Sa., 06.02.2016

Ochtruper und die fünfte Jahreszeit Von Halbjecken und Vollnarren

Fröhliche Ausgelassenheit: Viele Ochtruper sind beim närrischen Treiben dabei oder verfolgen den Rosenmontagszug als Zuschauer am Straßenrand.

Fröhliche Ausgelassenheit: Viele Ochtruper sind beim närrischen Treiben dabei oder verfolgen den Rosenmontagszug als Zuschauer am Straßenrand. Foto: Anne Eckrodt

Ochtrup - 

Wenn die Narren ihre Zepter schwingen, heißt es auch für viele Ochtruper: Hoch die Tassen. Etliche Töpferstädter feiern die Höhepunkte der Karnevalszeit, manche nehmen sogar so viele Veranstaltungen wie möglich mit. Doch es gibt auch Rosenmontagsmuffel.

Von Hannah Moritz

Karneval ist nicht jedermanns Sache. Das ist mal klar. Die Meinungen könnten dabei unterschiedlicher kaum sein: Da gibt es den Karnevalsflüchtling. Er verschwindet spätestens an Altweiber und hat mit Verkleiden und „Helau und Buäh“ nicht viel am Hut. Und dann gib es den wahren Narren, der bereits am 11. November am Start ist und bis Aschermittwoch keine karnevalistische Veranstaltung sausen lässt. Ja, und dann sind da noch die Halbjecken, die nur zu den Höhepunkten wie Weiberfastnacht oder Rosenmontag in närrische Stimmung kommen. Sie alle sind auch in der Töpferstadt vertreten.

Zu den Karnevalsliebhabern gehört in jedem Fall Karsten Büsse. Doch den Ochtruper zieht es in der jecken Zeit in seine alte Heimat in Hessen. Dort angekommen, werde eine Woche lang gefeiert, erzählt er. „Das Kostüm mache ich aber nicht selbst, wir haben genug auf Vorrat“, erklärt Büsse schmunzelnd.

Anne Rottmann gehört ebenfalls zu den Karnevalsliebhaberinnen. Die Inhaberin des Ladens „Anne’s Wollstübchen“ hat an Weiberfastnacht mit ihrer Tanzgruppe, den „St. Mariechen“, gefeiert. Dass sie ihre Kostüme selbst gestalten, ist für Rottmann eine Selbstverständlichkeit. Auch in ihrem Laden an der Horststraße bekommt sie oft Besuch von Mitgliedern der Karnevalsvereine, die auf der Suche nach Utensilien für ihre Kostüme sind. „Bei uns findet man zwar keine Karnevalsstoffe, aber dafür Material für die Accessoires“, erklärt die Fachfrau. So hat sie zum Beispiel schon Wolle für diverse Kopfbedeckungen verkauft.

Ähnlich sieht es auch in dem Stoffgeschäft „Cadoó“ an der Bahnhofstraße aus. Sie hätten zwar viele bunte Stoffe, aber ebenfalls keine Karnevalsmotive, erklärt Inhaberin Antje Bode-Casser. „Viele behelfen sich dann aber mit Tierkostümen aus Fleecestoffen für die Kinder.“ Aber nicht nur Stoffe für Kostüme werden bei ihr nachgefragt, sondern auch allerlei Borten und Verzierungen, um die Karnevalskostüme noch bunter zu gestalten. Die Inhaberin selbst feiert auch Karneval – selbstverständlich ist ihr Fledermauskostüm selbstgenäht.

Auch für die Ochtruper Jugend gibt es Möglichkeiten, die fünfte Jahreszeit zu feiern. Ein Beispiel ist die Zeltparty der OMI- und MOMI-Runde der St.-Lamberti-Messdiener am Rosenmontag im Stadtpark. Das Spektakel lassen sich viele Feierlustige nicht entgehen. Luisa Mazur und Pia Engbers wollen der Party dieses Jahr ebenfalls einen Besuch abstatten, erzählen sie. Gemeinsam mit ihrer Clique feiern sie dort verkleidet als Cheerleader.

Aber längst nicht alle Ochtruper sind jeck. Es gibt, wie gesagt, auch noch diejenigen, denen es vor jecken Veranstaltungen jeder Art mit „Buäh“ und „Helau“ regelrecht graust. Sie verstecken sich während der jecken Zeit lieber daheim oder verabschieden sich in den narrenfreien Urlaub. So macht es auch Wilfried Hermann. Zwar hat er seine Frau an einem Rosenmontag kennengelernt, doch in den vergangenen 36 Jahren hielt er sich dann lieber von der närrischen Feierei fern. „Karneval gibt’s höchstens vor dem Fernseher“, lautet sein Motto.

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