Sa., 30.01.2016

Bürgermeister Kai Hutzenlaub im Interview „Integration funktioniert relativ gut“

Blickt trotz der enormen Belastungen durch die Flüchtlingssituation optimistisch auf die kommenden Monate: Bürgermeister Kai Hutzenlaub.

Blickt trotz der enormen Belastungen durch die Flüchtlingssituation optimistisch auf die kommenden Monate: Bürgermeister Kai Hutzenlaub. Foto: Hannah Moritz

Ochtrup - 

Die Antwort verwundert nicht: Die Flüchtlingssituation war für Bürgermeister Kai Hutzenlaub das beherrschende Thema im vergangenen Jahr. Wie der Verwaltungschef im Tageblatt-Interview deutlich macht, rechnet er nicht damit, dass sich daran im laufenden Jahr etwas ändert.

Das neue Jahr hat bereits ordentlich an Fahrt gewonnen. Der erste Monat ist so gut wie gelaufen. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Anne Eckrodt blickt Bürgermeister Kai Hutzenlaub noch einmal zurück auf 2015 und umreißt die Herausforderungen, die dieses Jahr mit sich bringt. Hauptthema war und ist die Flüchtlingssituation, aber auch die geplante FOC-Erweiterung, die Innenstadtentwicklung und die Wohnsituation spielen eine große Rolle.

Herr Hutzenlaub, was waren für Sie die Höhepunkte des Jahres 2015?

Kai Hutzenlaub: Insgesamt war 2015 ein relativ ruhiges Jahr. Nach den Wahlkämpfen in 2014 konnte man es etwas entspannter angehen lassen. Ich denke, dass wir im vergangenen Jahr viel Hintergrundarbeit geleistet haben. Im Vorfeld dieses Gesprächs hatte ich überlegt, was die strahlenden Projekte waren, aber da bin ich auf nichts gestoßen, was im Vorfeld so geplant war.

Auf Ungeplantes denn?

Hutzenlaub: Das ist ganz klar die Flüchtlingssituation, die Höhe-, Schwer- und Tiefpunkt zugleich war. Sie hat uns alle vor riesige Aufgaben und Probleme gestellt und tut es nach wie vor. Auf der einen Seite fand ich es toll, wie wir alle hier in Ochtrup damit umgegangen sind und wie gut alles geklappt hat – auch im Vergleich zu anderen Kommunen. So haben wir es beispielsweise geschafft, keine Sporthallen in Anspruch zu nehmen und die vielen Menschen, die zu uns gekommen sind, relativ geräuschlos in den Ort zu integrieren. Auf der anderen Seite stellt sich natürlich die Frage, wie es auf Dauer mit der großen Anzahl von Flüchtlingen weitergehen soll.

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Ich glaube, dieses Engagement, das von vielen Ochtrupern mitgetragen wird, trägt ganz wesentlich dazu bei, dass die Integration relativ gut funktioniert.

Kai Hutzenlaub

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Stichwort Flüchtlinge: Wie groß ist die Belastung für Ochtrup?

Hutzenlaub: Hier in der Verwaltung macht sich der Ansturm vor allem dadurch bemerkbar, dass wir einen ziemlichen Berg an Überstunden vor uns her schieben. Dadurch können wir viele Projekte, die wir von Seiten der Verwaltung bearbeiten wollen, nicht bearbeiten, weil wir zeitlich einfach nicht dazu kommen. Das reicht vom Baubereich über den Baubetriebshof bis hin zum Sozial- und zum Ordnungsbereich.

Wie klappt denn aus Ihrer Sicht die Integration der Flüchtlinge hier vor Ort?

Hutzenlaub: Der Verein „Miteinander“ leistet da hervorragende Arbeit, unterstützt von zahlreichen ehrenamtlichen Kräften. Ich glaube, dieses Engagement, das von vielen Ochtrupern mitgetragen wird, trägt ganz wesentlich dazu bei, dass die Integration relativ gut funktioniert. Das zeigt sich auch daran, dass es so gut wie keine Auffälligkeiten gibt. Um den Asylbewerbern auch langfristige Perspektiven zu bieten, bemühen wir uns unter anderem um zusätzliche Deutschkurse.

Wie lange funktioniert es auf diese Weise noch?

Hutzenlaub: Das ist die große Frage. Die kann ich Ihnen beantworten, wenn Sie mir sagen, wie viele Flüchtlinge kommen. Wenn es in diesem Maße weiter geht, kommen wir bald an unsere Grenzen. Allerdings hat die Bezirksregierung ja nun mitgeteilt, dass uns vorübergehend keine weiteren Flüchtlinge zugewiesen werden, sondern zunächst die großen Städte an Rhein und Ruhr an der Reihe sind. Dennoch laufen natürlich bei uns Vorbereitungen auf weitere Zuweisungen. Ganz spannend wird die Frage, was passiert, wenn die ersten aus dem Asylbewerberstatus herauskommen und einen festen Aufenthaltsstatus haben. Da müssen wir sehen, wie wir dann mit den Menschen umgehen, wie viele überhaupt in Ochtrup bleiben oder aber weiterziehen in andere Städte.

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Wir sind nicht diejenigen, die Wohnungen zur Verfügung stellen. Wir können nur das Planungsrecht schaffen, um den Bau zu ermöglichen.

Kai Hutzenlaub

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Bislang ist es ja gelungen, die Asylsuchenden – abgesehen vom Pröpstinghoff – dezentral unterzubringen. In den nächsten Tagen sollen die ersten Container am Schulzentrum aufgestellt werden. Ist das das Ende der bisher von der Stadt verfolgten dezentralen Unterbringungsstrategie?

