Do., 12.10.2017

Ausschluss des Schwerlastverkehrs im Ortskern Brummis raus?

Hugo und Irmgard Wessels kauften eine Wohnung am Wattendorffweg mit Blick auf die Bahnhofstraße im Glauben, die Umgehungsstraße würde den Lärmpegel stärker reduzieren.

Hugo und Irmgard Wessels kauften eine Wohnung am Wattendorffweg mit Blick auf die Bahnhofstraße im Glauben, die Umgehungsstraße würde den Lärmpegel stärker reduzieren. Foto: Pjer Biederstädt

Nordwalde - 

Zu gefährlich, zu laut, zu viele Abgase –der Schwerlastverkehr im Ortskern stört nicht nur Anwohner wie das Ehepaar Irmgard und Hugo Wessels, sondern auch die SPD. Die Fraktion stellte jüngst einen Antrag auf Ausschluss der Lastkraftwagen. Doch ob der Vorschlag bei der Bezirksregierung Gehör findet, ist fraglich.

Von Pjer Biederstädt
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Dass es jetzt eine Alternative gibt, muss sich auch erst in den Köpfen festsetzen.

Sonja Schemmann

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Die Sonne scheint zwar, aber auf den Balkon gehen sie nicht mehr allzu oft. Die Lärmbelästigung ist Irmgard und Hugo Wessels einfach zu hoch. Vor zwei Jahren verkauften die Senioren ihr Haus und zogen in eine behindertengerechte Neubauwohnung mit Blick auf die Bahnhofstraße. Natürlich wussten sie um den Straßenlärm, aber die kurz bevorstehende Eröffnung der Umgehungsstraße würde die lauten Brummis bald fernhalten, so ihre Hoffnung. Doch das war, Stand heute, ein Irrglaube. Sie wünschen sich ein Durchfahrtsverbot für Schwerlastverkehr. Jetzt bekommen sie Unterstützung aus der Politik.

In der jüngsten Ratssitzung stellte die SPD-Fraktion einen Antrag auf Sperrung des Ortskerns für den Schwerlastverkehr – mit Ausnahme von Linienbussen und Müllabfuhr. Zu gefährlich, zu laut, zu viele Abgase, so die Begründung. Der Antrag umfasst zwar nur den Bereich der Bahnhofstraße zwischen der Felix-Fraling-Straße und dem „Minikreisel“ Grevener Straße, dennoch würde die Umsetzung des Antrags den Wessels weiterhelfen, da die Laster die Umgehung nutzen müssten.

Doch kann die Gemeinde den Schwerlastverkehr einfach so aussperren? „Die Hürden für so einen Schritt sind extrem hoch“, heißt es dazu von der Pressestelle des Kreises Steinfurt auf WN-Anfrage. Hugo Wessels fragte selbst beim Verkehrsministerium des Landes NRW nach und bekam Antwort von der zuständigen Bezirksregierung Münster.  Und die macht es noch deutlicher: „Trotz Eröffnung der Umgehungsstraße und geplanter Ortskernsanierung bleibt die Bahnhofstraße als verkehrswichtige Straße des vorrangigen Verkehrs erhalten. Die Förderung einer verkehrswichtigen Straße schließt ein Verbot einer Ortsdurchfahrt für den Lkw-Verkehr aus.“

Bürgermeisterin Sonja Schemmann ist im Dialog mit der Bezirksregierung und kennt die Regularien, hat andererseits aber durchaus Verständnis für die Wessels. „Natürlich wäre es schön, wenn der Schwerlastverkehr nicht durch den Ort fahren würde“, sagte sie. Sie kann sich vorstellen, zumindest die Welle zur Tempo-30-Zone zu machen, womit der Lärm dort eingedämmt werden würde. Außerdem hofft Schemmann, dass die Lage sich noch verbessert. Denn nicht alle Navigationsgeräte zeigen die Umgehung bereits an. „Dass es jetzt eine Alternative gibt, muss sich auch erst in den Köpfen festsetzen“, so die Bürgermeisterin. Auch in den Köpfen der Landwirte. Die Landmaschinen, so Wessels, sind besonders laut und fahren zur Erntezeit auch sonntags um 6 Uhr durch den Ort.

Die bevorstehende zweite Verkehrszählung soll Aufschluss darüber geben, wie die L555 tatsächlich angenommen wird. Auch dazu hat sich Hugo Wessels Gedanken gemacht: Er wünscht sich eine bessere Beschilderung, vor allem für den Verkehr nach Emsdetten. Das will die Bezirksregierung prüfen. Ob es mehr Ruhe bringt? Hugo und Irmgard Wessels werden es merken. Spätestens im Sommer auf ihrem Balkon.

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