Mi., 20.01.2016

Kammerkonzert des Kulturrings Das Ensemble „St. Petersburg“ überzeugt

Erhielten viel Beifall für ihren Auftritt: (v.l) Rustem Sakhabiev (Flöte), Raisa Ulumbekova (Violine), Artem Nikolaevskij (Kontrabass) und Ekaterina Baranova (Viola).

Erhielten viel Beifall für ihren Auftritt: (v.l) Rustem Sakhabiev (Flöte), Raisa Ulumbekova (Violine), Artem Nikolaevskij (Kontrabass) und Ekaterina Baranova (Viola). Foto: Maximilian Stascheit

Ochtrup - 

In ungewöhnlicher Besetzung spielte das Ensemble „St. Petersburg“ beim Kammerkonzert des Kulturrings auf. Das, was das Publikum zu hören bekam, war aber durchaus erfrischend.

Von Erhard Hundorf

Erfrischend, farbig, klangvoll und virtuos trat das Ensemble „St. Petersburg“ beim Kammerkonzert des Kulturrings in der Villa Winkel auf. Rustem Sakhabiev (Flöte), Artem Nikolaevskij (Kontrabass), Raisa Ulumbekova (Violine) und Ekaterikna Baranova (Viola) stammen zwar alle aus St. Petersburg, sind sich aber erst beim Aufbaustudium in Münster begegnet und haben das Ensemble gegründet.

Die etwas ungewöhnliche Zusammensetzung des Quartetts kann nicht auf Originalkompositionen zurückgreifen. Es muss Bearbeitungen anderer Vorlagen – zumeist selbst erstellt – nutzen. Das hat zwei Seiten: Einerseits werden Hörgewohnheiten durchbrochen, neue Blickwinkel auf Vertrautes eröffnet, andererseits geht manches vom Original verloren.

Wolfgang Amadeus Mozart und russische Komponisten setzten die Akzente. Locker und leicht der Beginn mit Mozarts Flötenquartett A-Dur KV 298, vom Komponisten selbst als „Juxrondo“ bezeichnet. „Anmutig bewegt, aber nicht zu schnell übrigens aber auch nicht zu langsam eben mit viel Feuer und Ausdruck“ lautet die Bezeichnung des dritten Satzes, in dessen zweiter Variation die Violine Führungsstärke bewies. Flöte und Kontrabass überzeugten in der vierten Variation mit einem bravourösen, virtuosen Zusammenspiel.

Alfred Schnittke, gebürtiger Wolgadeutscher, zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Komponisten Russlands. In seiner 1972 entstandenen „Suite im alten Stil“ (Original Violine/Klavier) entführt er in die Klangwelt des Barock. Einige „schräge“ Stellen zum Beispiel in der Fuge, brillant dargeboten von Flöte und Kontrabass, oder im geheimnisvollen Abschluss der „Pantomime“ ließen das 20. Jahrhundert durchschimmern.

Eigentlich hatte Mozart eine Abneigung gegen die Flöte. So führte er auch nur halbherzig und ohne großes Engagement, trotz in Aussicht gestellter bester Bezahlung, bestellte Auftragswerke aus. Deshalb entstanden die Flötenquartette der Reihe KV 285, bei denen die Flöte eindeutig dominiert: liebenswürdig, gefällig, eingängige Melodik. Mit KV 285b endete der erste Teil.

Sie fehlen auf keiner „Chilling“-CD, die langsamen Sätze aus Streichquartetten von Borodin und Tschaikowski, die natürlich im Original ihren unwiderstehlichen Klang haben. Querflöte statt Violine, Kontrabass statt Cello, der geheimnisvolle Zauber des „Nocturnes“ aus Borodins Streichquartett Nr. 2 konnte sich nicht voll entfalten. Tschaikowskis „Andante cantabile“ (Streichquartett Nr. 1) bestach durch seine sensible Klanggestaltung.

Nach soviel Sentiment und Tiefgründigkeit gab es mit Mozarts Flötenquartett D-Dur KV 285 einen heiteren, gefälligen Abschluss. Viel Beifall bekam das Ensemble für sein überzeugendes Spiel. Gedankt wurde mit zwei Zugaben.

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