Mo., 11.01.2016

Konzert der Friesen-Folk-Gruppe „Laway“ Bunter Feuerregen im Altarraum

Friesische Klänge zum Jahresbeginn: Die Folk-Gruppe „Laway“ gab am Samstagabend ein Konzert in der evangelischen Kirche.

Friesische Klänge zum Jahresbeginn: Die Folk-Gruppe „Laway“ gab am Samstagabend ein Konzert in der evangelischen Kirche. Foto: Martin Fahlbusch

Ochtrup - 

Sie waren nicht das erste Mal da, die Musiker der Friesen-Folk-Gruppe „Laway“. Das schmälerte die Begeisterung der Konzertbesucher in der evangelischen Kirche jedoch keineswegs. Im Gegenteil: Sie geizten am Samstagabend nicht mit Applaus für die Musiker.

Von Martin Fahlbusch

Ein wenig Kopfkino vom Konzert der Friesen-Folk-Gruppe „Laway“ am Samstagabend in der evangelischen Kirche gefällig? Man stelle sich einen stattlichen, wohlbeleibten Mann in den besten Jahren im Friesennerz mit ebensolcher Kapuze vor. Er stapft auf Borkum durchs Watt. Sehr taktvoll. Vor dem besagten Bäuchlein trägt er ein Monster-Akkordeon und spielt das durch Juliette Gréco bekannte „Accordeon“, das Serge Gainsbourg einst schrieb, oder einen italienisch-friesischen Saltarello, einen Springtanz. Und dabei hebt er sich federleicht vom matschigen Grund ab, schlägt in der Luft seitlich die Hacken zusammen und landet Matsch verspritzend schmatzend wieder im Modder. Und plötzlich ist Albertus Akkermann (Gitarre, Gesang und Watt-Führer) wieder im Chorraum des Gotteshauses in Ochtrup gelandet.

Diese wunderbaren, scheinbaren Gegensätze sind das Markenzeichen der fünf Musiker, die sich um Gert „Ballou“ Bracht – bärtiger Barde, Autor, Gitarrist und Kopf der Gruppe – scharten. Da wurde es anrührend und nachdenklich, wenn von den „Sternenkindern“, die eigentlich Holocaust-Kinder heißen müssten, gesungen wurde. Für die hieß in der Naziherrschaft die Zukunft Tod. Danach schluckte das Publikum hörbar, obwohl der plattdeutsche Text sich nicht jedem sofort erschloss. Aber so bringen die Musiker Stimmungen und Anliegen in ihrer besonderen Art und Weise „rüber“. Die Musik ist handgemacht, der Gesang teils kunstvoll mehrstimmig, die Botschaften klar, das Engagement deutlich, das sich zwischen christlich-lutherischem Bekenntnis und Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft die Waage hält.

Aber neben Akkermann und Bracht können Petra Fuchs (Gesang, Flöten und Percussion), Jörg Froese (Gitarren, Handharmonika, Violine, Mandoline, Flöte und Gesang) und Manuel Bunger (Sologitarre, Gesang, Technik) noch ganz anders: „Dans op de Deel“ wäre die weichgespülte Version von dem, was die Gruppe dann an fiedelen Tänzen, schwedischen und schottischen Trinkliedern bis hin zu einem rhythmisch-verfremdeten „In dulci jubilo“ den begeisterten Zuhörern darbot.

Da sprang nicht nur ein Funke über, sondern ein bunter Feuerregen jagte zwischen Altarraum und Kirchenschiff hin und her. Es dauerte nur ein paar Songs, da klatschten und johlten die Zuhörer ausgelassen mit – wo es angebracht war.

Mit Unterstützung der evangelischen Kirchengemeinde und des Pfarrerehepaares Imke und Dr. Albrecht Philipps, das teilweise friesische Wurzeln hat, gelang es Anja und Carsjen van Schwartzenberg, die alten Kontakte in den Norden erneut zu nutzen. Damit gab es zu Beginn des neuen Jahres wieder einmal friesische Klänge in Ochtrup.

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