Mo., 01.02.2016

Gift & Gülle Gift und Gülle vorerst letztmalig verspritzt

Rasant, frech, politisch und professionell präsentierte sich die etwas andere Karnevalsshow am Samstagabend in der Ochtruper Stadthalle. Auf keinen Fall fehlen durften dabei die Korn-erprobten Gäste in der Kneipe der „Bäuerlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft“.

Rasant, frech, politisch und professionell präsentierte sich die etwas andere Karnevalsshow am Samstagabend in der Ochtruper Stadthalle. Auf keinen Fall fehlen durften dabei die Korn-erprobten Gäste in der Kneipe der „Bäuerlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft“. Foto: Martin Fahlbusch

OChtrup - 

Rasant, frech, politisch und professionell präsentierte sich die etwas andere Karnevalsshow am Samstagabend in der Ochtruper Stadthalle.

Das ist ja wohl noch schöner! Da musste sich am Samstagabend in der mit rund 320 Zuschauern besetzten Stadthalle der geneigte Töpferstädter samt einigen mutigen auswärtigen Gästen anhören, wie eine vagabundierende, aber kaum marodierende Karnevals-Komödiantentruppe mit dem ruchlosen Namen „Gift & Gülle“ mit sprechenden und hüpfenden Jecken aus Emsdetten, Wettringen, Rheine und Bilk die Ochtruper Welt – und die dort vorherrschenden Besitzverhältnisse – gnadenlos erklärte. Kein Tusch, bitte!

Demnach befindet sich die verödende Innenstadt (Zitat: „Da ist so viel los wie auf dem ausgefallenen Weihnachtsmarkt in Metelen.“ Zitatende) in den gierigen Händen eines völlig unheiligen Grafen – und stündlich kommt eine Immobilie mehr in sein Portfolio – oder wie dat Dingen heißt. Derweil sitzt der eingeschüchterte und leicht errötende Bürgermeister Kai Hutzenlaub hinter den maroden Mauern seines Rathauses in seinem schmucklosen Dienstzimmer, dreht sich gedankenverloren auf einem defekten Bürostuhl, streichelt seinen schwarzen (!) Hund und brabbelt mantraartig vor sich hin: „Ich bin Ochtruper, ich bin Dankbar!“ Und kein Mensch weiß, ob an dem scheinbar machtlosen Stadtoberhaupt nicht die Rechtschreibreform unfallfrei vorübergesaust ist.

Wer es gern platt und zotig mag, hatte hier sowieso verloren. Absolute Funkstille herrschte zudem bei Schunkelliedern. Dafür haute eine möglicherweise auf geheimen Drogen befindliche Zwei-Mann-Kapelle aus irgendeinem Rock-Jenseits angesagte Chart-Hits dem Publikum um die geröteten Ohren, dass es eine Art war. Gott sein Dank konnte Alkohol konsumiert werden.

Seit nunmehr 20 Jahren knattert das Gift & Gülle-Team samt einer ansehnlichen und fürchterlich beweglichen Tanztruppe, die auf „Imagic“ hört, auf ihrem Gülletank durch die Region und verspritzt freche und lokalpolitische Jauche.

Für die etwas andere Karnevalstruppe war es nach 20 Bühnenjahren Zeit, ein „Best of G & G“ zu präsentieren. So landeten Männerfantasien, medizinische Kunstfehler, abgedrehte Tatort-Surrogate, Aldi-Aufläufe und die so ganz und gar nicht frommen Kirchenmänner vor ihren kabarettistischen Wort- und Spielkanonen. Das oft bemühte Puppenspiel wurde mit Blick auf das AfD- und Pegida-Kasperletheater zur gnadenlosen Enttarnung genutzt.

Natürlich animierte auch wieder der radebrechende Bademeister zum „Wippi-Wippi-Handtuch-Tango“, dem dabei das ausgelassene und reaktionsfreudige Publikum gerne in den Nassbereich folgte.

Egal: Wermut- oder aber Wehmutstropfen war lediglich die Tatsache, dass sich diese entfesselte Narrenschar erst einmal eine kreative Verschnaufpause leisten will. Kein Tusch, bitte!

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