sackhüpfen mit Margarete Wältring auf, damit sie zur Vollendung des Schachtelkranzes weiter würfeln darf.

Mission eins der Schachtelkranz-Challenge erfüllt: Joana Ewuntomah Wuriya nimmt das Duell im Sackhüpfen mit Margarete Wältring auf, damit sie zur Vollendung des Schachtelkranzes weiter würfeln darf. Foto: Pjer Biederstädt

Nordwalde - 

Schachtelkranz? Ganz normal, gehört zum Alltag! Nicht, wenn man aus Ghana kommt. Joana Ewuntomah Wuriya weiß jetzt wie‘s geht – und, dass die Deutschen ganz schön schräge Sachen machen.

Von Pjer Biederstädt

Wenn in zehn Jahren in Ghana junge Menschen unter einer Kette mit Pappkartons um die Wette sackhüpfen, dann ist Joana Ewuntomah Wuriya schuld. Die Lehrerin aus Ghana, die gerade an den Nordwalder Schulen hospitiert, wurde am Mittwoch 25 Jahre alt und hatte sichtlich Spaß an der Tradition des Schachtelkranzes. „Das bringe ich den Kindern in Ghana bei, aber ein bisschen verrückt ist es schon“, sagt Joana mit dem Schnapsglas in der Hand.

Ein überdimensionierter Würfel, eine lange Kette mit Pappkartons auf dem Boden, eine Pappkette mit Blinklichtern um den Hals. Joanas Blick spricht Bände: Die spinnen doch!

Von außen betrachtet leicht gaga

Und irgendwie hat sie ja Recht. Wenn man mit dem Brauch nicht aufgewachsen ist, mutet der Spaß leicht gaga an. Aber gaga findet Joana super. Erste Aufgabe: Sackhüpfen. Während des „Rennens“ gegen Margarete Wältring vom Freundeskreis Ghana kommt die junge Lehrerin aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Unter Anfeuerung der vielen Geburtstagsgäste, die sie bei ihrer Gastfamilie Schulte-Sutrum hochleben lassen, meistert sie den Parcours. Den Schnaps haben sich die Sackhüpferinnen verdient.

Weiter geht‘s mit der von Ruth Schulte-Sutrum liebevoll ausgeklügelten Schachtelkranz-Challenge: Den Kugelschreiber mit einem Band am Körper hängend in der Flasche zu versenken, scheint kein Nationalsport in Ghana zu sein. „Aber das zeige ich ganz sicher meinen Schülern“, freut sich Joana über das neu entdeckte Spiel. Ganz groß trumpft sie auf, als sie mit großen Gesten eine Rede auf Deutsch hält. Nur das sperrige Wort Schachtelkranz ist eine echte Herausforderung.

Fotostrecke: Kulturschock Schachtelkranz

Dann fällt die Sechs, Joana macht Meter, der verrückte deutsche Brauch ist geschafft. Der Kranz hängt am Haus – Zeit für ein Fazit: „Ich hatte so einen schönen Geburtstag“, sagt Joana strahlend. In der Schule hatten die Kinder am Morgen für sie gesungen, ihr Bilder gemalt und sogar kleine Geschenke parat. „Das hat mich überwältigt.“ In Ghana feiere man Geburtstag ganz anders. Geschenke gibt es keine, man kocht zusammen und abends geht man etwas trinken. Den Teil hat sie auch für Nordwalde übernommen. Mit ghanaischem Essen und hiesigen Getränken endete das Abenteuer Schachtelkranz. Vielleicht lebt es bald in Ghana erst so richtig auf.

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