Di., 17.04.2012

Das Sozialkaufhaus „Fundus“ Wo der Tag Struktur bekommt

Das Sozialkaufhaus „Fundus“ : Wo der Tag Struktur bekommt

Markus Wagner ist neben dem Technischen Leiter Thomas Hümke der erste und einzige Maßnahme-Teilnehmer, der den Fundus-Transporter steuern darf. „Ich finde super, dass mir das Fundus dieses Vertrauen schenkt“, sagt der Ochtruper. Foto: Katharina Fiegl

Ochtrup - 

Es kostete Überwindung. Große Überwindung. Denn Markus Wagner hasst es, zu telefonieren. Aber irgendwie hat er es dann doch geschafft, sich zu überwinden. Immer und immer wieder. Heute telefoniert der 33-Jährige täglich. Denn das gehört jetzt zu seiner Arbeit im Sozialkaufhaus „Fundus“ Deipe– und die will der Ochtruper gut machen.

Von Katharina Fiegl

Es kostete Überwindung. Große Überwindung. Denn Markus Wagner hasst es, zu telefonieren. Aber irgendwie hat er es dann doch geschafft, sich zu überwinden. Immer und immer wieder. Heute telefoniert der 33-Jährige täglich. Denn das gehört jetzt zu seiner Arbeit – und die will der Ochtruper gut machen.

Wagner arbeitet im Sozialkaufhaus Fundus. Dort ist er einer von 20 Angestellten. Für einige von ihnen ist es ein Teilzeit-, für andere ein Vollzeitjob. Wagner gehört zu den Vollzeitkräften: 30 Stunden pro Woche ist er im Dienst, versieht Möbel und Elektrogeräte mit Preisen und unternimmt Transportfahrten. Die wollen wohl organisiert sein. Und vereinbart. Also muss Wagner wohl oder übel zum Telefonhörer greifen. Ein Problem hat er damit nicht mehr. Er mag seine Arbeit. Dass er sich dabei persönlich weiterentwickeln kann. Und dass jeder Tag anders ist, jeder Haushalt, jeder Kunde. „Transportfahrten sind wie ein Überraschungsei“, sagt der Ochtruper. „Da gibt‘s Spiel, Spaß und Spannung.“

Wagner hat vier Kinder, vom Kindergarten- bis zum Grundschulalter. „Von einer Frau“, wie er grinsend betont. Das sei ja heute schon etwas Besonderes. Seinen Kindern möchte er ein gutes Vorbild sein: morgens zur Arbeit aus dem Haus gehen und abends wiederkommen – und damit eine Struktur schaffen. Am liebsten mit einer Arbeit, bei der er dauerhaft zu tun hat. Denn die Hände in den Schoß zu legen, das mag er gar nicht. Deswegen haben ihm auch die ersten Wochen im Fundus Schwierigkeiten bereitet, in denen er in alle Tätigkeitsbereiche hineinschnuppern sollte.

Das ist im Fundus so üblich. Denn manch einer entdeckt dabei ungeahnte Potenziale. Oder Jürgen Dolscheid und sein Kollege Kai Oskamp, der pädagogisch Verantwortliche, werden darauf aufmerksam. Wie bei dem ursprünglichen Maler, der sich heute hervorragend an der Kasse macht. Oder dem Fundus-Küken: einem 17-Jährigen, der nun von einer 60-Jährigen das Nähen lernt.

An Motivation mangelt es den meisten der Fundus-Mitarbeiter nicht. Das Sozialkaufhaus glänze mit einer hohen Anwesenheitsquote, sagt Jürgen Dolscheid. Keine Selbstverständlichkeit bei einer Maßnahme im Auftrag eines Jobcenters. Wagner führt das auf das „super Miteinander“ zurück. Ein Miteinander von Alt und Jung, Männern und Frauen, sehr gut oder weniger gut ausgebildeten Menschen unterschiedlicher Kulturkreise und Herkunftsnationen. „Man sieht, wie sich Vorurteile mit der Zeit ausmerzen“, berichtet Verkaufsleiter Dirk in den Hesseln.

Gleichwohl gibt es immer wieder Probleme, die Teilnehmer zu vermitteln. Dabei haben diese bisweilen sogar einen reichhaltigen Erfahrungsschatz. Wagner beispielsweise ist ausgebildeter Garten- und Landschaftsbauer. Er hat aber auch schon Ware verpackt, Straßen gebaut, Laborproben in der Kläranlage genommen, Häuser abgebrochen. „Ein Mann fürs Grobe. Und jemand, der will und kann, aber der trotzdem hier ist – davon haben wir so einige“, sagt Jürgen Dolscheid. „Das liegt am ersten Arbeitsmarkt.“

Oft ist das Alter ein K.o.-Kriterium. Oft eine Berufsauszeit – und sei es, um das Familienleben am Laufen zu halten. Oder aber die Arbeitgeber suchen nur jemanden auf – sehr kurze – Zeit. „Dabei ist es schwierig, so flexibel zu sein, wenn schon Familie da ist“, erläutert Oskamp. Wagner weiß hiervon ein Lied zu singen. Doch ticken auch im Fundus die Uhren: Sechs bis maximal zwölf Monate dürfen die Teilnehmer bleiben. Wagner ist seit Oktober da.

Den Kopf in den Sand stecken will er dennoch nicht, sondern eines Tages „irgendwie vom Amt wegkommen“. Sein Traum sei es, noch einmal als Landschaftsgärtner zu arbeiten. Oder für ein Abbruchunternehmen. „Wo du abends kaputt bist und weißt, was du getan hast.“

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