Sa., 13.02.2016

Engelmar Unzeitig wird selig gesprochen Hermann Scheipers erinnert sich an den "Engel von Dachau"

Als Zeuge der selbstlosen Taten von Engelmar Unzeitig freut sich Prälat Hermann Scheipers ganz besonders über dessen Seligsprechung, die voraussichtlich im Herbst erfolgt.

Als Zeuge der selbstlosen Taten von Engelmar Unzeitig freut sich Prälat Hermann Scheipers ganz besonders über dessen Seligsprechung, die voraussichtlich im Herbst erfolgt. Foto: Irmgard Tappe

Ochtrup - 

Voraussichtlich im Herbst soll Engelmar Unzeitig selig gesprochen werden. Prälat Hermann Scheipers erinnert sich an den Priester, der sich im Konzentrationslager in Dachau ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben für andere einsetzte und im Alter von nur 34 Jahren, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, an Flecktyphus starb.

Von Irmgard Tappe

Wenn Prälat Hermann Scheipers in seinem Zimmer im Carl-Sonnenschein-Haus sitzt und über sein Leben nachdenkt, dann sind da immer wieder die Bilder aus seiner Zeit im Konzentrationslager. Oft denkt er auch an seine längst verstorbenen Mithäftlinge. Einer von ihnen war der Priester Engelmar Unzeitig. „Ich habe neulich erfahren, dass er selig gesprochen wird. Das hat er auch verdient und ich freue mich über die Entscheidung“, sagt Scheipers.

Am 22. Januar 2016 hatte Papst Franziskus ein Schreiben unterzeichnet, das den Geistlichen Unzeitig als Martyrer anerkennt. Prälat Scheipers ist einer der wichtigsten Zeitzeugen in diesem Seligsprechungsverfahren.

Zur Person

Wer war Engelmar Unzeitig? Informationen zur Person

Der 102-jährige erzählt von dem selbstlosen Wirken des Engelmar Unzeitig im Konzentrationslager Dachau. „Im Dezember 1944 brach in unserem Gefangenenlager Flecktyphus aus. Aus Angst, sich anzustecken, wollte niemand die Pflege in den Isolierbaracken übernehmen. Pater Engelmar aber meldete sich freiwillig. Ohne Rücksicht auf sich selbst pflegte er die Kranken. Flecktyphus war hochansteckend und verlief fast immer tödlich“, ist Pastor Scheipers noch immer beeindruckt von dem Handeln seines Mithäftlings.

Der Prälat berichtet von den Isolierbaracken, wo die Kranken in dreistöckigen Betten eingepfercht wurden. „Es wimmelte dort von Wanzen und Läusen. Ein schrecklicher Zustand. Man kann das gar nicht beschreiben“, erinnert sich der Geistliche an die Krankenstation, die er selber erfahren hat. Denn auch er hatte sich infiziert. „Bei mir nahm die Krankheit aber einen leichten Verlauf, so dass ich die Station bald wieder verlassen konnte.“

Unzeitig habe den Todkranken in der Flecktyphus-Baracke auch die Sakramente gespendet. Doch nach einigen Monaten hätte auch ihn die Krankheit gepackt. „Er hat den Flecktyphus leider nicht überstanden. Kurz vor Kriegsende ist er gestorben. Er wurde nur 34 Jahre alt“, bemerkt Scheipers traurig. „Bei uns im KZ Dachau“, fährt der Prälat nach einigem Überlegen fort, „nannte man Engelmar Unzeitig übrigens den Engel von Dachau. Er hat Mitgefangene vor dem Hungertod gerettet, weil er ihnen von seinen Essensrationen abgab.“ In seinem Buch „Gratwanderungen – Priester zwischen zwei Diktaturen“ hat Hermann Scheipers seinem Mithäftling Engelmar Unzeitig ein Kapitel gewidmet. Darin bezeichnet er Unzeitig als „Maximilian Kolbe der Deutschen.“ Die Seligsprechung des Engelmar Unzeitig findet voraussichtlich im Herbst 2016 im Dom zu Würzburg statt. Prälat Hermann Scheipers geht davon aus, dass auch er als Zeitzeuge dazu eingeladen wird.

Zum Thema

Das von den Nationalsozialisten begangene Unrecht wird noch immer juristisch aufgeklärt. Vor dem Landgericht in Detmold hat am Donnerstag ein Prozess gegen einen Mann begonnen, der sich als Wachmann im Konzentrationslager Auschwitz in 170 000 Fällen der Beihilfe zum Mord schuldig gemacht haben soll. Es ist wohl der letzte in Nordrhein-Westfalen.

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