Wirtschaftsforum
John Kornblum: „Bestes Deutschland, das es je gab“

Nordwalde -

Hoher Besuch in Nordwalde. John Kornblum, ehemaliger US-Botschafter, war der Gastredner auf dem Wirtschaftsforum. Und sagte, was er von US-Präsident Donald Trump hält.

Donnerstag, 09.11.2017, 16:11 Uhr

John Kornblum folgte der Einladung von Bürgermeisterin Sonja Schemmann, die den ehemaligen US-Botschafter zum Wirtschaftsforum der Werbegemeinschaft ins Forum der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule als Gastredner gelotst hatte.
John Kornblum folgte der Einladung von Bürgermeisterin Sonja Schemmann, die den ehemaligen US-Botschafter zum Wirtschaftsforum der Werbegemeinschaft ins Forum der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule als Gastredner gelotst hatte. Foto: Pjer Biederstädt

Es dauerte nur Sekunden, da hatte John Kornblum die 130 geladenen Gäste des Nordwalder Wirtschaftsforums auf seiner Seite. „Ich bin gerne hier in der Region, weil hier alles so gut funktioniert.“ Mit diesen Worten begann der US-Diplomat am Mittwochabend im Forum der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule seinen Vortrag über Deutschland, Europa, die USA, die transatlantischen Beziehungen – und Donald Trump .

„Er ist nicht Präsident, weil er ein erfolgreicher Publikumsdompteur ist“, sagte Kornblum. Vielmehr sei er das Ergebnis von Unzufriedenheit, die in Unsicherheit wurzele. Die Industrie, von der die Leute gut gelebt haben, zerbröckele. Als Paradebeispiel für dieses Phänomen führte er seine Heimatstadt Detroit an. Einst glitzernde Autostadt, heute Industrieruine. 

„Symptom der Bitterkeit“

„Die Personalie Trump ist nicht entscheidend. Er ist nur ein Symptom der Bitterkeit der Menschen“, so Kornblum, der die stetig größer klaffende Schere zwischen Armen und Reichen als ein Grundproblem benannte. Auch wenn „unser komischer Präsident“ oft beleidigend sei, müsse man seine Politik ernst nehmen. Andrew Jackson, US-Präsident von 1829 bis 1837, sei Trump in seiner Rüpelhaftigkeit ähnlich gewesen. „Und der ist jetzt auf dem 20-Dollar-Schein“, betonte der Spitzen-Diplomat a.D.

Kornblum zu Gast in Nordwalde

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  • Gut 40 Minuten redete John Kornblum als Gast während des Wirtschaftsforums in der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule.

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  • Gastgeberinnen unter sich: Bürgermeisterin Sonja Schemmann (r.) und Bärbel Fißmann (Zweite Vorsitzende der Werbegemeinschaft) begrüßten die Gäste.

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  • 130 geladene Gäste kamen in feinem Zwirn ins Forum der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule.

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  • Unter vier Augen: John Kornblum (l.) und Sonja Schemmann.

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  • Viele Interessierte verfolgten den Vortrag des Amerikaners gespannt.

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  • Hoher Besuch beim Nordwalder Wirtschaftsforum Foto: Pjer Biederstädt
  • Auch viele Vertreter aus Verwaltung und Politik lauschten dem 74-jährigen Diplomaten a.D.

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  • Alexander Meng von der Firma Hengst stellte die Firma vor.

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  • Hoher Besuch beim Nordwalder Wirtschaftsforum Foto: Pjer Biederstädt
  • Hoher Besuch beim Nordwalder Wirtschaftsforum Foto: Pjer Biederstädt
  • Hoher Besuch beim Nordwalder Wirtschaftsforum Foto: Pjer Biederstädt
  • Hoher Besuch beim Nordwalder Wirtschaftsforum Foto: Pjer Biederstädt
  • Hoher Besuch beim Nordwalder Wirtschaftsforum Foto: Pjer Biederstädt
  • Hoher Besuch beim Nordwalder Wirtschaftsforum Foto: Pjer Biederstädt
  • Hoher Besuch beim Nordwalder Wirtschaftsforum Foto: Pjer Biederstädt
  • Hoher Besuch beim Nordwalder Wirtschaftsforum Foto: Pjer Biederstädt

Über Deutschland, seine Wahlheimat, hatte er viel Gutes, aber nicht nur Gutes zu sagen. „Wir leben in dem besten Deutschland, das es je gegeben hat. Es ist freier und gerechter als je zuvor“, so Kornblum. Man könne stolz auf das Land sein, es genieße hohes Ansehen in der Welt. Doch hält der Boom an? Die fünf größten Internetfirmen stehen in den USA, nicht in Deutschland, gab er zu Bedenken. „Ich sage etwas sarkastisch: Glückwunsch! Ihr habt das 19. Jahrhundert perfektioniert. Aber beim Breitbandausbau seid ihr in Europa Letzter hinter Portugal.“

Gemeinsame Werte

Spontaner Applaus von den Gewerbetreibenden, die einst den Impuls gaben, das Highspeed-Internet in Nordwalde auszubauen. Dann weitete der 74-Jährige den Blick: Die transatlantischen Beziehungen, basierend auf gemeinsamen Werten, müssten aufrecht erhalten werden, um den Wandel in Zeiten der Digitalisierung und zunehmenden Völkerbewegungen zu meistern.

Kornblum kritisierte die Zerrissenheit der Politik in der Europäischen Union. Die Politiker hätten nicht viele Ideen für ein gemeinsames Europa. „Das muss ich auch im Beisein der Bürgermeisterin so sagen“, entschuldigte sich Kornblum. Sonja Schemmann lächelte über den kleinen Scherz und überreichte zum Dank eine Flasche Lagerkorn. AuchBärbel Fißmann, Zweite Vorsitzende der gastgebenden Werbegemeinschaft, bedankte sich für die außergewöhnliche Stippvisite.

In der anschließenden Diskussionsrunde beantwortete der Amerikaner Fragen aus dem Publikum, ehe das Wirtschaftsforum mit der üblichen Firmen-Vorstellung fortfuhr. Alexander Meng, Logistik-Leiter der Firma Hengst, gab Einblicke in das Unternehmen.

Zur Person John Kornblum

John C. Kornblum wurde am 6. Februar 1943 in Detroit (Michigan/USA) geboren. Der amerikanische Diplomat war von 1997 bis 2001 US-Botschafter in Berlin. Zuvor wurde er 1996 Leiter der Abteilung für Europa und Kanada im US-Außenministerium. Der Träger des Bundesverdienstkreuzes, dessen Großeltern 1882 aus Ostpreußen in die Vereinigten Staaten auswanderten, wirkte unter anderem als stellvertretender Nato-Botschafter in Brüssel sowie als Delegationsleiter bei der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) in Helsinki und Wien. Der studierte Politikwissenschaftler war außerdem Bosnien-Beauftragter der US-Regierung. Mit dem Ende seiner Amtszeit als Botschafter im Jahr 2001 wechselte er in die Wirtschaft und wurde Deutschland-Chef der Investment Bank Lazard. Kornblum gilt als Experte für transatlantische Beziehungen. Er lebt in Berlin.

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