Sa., 23.01.2016

Prozess wegen zweifachen Banküberfalls Landgericht ordnet Sicherheitsverwahrung an

Symbolbild 

Symbolbild  Foto: dpa

Ochtrup/Münster - 

Das Landgericht Münster hat gegen einen 56-jährigen aus Rheine Sicherheitsverwahrung angeordnet. Der Mann hatte im September 2004 die Sparkassen-Filiale im Ochtruper Ortsteil Langenhorst überfallen. Der Banküberfall allein war aber nicht ausschlaggebend für diese Maßnahme.

Von Klaus Möllers

Weil ein Mann aus Rheine mit einer Pistole die Sparkassen Filiale in Ochtrup-Langenhorst überfiel, hat ihn das Landgericht in Münster am Freitag zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Nach der Haft wird der heute 56-Jährige aber nicht frei sein: Die Strafkammer ordnete Sicherheitsverwahrung an, weil er „gefährlich für die Allgemeinheit“ sei.

Ausschlaggebend war nicht allein der Banküberfall am 23. September 2004, bei dem er aus der Kasse und dem Tresor über 21 000 Euro erbeutete (wir berichteten). Vielmehr hat der 56-Jährige bis heute wegen räuberischer Erpressung und anderen Delikten schon knapp 30 Jahre Haft verbüßt. Eine Woche nach dem Bankraub in Langenhorst tötete er bei einer Kontrolle in Enschede einen Polizisten und verletzte einen weiteren schwer. Deshalb ging es im Verfahren auch um eine Gefährlichkeitsprognose.

„Aus nichtigem Anlass“, erklärte der Vorsitzende Richter am Freitag, „haben Sie einem Polizisten aus nächster Nähe ins Herz geschossen und einem anderen, der Sie verfolgt hat, in den Kopf.“

Die Staatsanwältin zeichnete die Sozialisation des Angeklagten nach: Er habe „Gewalterfahrungen gemacht und den ständigen Alkoholkonsum des Vaters“ erlebt, sich später „gegen Autoritäten – gegen den Vater, gegen Lehrer, gegen Arbeitgeber – aufgelehnt“.

Auch der Richter ging auf die Entwicklung ein: „Sie war geprägt von Problemen in der Jugend, einer frühen Kriminalisierung, neuen Strafen, neuen Haftzeiten und hat im Mord geendet.“

Wegen des Polizistenmordes saß der Mann in den Niederlanden einen Teil einer 20-jährigen Gefängnisstrafe ab und wurde dann an die Bundesrepublik überstellt. Grund für den Bankraub sei die Sucht nach Drogen, speziell Kokain, gewesen, hatte der Rheinenser am Landgericht erklärt.

Als psychiatrischer Gutachter sprach sich der Leiter der Forensik in Münster gegen eine Zwangsunterbringung des Mannes zur Entzugstherapie aus. Zwei Jahre könnten angeordnet werden, die reichten zur Behandlung, speziell der Gewalt-Problematik, aber nicht aus. Der Mann hatte Therapieangebote bisher nur teilweise angenommen.

Der Richter empfahl ihm, seine Zeit therapeutisch zu nutzen, „falls Sie vor Ihrem Tod noch aus der JVA raus wollen“. In Abständen kann die Unterbringung überprüft werden. Der 56-Jährige müsse noch zehn Jahre wegen des Mordes in Haft bleiben, hinzu kämen die fünf wegen des Raubes. „Dann sind Sie an die 70.“ Angeklagt war der Rheinenser auch wegen eines weiteren Überfalls auf die Bankfiliale drei Wochen zuvor. Das Gericht stellte den Fall ein, weil die Täterschaft nicht erwiesen war.

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