Hutzenlaub: Nein, wir suchen auch weiterhin über das ganze Stadtgebiet verteilt nach Wohnraum. Aber wir müssen auch gewappnet sein, wenn weiterhin so viele Menschen zu uns kommen. Losgelöst davon müssen wir uns auch Gedanken machen, wo wir Asylsuchende, die auf Dauer bei uns bleiben, unterbringen.

Das ist ein gutes Stichwort: Es fehlt nicht nur Wohnraum für Flüchtlinge, auch andere Bevölkerungsgruppen klagen, es sei schwer, in Ochtrup eine Wohnung zu finden. Wie will die Stadt da generell für ein größeres Angebot sorgen?

Hutzenlaub: Wir sind nicht diejenigen, die Wohnungen zur Verfügung stellen. Wir können nur das Planungsrecht schaffen, um den Bau zu ermöglichen. Ein Schritt dahin ist der, dass wir immer mehr Hinterlandbebauung ermöglichen, um auch im Innenstadtbereich eine Verdichtung zu erzielen. Außerdem beraten wir Investoren dahingehend, dass es ein Markt mit Zukunft ist, Wohnraum in der Innenstadt zu schaffen. Natürlich stehen wir da auch im Dialog mit dem Bauverein.

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Beim Pottbäckerplatz waren anfangs auch viele skeptisch, doch das hat sich schnell gelegt.

Kai Hutzenlaub

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Dann wäre es ja auch denkbar, in der Weinerstraße verstärkt auf Wohnen statt auf Einzelhandel zu setzen.

Hutzenlaub: Sicherlich. Nach den derzeitigen Festsetzungen ist die Maßgabe für das Erdgeschoss dort jedoch Handel und nicht Wohnen. Letzteres ist für die oberen Geschosse vorgesehen. Aber ich denke, dass sich dort generell noch einiges ändern wird. Viele Wohnungen genügen derzeit nicht mehr den Ansprüchen. Auch das Thema Barrierefreiheit wird sicherlich künftig stärker zum Tragen kommen, wenn dort weiter gebaut wird. Losgelöst davon haben wir einem Bauherrn, der mit einem attraktiven Konzept an uns herantritt, noch nie die Tür gewiesen.

Im März fällt der Startschuss für die Umgestaltung des Lambertikirchplatzes. Die Pläne – vor allem die Sperrung der Kolping- und Mühlenstraße für den Durchgangsverkehr – sind nicht unumstritten. Glauben Sie, dass das Areal anschließend von den Ochtrupern angenommen werden wird?

Hutzenlaub: Ja, da bin ich sehr zuversichtlich. Beim Pottbäckerplatz waren anfangs auch viele skeptisch, doch das hat sich schnell gelegt. Und inzwischen wird der Platz sehr gut angenommen. Ich kann mir vorstellen, dass das beim Lambertikirchplatz auch der Fall sein wird.

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Wir versuchen, dieses Verkehrsaufkommen so gut wie möglich einzudämmen und die damit verbundenen Probleme in den Griff zu bekommen. Allerdings wird am Ende immer irgendwer durch den Verkehr vor seiner Tür belastet sein.

Kai Hutzenlaub

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Was denken Sie sind – abgesehen vom Kirchplatzumbau – die beherrschenden Themen dieses Jahres?

Hutzenlaub: Das Thema Flüchtlinge wird sicherlich ein beherrschendes bleiben. Wir werden uns mit der FOC-Erweiterung auseinandersetzen, was einen Löwenanteil unserer Arbeitskraft verschlingen wird. Das ist einfach das zentrale Projekt, das es in den nächsten Jahren zu bewältigen gilt. Darüber hinaus müssen wir uns mit dem demografischen Wandel und der Frage, wie wird sich Ochtrup auf Dauer weiter entwickeln, befassen. Da sind wir dann schnell wieder bei den Themen Wohnraum und Innenstadtgestaltung.

Die geplante FOC-Erweiterung wird noch mehr Verkehr auf Ochtrups Straßen mit sich bringen. Wie begegnen Sie den Sorgen der Menschen in diesem Punkt?

Hutzenlaub: Der Verkehr muss irgendwo hin und er muss geleitet werden. In dem Punkt sind sich alle einig. Die Stadt und der Rat haben sich für das FOC entschieden und wollen auch die Erweiterung. Dass das mit mehr Verkehr verbunden ist, wurde nie in Abrede gestellt. Wir versuchen, dieses Verkehrsaufkommen so gut wie möglich einzudämmen und die damit verbundenen Probleme in den Griff zu bekommen. Allerdings wird am Ende immer irgendwer durch den Verkehr vor seiner Tür belastet sein.

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Da wäre als erstes der Wunsch, dass wir unsere Planungen für das FOC glatt durchbekommen.

Kai Hutzenlaub

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Richtet sich die gesamte Verkehrsplanung der Stadt nun am FOC aus?

Hutzenlaub: Das Verkehrskonzept beinhaltet auch die Zufahrt zum FOC, aber es beinhaltet eben noch eine ganze Reihe anderer Dinge, seien es Radwege, innerstädtische Straßen oder Tempo-30-Zonen und ähnliches. Und die richten sich schon in erster Linie an die Ochtruper.

Zum Abschluss haben Sie drei Wünsche für 2016 frei. Welche sind das?

Hutzenlaub: Da wäre als erstes der Wunsch, dass wir unsere Planungen für das FOC glatt durchbekommen. Mein zweiter Wunsch wäre, den Umbau des Lambertikirchplatzes problemlos zu bewerkstelligen. Und als Drittes wünsche ich mir, dass der Kämmerer weiterhin immer wieder mit einem Lächeln und guten Nachrichten in mein Büro kommt und nicht mit irgendwelchen Finanzeinbrüchen.

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