Erlebnis Deutschland
Ein Abenteuer mit gutem Ausgang

Nordwalde -

Ein bischen Heimweh hatte er am Anfang schon, der 17-jährige Arturo Navarro aus Mexiko, der im Oktober 2017 im Rahmen eines vom Rotary-club organisierten Schüleraustausches in Nordwalde lebt und bis Ende dieses Schuljahres Gast der Kardinal-von-Galen-Gesamtschule war.

Donnerstag, 12.07.2018, 17:00 Uhr

Arturo Navarro war acht Monate Gastschüler der 11. Klasse der Kardinal-von-Galen-Schule. Ein Abenteuer, wie er sagt, „denn ich konnte gar kein Deutsch“. Das änderte sich auch Dank der Mitschüler.
Arturo Navarro war acht Monate Gastschüler der 11. Klasse der Kardinal-von-Galen-Schule. Ein Abenteuer, wie er sagt, „denn ich konnte gar kein Deutsch“. Das änderte sich auch Dank der Mitschüler. Foto: Detlef Held

Ciudad Valles ist seine Heimatstadt im mexikanischen Bundesstadt San Luis Postosi. Sie befindet sich im Osten des Staates, etwa 130 Kilometer von der Hafenstadt Tampico.

Was ihn erwarten würde, war ihm zunächst nicht klar. Er hatte keinerlei deutsche Sprachkenntnisse. Untergebracht war er bei der Nordwalder Familie Thedieck.

Ein Glücksfall, wie Arturo wenige Tage vor seinem Rückflug nach Mexiko feststellt. „Ich wurde von Anfang an wie ein Familienmitglied aufgenommen und man hat sich liebevoll um mich gekümmert. Ich fühlte mich gleich wie zu Hause, sowohl in meiner Gastfamilie als auch in der Schule.“

Doch etwas schwer war es zu Beginn schon, eigentlich ein Abenteuer, so sein Rückblick auf die ersten Wochen. Auch wenn alles fast wie ein langer Urlaub begann. So unternahm er zusammen mit weiteren Austauschschülern zunächst eine Rundreise durch Deutschland, um sich mit seinem Gastland vertraut zu machen. Neben den großen Städten wie Hamburg, Berlin, München oder Dresden wurden auch Duisburg, Schloss Neuschwanstein und Heidelberg besucht. „Deutsches Kulturgut, das hat mich durchaus beeindruckt“, so der junge Mexikaner lächelnd.

Doch dann wurde es ernst, denn der Schulalltag begann. Er wurde in die 11. Klasse der Oberstufe „eingeschult“ und verstand zunächst kaum ein Wort. Doch das besserte sich von Tag zu Tag, denn fast alle Mitschüler halfen ihm, sich zurechtzufinden und vor allem die deutsche Sprache zu lernen. „Sie alle gaben mir das Gefühl, einer von ihnen zu sein“, sagt Arturo. Nach etwa zwei Monaten konnte er sich auch aktiv miteinbringen, nach einem Vierteljahr sogar Klassenarbeiten mitschreiben. Allerdings war dies nur freiwillig, denn Noten oder Bewertungen werden in diesem Austauschprogramm nicht vergeben. Doch Arturo wollte einfach wissen, wie weit er schon ist und was er richtig gemacht hatte. Am Ende kann er dem Unterricht problemlos folgen und fühlt sich als ganz normaler Schüler der elften Klasse, ganz ohne Sonderstatus.

Das bestätigt auch Lehrerin Silke Scherer, Abteilungsleiterin der gymnasialen Oberstufe, die dem Gastschüler attestiert, dass er sich von Anfang integriert hat und auch zeigte, dass er lernen und mitmachen wollte. „Ich denke, da hat auch unser Patensystem gut funktioniert“, lobt sie die gesamte Klasse.

Am meisten beeindruckt hat Arturo die Pünktlichkeit und dass seine Mitschüler sich doch streng an Regeln und Vorgaben halten. Arturo: „Das wird bei mir zu Hause nicht so ganz genau genommen. Aber mir hat das geholfen, mich besser zurechtzufinden.“

Beeindruckt ist er auch, dass viele Jugendliche hier nach der Schule schon kleineren Jobs nachgehen und Geld verdienen. Das ist in seiner Heimat eher unüblich, sagt er.

Auch außerhalb der Schulgemeinschaft hat er sich einen Freundeskreis aufgebaut. Er spielt beispielsweise Tennis in einer Vereinsmannschaft, besucht regelmäßig ein Fitnessstudio. Sogar Skifahren hat er gelernt, denn er nahm an dem Kursangebot der KvG-Schule teil.

Wie alle andere jüngere Leute auch hatte er viel Spaß an Festlichkeiten oder bei privaten Partys. „Bei uns in Mexiko feiern wir viel öfter, spontaner. Das hat mir zu Beginn etwas gefehlt. Doch jetzt weiß ich, dass auch die Deutschen ein feierwilliges Völkchen sind“, lacht Arturo.

Beeindruckt hat ihn auch eine Europareise, organisiert vom Rotaryclub, die ihn nach Italien (Rom/Venedig) Frankreich (Paris/Nizza) Monaco, die Schweiz, Ungarn, Österreich und Tschechien führte. „Das rundet meine Erlebnisse ab. Doch Deutschland hab ich ins Herz geschlossen“, lobt er die Gastfreundlichkeit nicht nur der Familie Thedieck, bei der er wohnte, sondern auch zwei anderer Gasteltern, die ihn zwischenzeitlich betreuten.

Am Sonntag (14. Juli) geht das Abenteuer Deutschland zu Ende. Dann geht es zurück in die Heimat. Traurig ist er deswegen, weil er viele gute Freunde zurücklässt, speziell seine Freundin, die er hier gefunden hat. „Doch ich komme bestimmt mal wieder“, verspricht Arturo. An seinem Blick sieht man, dass es ihm ernst ist.

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